WIEHL

„Auf Schicht mit...“ dem Ordnungsamt

ls; 25.03.2020, 06:00 Uhr
Fotos: Leif Schmittgen --- Felix Buchen (li.) und Antonio Wendeler versehen in der Coronakrise gemeinsam ihren Dienst.
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„Auf Schicht mit...“ dem Ordnungsamt

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ls; 25.03.2020, 06:00 Uhr
Wiehl – OA begleitete in Coronazeiten zwei Ordnungshüter – Trotz fast menschenleerer Straßen wurden Verwarnungen ausgesprochen.

Von Leif Schmittgen

 

Auf dem Wiehler Weiherplatz, wo normalerweise geschäftiges Treiben herrscht, findet sich am gestrigen Morgen kaum eine Menschenseele – das Versammlungsverbot zeigt seine Wirkung. Antonio Wendeler (57) vom Ordnungsamt und Gärtnermeister Felix Buchen (29) beginnen ihren Streifendienst im Herzen der Stadt. Ein Pflanzenexperte in Diensten der Ordnungsbehörde? Ja. Behördenintern ist das - besonders in Coronazeiten - möglich. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, um die Kollegen bei ihren Einsätzen zu unterstützen“, erläutert Buchen den Grund für die spontane gemeinsame Schicht.

 

 

Im Gespräch mit dem Kollegen fallen Wendeler im Augenwinkel drei Menschen auf dem weitgehend leeren Parkplatz auf, die munter miteinander kommunizieren. „Wahrscheinlich haben die sich zufällig getroffen“, vermutet der Ordnungshüter, schreitet sogleich zur Tat und löst die Gruppe auf: „Kontakte zwischen zwei Menschen und mehr sind zu unterlassen“, begründet der Ordnungshüter sein Einschreiten in die sonst alltägliche Situation. Er belässt es bei einer mündlichen Verwarnung, da sich die Gruppe sofort auflöst und die Betroffenen Einsicht zeigen. „Im Wiederholungsfall wäre ein Ordnungsgeld fällig“, sagt Wendeler.

 

 

Seit fast 20 Jahren steht er in Diensten des städtischen Ordnungsamtes, die aktuellen Anweisungen sind aber auch für ihn neu. Auf dem Weg zum Wiehler Rathaus werfen beide einen kurzen Blick durch das Schaufenster beim örtlichen Metzger. Ein kurzes „Daumen hoch“ der Verkäuferin signalisiert dem Streifendienst, dass alles in Ordnung ist. „In kleinen Ladenlokalen dürfen Kunden nur einzeln eintreten“, klärt Buchen die zunächst grotesk wirkende Szene auf. Am benachbarten Kiosk wird die Situation deutlicher, eine Frau wartet vor dem Haus geduldig in gebührendem Abstand auf Einlass.

 

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Auf dem Weg zum für den Publikumsverkehr geschlossenen Rathaus fällt dem 57-Jährigen ein Radfahrer auf, der über den Fußgängerweg fährt und fordert ihn unmissverständlich auf, das Bike zu schieben. „Normalerweise wäre jetzt ein Verwarngeld in Höhe von 30 € fällig“, hat Wendeler das Tagesgeschäft - trotz der erhöhten Auflagen - fest im Blick, aber lässt auch in diesem Fall „fünfe gerade sein“. Diesen Spielraum hat er grundsätzlich von Gesetzes wegen.

 

 

Dass das Tagesgeschäft an anderer Stelle nahezu brachliegt, zeigt sich auf der sonst so quirligen Hauptstraße, wo die beiden ihren Streifendienst in Richtung Bahnhof fortsetzen. Normalerweise stehen in den Parkbuchten links und rechts der Fahrbahn die Autos Stoßstange an Stoßstange: „In diesen Tagen haben die Politessen wenig zu tun“, stellt Wendeler mit einem Schmunzeln fest. Gegenüber des Busbahnhofs weist Felix Buchen auf die geschlossene Polizeiwache hin, wo sonst Bezirksbeamte ihren bürgernahen Dienst verrichten. Wendeler: „Auch wenn die Türen der Polizei momentan zu sind, stehen wir, wie sonst auch, in engem Austausch."

