WIRTSCHAFT

Kurzarbeit ist derzeit die einzige Hilfe

ls; 23.03.2020, 16:40 Uhr
Fotos: Marcus Laegner (Titel, Textbild 1), Michael Beisgen (2) Stefan Röhler (3), Privat (4) --- Das Studio Fit & Fun ist derzeit leer, die Kunden bleiben auf Anordnung zu Hause.
WIRTSCHAFT

Kurzarbeit ist derzeit die einzige Hilfe

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ls; 23.03.2020, 16:40 Uhr
Oberberg - OA hat sich bei Fitnessstudios, Gebäudereinigern, Messebauern und Fahrschulen nach der Lage in Zeiten der Corona-Krise erkundigt.

Von Leif Schmittgen

 

Für viele Betriebe bleibt derzeit nur die Anmeldung von Kurzarbeit, aber die Arbeitgeber haben auch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Die Auszahlung von KfW-Krediten kann unter Umständen Wochen dauern. Alle von OA befragten Betreiber schauen in eine ungewisse Zukunft.

 

Fitnessstudio Fit & Fun, Waldbröl

 

Marcus Laegner erlebt dieser Tage viel Solidarität. Er betreibt in Waldbröl das Fitnessstudio "Fit & Fun" und musste bereits am vergangenen Dienstag die Pforten für den Publikumsverkehr dichtmachen. Nach der Schließung und vorübergehenden Freistellung seiner insgesamt elf Mitarbeiter - viele von ihnen sind Aushilfen – hat er trotzdem praktische Unterstützung erhalten. „Viele sind unentgeltlich gekommen, um kleine Reparaturen an den Trainingsgeräten zu erledigen oder Informationsbriefe an die Kunden zu fertigen, in denen diese über die vorübergehende Schließung informiert werden."


Für seine festangestellten Kollegen hat er am heutigen Tag Kurzarbeitergeld beantragt. Die Beitragszahlungen der Kunden sind derzeit auf Eis gelegt: „Wir können die vertragliche vereinbarte Dienstleistung nicht erbringen, deshalb müssen die Mitglieder auch nicht zahlen“, erklärt der Inhaber die derzeit schwierige Situation. In dem Schreiben bittet er die Kunden aber, die Einzugsermächtigungen nicht einzustellen, denn Raum- und Gerätemieten laufen weiter und auch die Gehälter der Mitarbeiter müssen überwiesen werden. „Wer sich entschließt, auch weiterhin seinen Beitrag zu zahlen, bekommt - sobald die Krise überwunden ist -Gutschriften", sagt Laegner. Damit möchte er den Betrieb aufrechterhalten.

 

Er ist mit seinem Auszubildenden der einzig Verbliebene im Fitnessstudio und bereitet für die Kunden einen speziellen Service vor. Über das Internet möchte er in Zusammenarbeit mit Onlinefirmen virtuelle Kurse anbieten und bewirbt diese auch auf der eigenen Homepage. „Wir möchten unseren Kunden zeigen, dass wir auch in schweren Zeiten für sie da sind“, begründet Laegner, der sich keine finanziellen Vorteil von der Aktion verspricht. Ein Feedback von den Gästen hat er noch nicht erhalten, da die Aktionen erst kurzfristig angelaufen sind.

 

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Messebauer Jo Bramer, Lindlar

 

Die Corona-Krise hat Helga Bramer, Geschäftsführerin des Messebauers „Jo Bramer“ in Lindlar, bereits vor einigen Wochen hart getroffen. Seinerzeit wurden prophylaktisch die ersten Messen abgesagt. „Bereits jetzt verzeichnen wir einen Umsatzrückgang von 50 Prozent“, sagt sie. Unklar ist auch, ob und wie die Kunden bereits auf-, und aufgrund der Situation, wieder abgebaute Stände bezahlen.

 

„Die Absagen haben uns teilweise erst drei Tage vor Beginn erreicht, da war schon alles aufgebaut“, berichtet die Messebauerin. Überwältigt war Helga Bramer von der positiven Resonanz ihrer Mitarbeiter, für die sie in den vergangenen Tagen Kurzarbeitergeld angezeigt hat: „Trotz der finanziellen Einbußen haben allesamt Verständnis für die brenzliche Situation gezeigt“, lobt die Geschäftsführerin. Auch ist noch unklar, wer die Materialkosten, zum Beispiel für bestellte Bodenbeläge oder auch Möbelstücke, trägt, wobei Bramer bei Zulieferern große Kulanz erlebt habe. „Bei vielen Firmen war die kurzfristige Stornierung problemlos möglich."

 

Leid tut es ihr auch, dass das von den Mitarbeitern mit viel Kreativität Geschaffene nun mangels Kundschaft keine Würdigung findet.

 

[Viele Stände waren bereits fertig, doch dann kam die Absage.]

