WIEHL

Ein Festkomitee zieht in die Schlacht

vma; 25.01.2020, 20:38 Uhr
Fotos: Vera Marzinski --- Eric (Colin Knura) und Helen (Marion Fuchs) spalten das Komitee und geraten immer wieder aneinander.
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Ein Festkomitee zieht in die Schlacht

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vma; 25.01.2020, 20:38 Uhr
Wiehl - Das Schau-Spiel-Studio Oberberg zeigt unter der Regie von Raimund Binder „Das Festkomitee“ - Eine Komödie von Alan Ayckbourn, die eine verhängnisvolle Dynamik entwickelt.

Von Vera Marzinski

 

Um das Image aufzupolieren, will die Kleinstadt Pendon ein historisches Festspiel aufführen: „Das Massaker der Zwölf von Pendon“. Alle Beteiligten sind voll Tatendrang. Stadtrat, Lehrer und selbst eine Hundezüchterin treffen sich zu Beratungen. Doch in dem frisch gegründeten Festkomitee kollidieren schon sehr bald persönliche Eitelkeiten, gegenseitige Abneigungen und amouröse Verwicklungen.

 

[Eine gemischte Runde ist das Festkomitee in der Kleinstadt Pendon, dass etwas mehr Schwung in die Kleinstadt bringen möchte.]

 

„Very british“ und schwarzhumorig sind die Stücke des englischen Autors Alan Ayckbourn. Allerdings fühlten sich viele Zuschauer auch an Sitzungen und Versammlungen in heimischen Gefilden erinnert. Immer sind da die Dreimalklugen, die Redenschwinger und die ständigen Kritiker – und genau solche Spezies planten im Stück „Das Festkomitee“ ein Fest, um ihre Kleinstadt Pendon interessant zu machen. Alles muss seine Ordnung haben und so wird Ray (Gisbert Möller), der sowieso schon das Heft in der Hand hat und ständig gerne auf seinen „Bericht des Vorsitzenden“ eingeht, zum offiziellen Vorsitzenden gewählt. Gut besetzt, denn er versucht immer wieder die Wogen zu glätten.

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Besonders wenn seine Frau Helen – mehr als authentisch als lästernde und auf Krawall gebürstete Dame von Marion Fuchs dargestellt – wieder einmal mit dem kommunistisch gesinnten Lehrer Eric Collins aneinandergerät. Der wird von Colin Knura brillant mit immer passender Mimik sowie außerordentlichem verbalen und körperlichen Einsatz dargestellt. Gut besetzt ist Möller auch selbst, denn die etwas langatmige Geschichte der „Zwölf von Pendon“ hätte keiner so vehement vortragen können.

 

Seine Stimme wurde zudem arg beansprucht, denn bei der dritten Komitee-Sitzung wird es laut im Schau-Spiel-Studio. Perfekt an den richtigen Stellen spielte die Technik (Nadine Jung) einen Bohrhammer ein – das alte Hotel in dem das Komitee tagte, wurde renoviert. Da mussten die Darsteller ihre durchdringenden Stimmen unter Beweis stellen und wechselten grandios immer wieder in die normale Lautstärke, wenn der Krach vorbei war.

 

[Helen (Marion Fuchs) mischt sich gerne ein und nimmt auch gegenüber Ray (Gisbert Möller), ihrem Gatten und Vorsitzenden des Festkomitees, kein Blatt vor den Mund.]

 

Das Gebaren, die Eitelkeiten und die Dümmlichkeiten solcher Runden setzte sich auch in den weiteren Rollen fort. Stadtrat Donald (Thomas Knura) sitzt zwar im Kulturausschuss, bewirkt aber dort nichts für das Komitee und ist der typische Bedenkenträger, der zu verhindern weiß, dass seine schwerhörige Mutter (Marita Herrmann), die Protokolle führt und bei „Hänschen klein“ am Klavier das Festgeschehen nicht mitbekommt, nach der Sitzung noch ein Gläschen mit den anderen trinkt. Lawrence (Eckhard Pfiffer) hingegen kommt als wankender Trunkenbold schon zur Sitzung und trägt hauptsächlich sein „Hört, hört!“ zur Versammlung bei.

 

Hundezüchterin Sophie (Lina Brück) hängt an Erics Lippen, der gleich zwei Frauen um sich schart. Denn eigentlich lebt er mit seiner gar nicht so schüchternen Philippa (Maike Krei) zusammen. Gemeinsam wird also ein Stadtspektakel beschlossen in diesem Festkomitee, dessen Eigendynamik eine zerstörerische Sprengkraft entwickelt. Fast so nebenbei kommt Tim (Peter Schubert) ins Spiel – der Bruder der Hundezüchterin, der das Ganze wohl in ein strategisches Kriegsspiel führen möchte.

 

Als schließlich der große Tag näher rückt, regiert das Chaos, und aus Spaß ist längst verbissener Ernst geworden. Mit viel Spaß sind allerdings die Darsteller der Komödie in ihren Rollen dabei, die Binder nicht besser hätte besetzen können. Und die neuen Darsteller (Fuchs, Krei und Schubert) fügen sich wunderbar in das facettenreiche Schau-Spiel-Studio-Ensemble ein.

 

Weitere Termine So. 26.01. (18 Uhr), Fr. 31.01. u. Sa. 01.02. (20 Uhr), So. 02.02. (18 Uhr), Mi. 05.02., Sa. 08.02., Mi. 12.02. u. Sa. 15.02. (20 Uhr) sowie So. 16.02. (18 Uhr).

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