 

 

Amtshilfe gibt es oft, zum Beispiel in Fällen häuslicher Gewalt oder wenn es darum geht, Menschen in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Beide hoffen, dass solche Einsätze in den kommenden Tagen nicht über das leider übliche Maß hinausgehen und auch einsame Menschen das Kontaktverbot seelisch unbeschadet überstehen: „Noch ist die Lage sehr gut, die Bürger halten sich vorbildlich an die Vorgaben", zieht Wendeler ein erstes Fazit und lobt die Besonnenheit seiner Mitbürger.

 

 

Die Restriktionen werden auch vor dem Eingang des örtlichen Supermarktes deutlich. Mit Metallgittern wurden die Ein- und Ausgänge separiert, der Zutritt zum Markt ist ausschließlich mit Einkaufswagen gestattet. „Damit möchte man gewährleisten, dass die Einkäufer mindestens anderthalb Meter Abstand zueinander halten“, weiß Buchen. Auch wenn es sich auf dem Marktgelände um privaten Grund handelt, erkundigen sich die Ordnungshüter bei den Mitarbeitern eines Security-Unternehmens an der Schiebetür des Verbrauchermarktes nach dem Stand der Dinge. Auch hier scheint, nach zustimmendem Kopfnicken der in schwarz gekleideten Personen, alles im Lot.

 

 

Bevor beide ihren Dienst im Auto fortsetzen - sie sind für das gesamte Stadtgebiet zuständig - werfen sie noch einen Blick in den Wiehlpark. Diesen darf zurzeit niemand betreten, Bauzäune versperren den Weg. Mit etwas Wehmut blickt vor allem Felix Buchen auf zwei blühende Kirschbäume inmitten des Freizeitparks. „Liebend gerne würde ich mit meinen Kollegen die städtischen Grünflächen für Ostern herrichten." Aber ihm seien derzeit die Hände gebunden. Buchen war es auch, der in der vergangenen Woche beim Aufstellen der Sperrzäune half. „Ämterübergreifende Zusammenarbeit in Wiehl funktioniert hervorragend, und das nicht nur in Notzeiten“, so Buchen.

 

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KOMMENTARE

1

Bewegung an der frischen Luft ist gesund u. erlaubt! Warum ist dann bei Beachtung der geltenden Regeln ein Spaziergang usw. durch den Kur- oder Wildpark verboten ? Das bietet sich für die jeweils angrenzenden Bewohner an u. genug Abstand zu halten ist auch kein Problem.

Realistischer Oberberger , 25.03.2020, 08:13 Uhr
2

An den Vorkommentator: Es geht darum das "Rausgehen" unattraktiv zu machen und gerade solche Anlaufstellen, wo sich viele Leute aufhalten könnten, müssen deshalb gesperrt werden.

Außerdem mal ein großer Dank auch an die Damen und Herren der Ordnungsämter und Polizei, die nun viel für uns draußen unterwegs sind. Danke das ihr aufpasst.

Dankbarer Oberberger, 25.03.2020, 09:52 Uhr
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An den Dankbaren : ich halte mich durchaus an die Regeln, halte sie auch für richtig u. nachvollziehbar! Allerdings bin ich auch in der Lage den notwendigen Abstand einzuhalten, rechtzeitig die Richtung zu ändern oder den Weg zu verlassen. Das traue ich andern Mitbürgern auch zu !! Einen einzelnen Bürger von der Parkbank zu scheuchen (Berlin) oder jemanden aus dem Wald in der Nähe seiner Wohnung zu vertreiben hat mit Sicherheit oder Undank absolut nichts zu tun. Das ist unnötiger Aktionismus. - sonst nichts !!

Realistischer Oberberger , 27.03.2020, 16:34 Uhr
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