LOKALMIX

Die eigene Leine wird mitgebracht

ls; 14.01.2021, 14:50 Uhr
Archivfoto: Nadine Hühnerbach --- Im Tierheim Wipperfürth gelten erneut strengere Regeln.
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Die eigene Leine wird mitgebracht

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ls; 14.01.2021, 14:50 Uhr
Oberberg - In den Tierheimen Wipperfürth und Koppelweide steht man derzeit vor Herausforderungen - Personal ist nur eingeschränkt tätig - Finanzielle Sorgen werden größer.

Von Leif Schmittgen

 

Das Jahr 2020 ist auch am Tierheim in Wipperfürth nicht spurlos vorbeigegangen. Ausgefallene Aktionen und Feste reißen vor allem ein finanzielles Loch der ohnehin schon entspannten Kassenlage des Tierschutzvereins als Träger. Über die Fundtierpauschalen der angegliederten Kommunen und die Beiträge der rund 260 Mitglieder werden zwar Einnahmen generiert, aufgrund der pandemischen Lage ist man aber derzeit mehr denn je auf Spenden angewiesen.

 

[Foto: Natalie Henn --- Viel Spaß haben die Hunde im Schnee auf dem Tierheimgelände. Gassi gehen bleibt trotzdem obligatorisch.]

 

Die Coronakrise schlägt sich erneut auch im Arbeitsalltag der sechs Mitarbeiter und 25 Ehrenamtler nieder. „Wir arbeiten seit dem erneuten Shutdown wieder im Zweischichtbetrieb“, berichtet die Vereinssprecherin Inge Kohlgrüber. Erfahrungen mit diesem Modell sammelte man bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres. im täglichen Wechsel werden die „Bewohner“ von den Kräften vor Ort versorgt, sodass man sich nicht begegnet. Und auch bei den „Gassigehern“ hat man sich  etwas Besonderes einfallen lassen: „Die Helfer bringen ihre eigene Leine mit und bekommen die Hunde zum Spazierengehen am Tor des Nebeneingangs unter Einhaltung des Abstandes übergeben“, so Kohlgrüber. „Wir können nicht auf das Spazierengehen verzichten, auch wenn wir ein großes Auslaufgelände haben."

 

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Die Zahl der Hundeausführer ist zudem derzeit reduziert, genau wie die der Katzenstreichler. Diese müssen zwingend ins Gebäude, dabei wird laut Kohlgrüber streng auf die AHA-Regeln geachtet. Im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Vorstandssitzung hat man sich laut Kohlgrüber darauf geeinigt, nur noch zwei Gästen gleichzeitig Zugang zum Gelände zu gewähren. Ansonsten ist das Heim geschlossen, die Tiervermittlung nur nach telefonischer Voranmeldung möglich. Im Regelfall suchen sich die Interessenten im Familienverband ihre Katzen, Hund oder Kaninchen aus. Dies ist momentan nicht möglich. „Ein Elternteil muss dann leider zu Hause bleiben“, sagt die Sprecherin.

 

Gesichert ist die Tätigkeit des Fundtier-Mitarbeiters. „Trotz Ausgangssperre wird er im Notfall nachts unterwegs sein“, so Kohlgrüber. Sollte zum Beispiel die Polizei ein Fundtier melden, wird es vom Mitarbeiter abgeholt und ins Tierheim gebracht. Dafür besitzt er einen eigenen Schlüssel zum Gebäude. Zwei- bis dreimal pro Monat werden Tiere im Zuständigkeitsbereich gemeldet. Für die übrigen Mitarbeiter wurden Schreiben mit der Bitte um Unterstützung seitens der Ordnungsbehörden erstellt, damit diese im Notfall auch gesetzeskonform handlungsfähig bleiben.

 

Weitere Informationen und Spendenmöglichkeit: tierheim-wipperfuerth.de

 

Im Tierheim Wiehl-Koppelweide drückt Schuh in finanzieller Hinsicht ebenfalls: Wegen ausgefallener Feste und ausgebliebener Spenden von Besuchern sind die Einnahmen zurückgegangen. Demgegenüber stehen zwei große Bauvorhaben auf dem Gelände, wie der Vorsitzende des Tierschutzvereins Oberberg, Mario Schevardo, berichtet. Die Fundamente für den neuen Hundezwinger stehen bereits, außerdem gilt es, eine Wasserzisterne für Löschwasser zu bauen. Der nahe gelegene Alpebach kann in Zukunft nicht mehr als Quelle dienen, was der Trockenheit der vergangenen Jahre geschuldet ist. Nachdem im Herbst 2019 das neue Gebäude für Tierarztbehandlungen und Fundtierabgabe eingeweiht wurde (OA berichtete), hat man nun die Bausteinaktion - womit das damalige Projekt teilfinanziert wurde - wieder ins Leben gerufen.

 

[Archivfoto: Ute Sommer --- In der Vergangenheit tummelten sich oftmals die Besucher in Koppelweide. Auch dadurch wurden Spenden akquiriert, die nun fehlen.]

 

Dort können Spender symbolische Mauersteine erwerben. „Wir freuen uns jederzeit über Unterstützung“, untermauert Schevardo. Bei der Umsetzung der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen sieht man sich gut gerüstet. Schon frühzeitig hat man an die Festangestellten und Ehrenamtler FFP2-Masken verteilt. Auch in Koppelweide findet die Tierversorgung im Wechselbetrieb statt. Zusätzlich gibt es ein Einbahnstraßensystem, so können die Gassigeher die Hunde kontaktlos aus dem Zwinger holen.

 

Damit die Mitarbeiter auch notfalls nachts aktiv werden können, hat der Vorstand Schreiben an die Bediensteten verfasst, die ihren Einsatz im Falle einer Kontrolle legitimieren. Für die Fundtiere hat man seit je her einen externen Mitarbeiter beauftragt. Dieser wird bei Bedarf in den Kommunen im Süden des Kreises und Gummersbach aktiv. Das Tierheim ist für den Publikumsverkehr geschlossen, de Vermittlung finden nur nach Terminvergabe statt: „Wir möchten mit den Maßnahmen auch den reibungslosen Versorgungsbetrieb sicherstellen“, sagt der Vorsitzende. In diesem Zusammenhang dankt er allen Mitarbeitern, Ehrenamtlern und Unterstützern für ihren Einsatz unter schwierigen Bedingungen.

 

Ein Coronafall beim Personal würde den Tierschutzverein vor große logistische Herausforderungen stellen, wobei der Gesundheitsschutz trotzdem als erstes Argument für die getroffenen Maßnahmen zählt. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Ordnungsamt und sollte es Änderungen bei den Coronavorschriften geben, können wir kurzfristig reagieren“, so Schevardo.

 

Weitere Informationen und Spendenmöglichkeit: tierheim-koppelweide.de

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