WIEHL

„Genießen in vollen Zügen“

ad; 15.09.2025, 18:05 Uhr
Fotos: Christian Melzer --- Das Erntepaar Max und Anna Grün genoss mit den Kindern die Kutschenfahrt durch die Menge.
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„Genießen in vollen Zügen“

ad; 15.09.2025, 18:05 Uhr
Wiehl - Ein bunter Erntezug schlängelte sich am Sonntag durch die Gassen von Drabenderhöhe.

Von Astrid Deckers

 

Ein farbenfroher Lindwurm schlängelte sich am Sonntag anlässlich des 68. Erntefests durch die Drabenderhöher Straßen- Mit dem Umzug wurde der Abschluss der dreitägigen Feierlichkeiten gebührend gefeiert. Das Erntepaar Anna und Max Grün führte in einer herbstlich geschmückten Pferdekutsche den Zug an. Begeistert verfolgten beide den Zug an der Kirche, wo sie der Kutsche entstiegen waren, um sich erst am Ende wieder einzureihen. „Wir genießen das in vollen Zügen“, so Anna Grün und Ehemann Max ergänzte: „Wir sind völlig überwältigt, soviel Gemeinschaft zu erleben.“ Zahlreiche Besucher hatten sich an den Straßenrändern eingefunden, um die Aktiven und ihre kreativen Wagengestaltungen und Outfits zu bejubeln.

 

[Kinder, Eltern und Teammitglieder der evangelischen Kita Drabenderhöhe hatten liebevoll einen Anhänger zum Thema: Ernten, Prüfen, Danken“ dekoriert.]

 

Stimmungsvoll musikalisch begleitet wurde der Festumzug vom Bläsercorps Much, dem Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe und den über 80 Musikern des Musikvereins Heddinghausen. Traditionell beteiligten sich auch die evangelische Kita und die DRK-Kita Adele Zay am Geschehen. Die DRK-Kita konnte in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern und hatte mit Lukas Sieper einen Abgeordneten des Europäischen Parlaments als Träger für ihr Motto-Schild gewinnen können. Walnuss-, Apfel- und Birnbäume, Beete für Obst und Gemüse auf dem Außengelände, die 70 Kinder und 16 pädagogischen Kräfte säen und ernten das ganze Jahr, wie uns die Leitung Hanni Widmann berichtete. Da ist die Teilnahme am Erntedankzug unabdingbar und seit Bestehen der Einrichtung liebgewordene Tradition.

 

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Neben allem Dank für die reichliche Ernte gab es aber auch Wagen, die zusätzlich mit ihrem Leitspruch gesellschaftliche Fragen und Themen ansprachen. Die Nachbarschaftsgemeinschaft Biesengarten hatte das Motto „Ernte im digitalen Wandel“ gewählt und auf ihrem Festwagen neben Obst und Gemüse auch eine Glasfaserrolle mit Glasfaserkabeln, Konserven und Fertiggericht-Verpackungen dekoriert. Die über 30 Nachbarn im Alter von neun bis 91 Jahren hatten sich generationsübergreifend für das Motto nach dem Ausbau des Internets in ihrer Straße entschieden, befürchten sie doch, dass zunehmend der Bezug zum landwirtschaftlichen Erzeuger verloren geht, wenn selbst Nahrungsmittel im Internet bestellt werden können.

 

[Die Mitglieder des Männergesangvereins Drabenderhöhe feierten das Erntepaar gleich mit mehreren La-Ola-Wellen.]

 

„Wir ernten Vielfalt“, unter diesem Leitgedanken hatte die Nachbarschaft Nösnerland/Reenerland ihr Fahrzeug mit Flaggen aus aller Welt geschmückt und in der Fußgruppe konnte man unterschiedlichste Trachten sehen. Getragen wurden diese von Siebenbürgen, Polen, Griechen, Armeniern, Schweizern, Niederländern und sogar einer Familie aus Guatemala, die nunmehr in Drabenderhöhe beheimatet ist. Die über 40 Teilnehmer der Gruppe wollten deutlich machen, dass Vielfalt im Rahmen einer beispielhaften Integration bereichernd für alle sein kann.

 

Der „Freistaat“ Brächen richtete mit seinem prall gefüllten Anhänger, getreu dem Motto: „Kürbis, Apfel, Brot im Korb – alles wächst im Heimatort“ das Augenmerk der Zuschauer auf die vielfältige Ernte im 600 Seelen-Dorf. Auf Nachfrage erklärten die Gruppenteilnehmer, das Freistaatschild solle auf die Befürchtung der Brächener Bürger hinweisen, nach Drabenderhöhe „eingemeindet“ zu werden. Mit den sich zunehmend ihrem Ort nähernden Baugebieten wachse auch die Angst der Menschen, den Heimatort zu verlieren und zu einem kleinen Teil eines größeren Ortsteils zu werden. Man möge die Drabenderhöher sehr, wie auch die Teilnahme am Zug beweise, die eigene Autonomie und das damit verbundene Heimatgefühl wolle man jedoch nicht verlieren.

 

[Kinder und Lehrkräfte der GGS Drabenderhöhe hatten sich entsprechend ihrem Motto: „Gärtner, Bauern, Blumenkinder“ fantasievoll verkleidet.]

 

Mit Inga Lutter und Volker Stache war es dem Ernteverein Drabenderhöhe gelungen, ein Moderationspaar zu gewinnen, das - basierend auf seiner humorvollen Art und Weise - die Zuschauer bestens mit Fakten, kleinen Anekdoten und Details zu den Zugteilnehmern unterhielt. Kleine, scherzhaft rivalisierende Neckereien, ob nun die Dorfgemeinschaft Scheid (Lutter) oder Biesengarten (Stache) den schönsten Wagen hätten, sorgten für ein breites Grinsen bei den auf das Eintreffen des Zuges wartenden Zuschauern.

 

Die zahlreichen im Zug vertretenen Kinder und Jugendlichen bestätigten Staches Worte: „Ohne Jugend keine Tradition. Wir kümmern uns um die Wünsche unseres Nachwuchses, um den Erhalt der Traditionen zu gewährleisten.“ Drabenderhöhe und sein Ernteverein müssen sich um die Zukunft keine Sorgen zu machen, denn der Nachwuchs hat begeistert teilgenommen.

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