 

Besonders im März und April seien nahezu alle Projekte auf Eis gelegt worden, einige davon sind in den Frühsommer verschoben. Eine Prognose, ob sich die Auftragslage im Mai wieder bessert, möchte Helga Bramer in dieser ungewissen Zeit nicht abgeben. „Wir haben viele familiengeführte Unternehmen unter unseren Kunden, da sind Spontanabsprachen jederzeit möglich“, spricht die Geschäftsführerin aus ihrer Erfahrung und lobt die Solidarität auch auf der Kundenseite. Das 50. Jubiläum des Unternehmens hat man im vergangenen Jahr im kleinen Kreis gefeiert: „Hoffentlich war es nicht unser letztes Fest“, so Bramer.

 

Gebäudereiniger Mahling, Gummersbach

 

Claudia Diestelhorst, Geschäftsführerin der Gebäudereinigung Mahling in Gummersbach, blickt ebenfalls in eine wirtschaftlich schwierige Zukunft. Viele ihrer Kunden haben ihre Betriebe geschlossen und somit findet vor Ort auch keine Reinigung, von zum Beispiel von Schaufenstern, mehr statt. Bei den privaten und gewerblichen Kunden, die geblieben sind, wird derzeit öfter gereinigt als in „normalen Zeiten“. „Verstärkt setzen wir Desinfektionsmittel - zum Beispiel an Türklinken - bei der Reinigung ein“, beschreibt Diestelhorst die Art von Sonderwünschen, die normalerweise nicht anfallen. Aber auch diese Mehrarbeit kann den Umsatzeinbruch nicht verhindern. „Wir stehen in sehr gutem Kontakt mit den Banken“, so die Geschäftsführerin. Andere finanzielle Hilfen sieht die Unternehmerin, wegen der möglichen Dauer bis zu einer Auszahlung, derzeit nicht. Umso dankbarer ist die Geschäftsführerin für die Flexibilität der Geldinstitute.

 

Sorgen bereitet Claudia Diestelhorst die Situation der Honorarkräfte, die sie beschäftigt. „Viele Reinigungsmitarbeiter kommen nicht auf ihre Stunden“, weiß sie von der brenzligen Lage. Umso vorbildlicher findet sie die Reaktion der Gemeinde Reichshof, für die das Unternehmen unter anderem in Schulen tätig ist. „Das Geld wird vonseiten der Verwaltung weitergezahlt und später über Minusstunden ausgeglichen“, freut sich die Geschäftsführerin, wenigstens einen kleinen Teil ihrer Mitarbeiter weiter bezahlen zu können.

 

 

Fahrschule Huhn, Gummersbach

 

Rund um die Uhr könnte derzeit Pascal Wiefel, Inhaber der Fahrschule Huhn in Gummersbach, arbeiten. Etwa 300 Menschen befinden sich derzeit in der Führerschein-Ausbildung, ihm sind aber seit der vergangenen Woche die Hände gebunden: „Wir zählen zu den Bildungseinrichtungen und mussten den Fahrbetrieb deswegen komplett herunterfahren“, berichtet Wiefel. Der Umsatz sei von 100 auf null gesunken, einen Monat Verdienstausfall hat der Familienvater mindestens kalkuliert. Sowohl der praktische als auch theoretische Unterricht wurde nach Vorgabe eingestellt. Die Möglichkeit, Onlineunterricht zu geben, besitzt der Fahrlehrer wegen strenger Vorschriften nicht.

 


Für seine Mitarbeiter hat er heute Kurzarbeit angezeigt. „Ich bin unverschuldet in diese Situation geraten und wünsche mir schnelle finanzielle Unterstützung“ sagt Wiefel. Die Betriebskosten für seine vier Fahrzeuge laufen genauso weiter wie die Mietkosten für die Unterrichtsräume. Er habe nach der Zwangsschließung sofort seine Kunden informiert und teils heftige Reaktionen erhalten: „Ich kann es gut verstehen, wenn man rund 2.000 € für die Ausbildung investiert und die Fahrschüler der Unterbrechung nicht begeistert sind“, betont er.

 

Die Schließung seines Betriebes ist zunächst auf vier Wochen befristet. "Nach dieser Zeit brauchen meine Schüler ein oder zwei Extrastunden, um wieder Fahrpraxis zu bekommen. Diese müssen dann wiederum extra bezahlt werden, denn die Betriebskosten laufen weiter“, hat der Fahrlehrer viel Verständnis für den Ärger einiger seiner Kunden. „Aber von Luft und Liebe kann ich auch nicht leben." Etliche Prüfungen hätten in dieser Woche noch angestanden, die – auch wegen der Schließung beim TÜV – nicht stattfinden können. Die Prüflinge seien unter besonderem Druck, weshalb die Situation diese Fahrschüler besonders treffe.

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