OBERBERGISCHER KREIS

Schützenfeste und Lindenplatz-Nachfolger sind passé

ls; 17.04.2020, 10:50 Uhr
Archivfotos: Ute Sommer (Titel), Michael Kleinjung (Text 1), Leif Schmittgen (Text 2) --- Vermutlich wird es in diesem Jahr keine Traditionsveranstaltungen im Oberbergischen geben.
OBERBERGISCHER KREIS

Schützenfeste und Lindenplatz-Nachfolger sind passé

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ls; 17.04.2020, 10:50 Uhr
Oberberg - Welche Auswirkungen hat das Großveranstaltungsverbot für den OSB und weitere Organisatoren? – OA hat nachgefragt.

Von Leif Schmittgen

 

Klaus Büser, Chef des Oberbergischen Schützenbundes (OSB), wartet nach der gestrigen Aussage von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, auf schriftliche Weisungen der Regierung. Der Landeschef hatte verkündet, dass in diesem Sommer keine Schützenfeste stattfinden würden. „Es wäre schön, wenn bis zum Ende der Woche eine Verschriftlichung der Aussage Laschets vorliegen würde“, sagt der OSB-Präsident und durchforstete schon heute sämtliche einschlägige Internetseiten. „Dann hätten die Vereine Planungs- sowie Rechtssicherheit und könnten entsprechend reagieren“, so Büser weiter. Ohne die Mitglieder der jeweiligen Grünrockverbände zu bevormunden, das stehe ihm persönlich aber auch von Rechtswegen nicht zu, könne dann jeder Verein die Vorgaben entsprechend eigener Statuten umsetzten.
 

In welche Richtung, das weiß Büser nicht. Denn theoretisch könne es passieren, dass besonders kleine Vereine auf ihr Fest beharren, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Geschätzt 25 Prozent der OSB-Mitgliedsvereine haben bereits ihre Feste per se abgesagt. „Das sind meist diejenigen, die im Mai oder Juni gefeiert hätten, wünscht sich der OSB-Chef Klarheit auch für alle die, wie beispielsweise Hülsenbusch, die erst im September ausrichten. Wirtschaftlich spiele eine mögliche Festabsage für die meisten Betroffenen laut Büsers Einschätzung nur eine untergeordnete Rolle. „Für viele ist die Ausrichtung satzungsgemäß vorgeschrieben, was auf traditionelle Gründe, wie Vereidigungen in früheren Zeiten und das Gewinnen neuer Mitglieder, zurückzuführen ist“, sagt er. Unabhängig vom „Spaßfaktor“ Feiern und rein wirtschaftlich betrachtet, sei die Ausrichtung finanziell ein Null- oder sogar Minusgeschäft: „Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber viele finanzieren ihre Feste über Anzeigenwerbung oder durch Zuschüsse von externen Sponsoren“, ist sich der Präsident sicher.

 

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Sorgen bereiten ihm vielmehr die weggebrochenen Einnahmen durch Hallenmieten und sonstige, normalerweise kassenfüllende, Schießveranstaltungen. Dass kränkelnde Vereine durch die vermutlich komplett brachliegende Schützensaison gänzlich von der Bildfläche verschwinden würden, glaubt der OSB-Präsident nicht. Aus ideeller Sicht sei die Lage dagegen katastrophal, bedauert er. Trotzdem gehe sein Verband mit gutem Beispiel voran: „Alle unsere Veranstaltungen, inklusive des Bundesschützenfestes sowie Schieß- und Jugendwettbewerben, wurden um ein Jahr verschoben.“ Selbst wenn es rechtlich möglich sein sollte, würden diese Events derzeit nicht ins gesellschaftliche Wahrnehmungsbild passen. Einzige Ausnahme: Die bereits auf den 31. Oktober verschobene OSB-Delegiertenversammlung steht – Stand heute – noch im Terminkalender des Chefs.

 

Auch Anderen blutet das Herz wegen des Veranstaltungsverbotes: SCHWALBE arena-Manager Wolf-Dietrich Weithöner bedauert, dass unter anderen auch der Abiball des Lindengymnasiums nun zumindest im Frühjahr ins Wasser falle. „Nach heutigem Gespräch mit dem Bürgermeister wurde die Veranstaltung verständlicherweise untersagt“, berichtet Weithöner.

 

Der Nachfrage des Schulorganisationsteams eine telefonische Absage zu erteilen, sei ihm daher schwergefallen. Weithöner ist – abgesehen von den moralischen Bedenken – derzeit mit der Verlegung der bisher verschobenen Veranstaltungen beschäftigt und plant bereits für das kommende Eventjahr. „Das bevorstehende Sommerloch kommt uns derzeit zugute“, schaut der Manager relativ entspannt auf die kommenden (Verbots-) Wochen.

 

„Faktisch ist das Veranstaltungsjahr gelaufen“, so der Halle 32-Chef Martin Kuchejda. Er hat – unabhängig vom Veranstaltungsverbot - schon in den vergangenen Wochen etliche Absagen für Betriebs- oder Familienfeiern erhalten. Oft liege man bei den Veranstaltungen zwar unter 1.000 Besuchern, trotzdem seine Konzerte auch in kleinerem Rahmen organisatorisch nicht durchführbar. Großveranstaltung hin oder her: „Wie will man zum Beispiel bei der Rammstein-Coverband Völkerball einen Mindestabstand durchsetzten?“, sagt der Kulturexperte.

 

Unter das Veranstaltungsverbot wäre auch die Nachfolgeveranstaltung des Lindenplatz Open-Air im Stadtgarten gefallen. Im Juli hätte dort die Coverband „Kings of Floyd“ gemeinsam mit einem Orchester auftreten sollen, vor geschätzt 5.000 Besuchern. „Wir haben uns vor zwei Wochen entschieden, die Veranstaltung um ein Jahr zu verschieben“, so der Hallenchef. Eigentlich hätten er und sein Orga-Team die Öffentlichkeit Ende April über das neue Konzertereignis in der Kreisstadt informiert.

 

Alle Beteiligten äußerten ihre Entscheidung mit großem Verständnis für die Entscheidungen der Politik. „Wir müssen jetzt vernünftig bleiben, denn die Gesundheit ist das Wichtigste“, ist nicht nur  Kuchejda von den Verboten überzeugt.

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