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Leserbrief zur Stichwahl in Bergneustadt

Leserbrief; 29.09.2020, 16:29 Uhr
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Leserbrief zur Stichwahl in Bergneustadt

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Leserbrief; 29.09.2020, 16:29 Uhr
Bergneustadt - Berthold Grütz äußert sich zum Artikel "Matthias Thul siegt mit deutlichem Vorsprung" vom 27. September.

Matthias Thul, Bürgermeisterkandidat der CDU in Bergneustadt, hat es auf die Seite 1 einer überregionalen Zeitung geschafft. Klarer Sieg mit 63,5 Prozent in der Stichwahl. Das klingt toll.

 

Um auf dem Teppich zu bleiben, genügt aber ein genauerer Blick auf die Prozentrechnung: Statt 3.165 Stimmen in der Wahl zum Bürgermeister mit vier Kandidaten erreichte Herr Thul 3.382 Stimmen, also ganze 7,2 Prozent mehr bei nur zwei Kandidaten in der Stichwahl. Herr Stamm steigerte sich von 1.791 Stimmen auf 1.944 Stimmen, also ein Zuwachs von 8,5 Prozent. Die gemeinsamen Zuwächse betrugen also 380 Stimmen. Das sind von den Stimmen, die im ersten Wahlgang auf Lenz und Pütz entfallen sind (2.273 Stimmen) ganze 16,7 Prozent.

 

Unterstellt man also, dass Thul und Stamm ihre Wähler und Wählerinnen aus dem ersten Wahlgang wieder alle an die Urne bekommen haben, so konnten sie von den Stimmen, die auf Lenz und Pütz entfallen waren, gerade mal ein Sechstel für sich gewinnen. Bezieht man die Stimmen von Thul und Stamm auf die Anzahl der Wahlberechtigten, so konnte Thul ganze 23,8 Prozent für sich gewinnen, was ja schon ganz anders klingt als 63,5 Prozent. Stamm nur 13,7 Prozent. Der Anteil der Nichtwähler betrug also 62,5 Prozent.

 

Das darf aber nicht einfach nur gegen die Kandidaten verwendet werden, denn die sind ja vermutlich zur Wahl gegangen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie es denn inzwischen hierzulande um die Einstellung zur Demokratie bestellt ist. Während Zigtausende von Frauen nicht so weit entfernt in Belarus ihre Gesundheit, wenn nicht sogar ihr Leben aufs Spiel setzen, um ein demokratisches System zu erkämpfen, schaffen es hier die meisten nicht einmal den Weg zum Wahllokal anzutreten.

 

All diejenigen, die sich zukünftig lauthals über Nichtdemokraten wie Trump, Putin, Lukaschenko oder Erdogan beschweren, sollten sich dann doch fragen lassen, was sie selbst dazu beitragen, um ein so hohes Gut wie unsere Demokratie zu schützen.

 

Ich bin höchst verdrossen, aber die Demokratieverdrossenheit überlasse ich dann doch lieber anderen.

 

Berthold Grütz

Bergneustadt

 

Artikel zum Thema:

Matthias Thul siegt mit deutlichem Vorsprung

 

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