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'Der Ruf der Stadt Wipperfürth hat gelitten'

db; 23. Jan 2019, 23:21 Uhr
Bild: Daniel Beer --- In der Alte Drahtzieherei wohnten gut 80 Bürger der Sitzung des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses bei.
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'Der Ruf der Stadt Wipperfürth hat gelitten'

db; 23. Jan 2019, 23:21 Uhr
Wipperfürth – Im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses wurde das Dilemma um die indische Grauwacke diskutiert und vonseiten der Politik vor allem die Kommunikation der Verwaltung kritisiert.
Ein so großes Interesse aus den Reihen der Bürger hat es an einer Sitzung des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses in Wipperfürth wohl noch nie gegeben. Gut 80 interessierte Zuhörer waren am Abend in die Alte Drahtzieherei gekommen; dorthin war die Sitzung vorsorglich wegen es zu erwartenden Andrangs verlegt worden. Der Grund für den großen Zulauf war das Dilemma um die indische Grauwacke, die auf dem Marktplatz der Hansestadt verlegt werden soll (OA berichtete). Dies hatte nach Bekanntwerden für viel Unverständnis und Diskussionen in der Bevölkerung gesorgt.


Der Tagesordnungspunkt wurde vom Ausschussvorsitzenden Hermann-Josef Bongen an den Anfang vorgezogen. Bongen wies außerdem daraufhin, dass sämtliche Film- oder Audiomittschnitte der Sitzung untersagt seien. Neuigkeiten gab es in den folgenden zweieinhalb Stunden aber nicht, stattdessen monierten die Fraktionschefs von SPD, CDU und UWG vor allem die schlechte Kommunikationspolitik der Verwaltung. Zunächst aber erklärten Bürgermeister Michael von Rekowski, Bau-Fachbereichsleiter Stephan Hammer und Rechtsanwalt Elmar Löhr noch einmal die Abläufe und rechtlichen Rahmenbedingungen des Ausschreibungsverfahrens.  

Bürgermeister von Rekowski äußerte sein Verständnis für den Unmut der Bürger, man wolle dem emotionalen Thema aber mit sachlichen Argumenten entgegen, auch wenn das nicht immer gelingen würde. Er erinnerte auch daran, dass sich Wipperfürth seit über zehn Jahren im Haushaltssicherungskonzept befinde und deshalb wirtschaftlich nur in sehr engen Grenzen agieren könne und dürfe. Stephan Hammer erläuterte noch einmal das Vergabeverfahren. Die explizite Ausschreibung eines heimischen Steines sei demnach nicht möglich gewesen.

Rechtlich habe die Gemeinde alles richtig gehandhabt, sagte Rechtsanwalt Löhr. Dies sei besonders wichtig, da es sich um eine Fördermaßnahme handele und bei formalen Fehlern könnten die Fördermittel auch nachträglich zurückverlangt werden. Ein Zertifikat über die Einhaltung sozialer Standards beim Abbau der Grauwacke in Indien liege noch nicht vor, sagte Hammer, werde aber ausdrücklich verlangt: „Spätestens, wenn der Stein in Wipperfürth eintrifft, muss das Zertifikat vorliegen. Sonst wird das nicht unser Stein“, betonte Hammer. Der Bauunternehmer sei hier in der Verantwortung.

Besonders die Glaubwürdigkeit dieser Zertifizierung wurde von den Fragestellern aus den Reihen der anwesenden Bürger stark hinterfragt, ebenso die mangelnde Kommunikation der Thematik. Dieser Punkt stieß anschließend auch den Spitzen der Ratsparteien sauer auf. Zu schleppend, zu spät und zu ungenau sei informiert worden, so der Tenor. Besonders die Formulierung, was ein „regionalspezifischer Stein“ bedeute, sei nicht allen Rats- und Ausschussmitgliedern klar gewesen. Hammer betonte hingegen, kurz vor Weihnachten mit einer E-Mail und in persönlichen Gesprächen auf der Weihnachtsfeier darauf hingewiesen zu haben, dass der Stein auch aus anderen Ländern kommen könne.

Frank Mederlet (SPD) bezeichnete die Kommunikationspolitik der Verwaltung in der Angelegenheit als „desaströs“ und so sah es auch Friedhelm Scherkenbach (CDU): „Wir haben es erst aus der Presse erfahren.“ Diese harsche Kritik wollte der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen und monierte seinerseits mit deutlichen Worten die mangelnde Rückendeckung der Politik, schließlich sei alles rechtlich korrekt abgelaufen und beschlossen worden. Die Reaktion des Bürgermeisters stieß wiederum bei Mederlet und Scherkenbach auf Kritik. Spätestens jetzt ging es nicht mehr wirklich um Grauwacke und viele Zuhörer hatten inzwischen stickigen Saal nach über zwei Stunden verlassen.

Bürgermeister von Rekowski hatte im Rahmen der Sitzung aber auch um Verständnis gebeten und sich vor allem für ein Interview mit Radio Berg entschuldigt: „Das habe ich nicht gut gemacht.“ Das hohe mediale Interesse an der Thematik sei eine ungewohnte Situation gewesen. Das bestätigten auch Mederlet und Scherkenbach, die ebenfalls als Interviewpartner stärker frequentiert waren. Unter dem Strich blieb, dass weder Verwaltung, Politik und Bürger glücklich sind über die indische Grauwacke auf dem Marktplatz, es aber keine andere Möglichkeit gegeben habe und nun auch kein zurück mehr. Scherkenbach fasste das Dilemma zusammen: „Der Ruf der Stadt Wipperfürth hat gelitten.“