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Wie gewonnen, so zerronnen

pn; 9. Dec 2018, 04:05 Uhr
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Wie gewonnen, so zerronnen

pn; 9. Dec 2018, 04:05 Uhr
Oberberg - Gelpe/Strombach muss die Tabellenspitze nach überraschendem Remis wieder an Derschlag abtreten - CVJM-Aufholjagd und SSV-Kampf bleiben unbelohnt - Die Handball-Oberliga wird präsentiert von 'Sportsbar Lutter'.
SC Fortuna Köln – HC Gelpe/Strombach 25:25 (12:14).


Wochenlang hatte HC-Coach Michiel Lochtenbergh sein Team gewarnt, jedes Spiel – auch die vermeintlich leichten - fokussiert anzugehen. Ausgerechnet nach der Übernahme der Tabellenführung am vergangenen Wochenende leisteten sich die Oberberger nun aber einen dicken Lapsus beim stark abstiegsgefährdeten SC Fortuna Köln und sind den Platz an der Sonne bereits nach nur einer Woche wieder los. „Die Jungs wollten scheinbar beweisen, dass sie diese Favoritenrolle auf den Aufstieg wirklich nicht inne haben wollen“, flüchtete sich der Niederländer nach der Partie in Galgenhumor. Zu keiner Zeit habe er den Willen und die Energie gespürt, dass sein Team diese Partie dominieren wolle. Biedere Kölner blieben dagegen stets in Lauerstellung und spielten sich irgendwann in einen kleinen Rausch.


Über 6:4 (12.) übernahmen die Gäste beim 8:10 (20.) zwar die Führung, wussten diese aber nie auszubauen. „Wir haben unser eigenes Spiel einfach nie durchgedrückt“, ärgerte sich Lochtenbergh, dessen Team zwar bis in die Schlussphase meist führte, aber entweder mit sich selbst oder den Unparteiischen unnötig haderte. „Das waren einfach Dinge, die uns sonst nie stören, wenn wir uns kämpferisch dagegenstemmen“, hatten die Oberberger letztlich sogar großes Glück. Fortuna erzielte in Überzahl zunächst das 25:24 60 Sekunden vor Schluss und eroberte zusätzlich den Ball. Statt die Schlusssekunden allerdings clever runterzuspielen, gab der Kölner Simon Hütten nach einem Passivpfiff den Ball nicht frei, woraufhin die Schiedsrichter ihn disqualifizierten und dem HCGS einen Strafwurf zusprachen, den Harry Roth nervenstark verwandelte. „Trotz eines wirklich schlechten Spiels hätten wir heute gewinnen müssen. Aber heute fruchtete einfach nichts, weil wir keine Bereitschaft zu den Zweikämpfen hatten“, lautete Lochtenberghs Fazit.


Gelpe/Strombach: Julian Mayer (7/3), Lukas Bader (4), Harry Roth (4/1), Nico Blech, Florian Panske (je 3), Sean Borgard (2), Markus Meister, Sebastian Panske (je 1).





TuS Derschlag – HSV Bocklemünd 29:20 (18:10).


Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Derschlags Coach Ralph Weinheimer nach dem überraschenden Strombacher Fehltritt nicht verkneifen: „Die Rolle des Gejagten ist schon etwas anderes.“ In diese Rolle schlüpft nach nur einem Spieltag Abstinenz nun wieder sein Team, das sich gegen den HSV Bocklemünd keine Blöße gab. Gerade im ersten Durchgang war ein deutlicher Klassenunterschied auf dem Derschlager Epelberg zu beobachten. Die Hausherren leisteten sich zwar 14 Fehlwürfe, darunter drei Siebenmeter, dominierten das Geschehen aber dennoch nach Belieben. Die HSV-Angriffe verhedderten sich meist im dichtmaschigen TuS-Abwehrverbund oder waren leichte Beute für die gut aufgelegten Torhüter Jannis Michel und Axel Sierau. Mit dem Seitenwechsel kam allerdings ein Bruch ins zuvor souveräne Spiel.


„Den Schuh muss ich mir wohl selbst anziehen. Wahrscheinlich habe ich einfach zu viel gewechselt. Die zweite Hälfte war wirklich erschreckend schwach“, zeigte sich Weinheimer selbstkritisch, nahm aber auch seine Spieler in die Pflicht: „Ich muss auch erwarten können, dass die Jungs aus der zweiten Reihe, sich in solchen Spielen unbedingt zeigen wollen.“ Der Substanzverlust war unverkennbar und die Partie plätscherte niveauarm ihrem Ende entgegen. Vielmehr leisteten sich beide Teams ein Feuerwerk an technischen Fehlern. Die Rückeroberung der Tabellenführung bezeichnete Weinheimer zwar als „schönen“ Nebeneffekt, „aber interessant wird das erst nächste Woche. Denn dieses Tabellenbild wird sich über sechs Wochen nicht ändern“, will er das Spitzenspiel in Refrath unbedingt gewinnen.


Derschlag: Thorben Schneider, Matias Cabrales (je 7), Tim Hilger (5/2), Carsten Lange (4), Paul Borrisch, Vladislav Veselinov (je 2), Nils Welke, Timo Bay (je 1).




SSV Nümbrecht – HC Weiden 20:24 (12:11).


„Ich möchte einmal diese Saison auf den kompletten Kader zurückgreifen können. Mit der vollen Kapelle wäre heute deutlich mehr möglich gewesen“, ließ SSV-Coach Dirk Heppe seinem Frust nach Spielfluss zunächst einmal freien Lauf. Neben Niklas Reuter und Tom Rydzewski, bei dem die Nümbrechter nach seiner Fersenverletzung kein Risiko eingehen wollten, fiel kurzfristig auch noch Jannik Lang mit einem Magen-Darm-Infekt aus. Aber auch für Jens Frey war die Partie nach vier Angriffen bereits beendet. Die Oberschenkelprobleme des Abwehrturms waren zu gravierend. „Damit waren unsere Chancen auf eine Überraschung natürlich drastisch gesunken“, so Heppe. Umso furioser geriet allerdings die oberbergische Gegenwehr gegen den Aufstiegsaspiranten aus Weiden. „Wir haben ihnen große Kopfschmerzen bereitet“, sah der SSV-Trainer im Vergleich zur Derbyschmach in Strombach ein geradezu verwandeltes Team.


Ein einziges Mal führten die Gäste beim 2:3 (4.), ansonsten diktierte Nümbrecht überraschend das Geschehen und konnte sich jederzeit auf einen bärenstarken Philip Winkler verlassen. Doch nach dem Seitenwechsel stellte sich allmählich die Kraftfrage. Patrick Martel, der bereits im Landesligaspiel zuvor aufgelaufen war, plagten nach einem halben Jahr Handballpause verständlicherweise konditionelle Probleme und auch Tobias Mlynczak benötigt nach seiner Fußverletzung noch ein wenig Zeit. Dennoch hielten die Südkreisler bis zum 17:18 (49.) dagegen, waren dann aber am Ende ihrer Kräfte. Über 17:20 (52.) und 19:23 (58.) agierte Weiden souverän, während Nümbrecht zu viele Fehler beging. „Unter diesen Voraussetzungen war das aber trotzdem eine sehr gute Leistung. Ich hoffe, wir haben unser Verletzungspech für diese Saison jetzt endlich aufgebraucht“, sehnt Heppe die Weihnachtspause herbei.


Nümbrecht: Jan Kaminski (5), Marcel Samel (4/3), Johannes Urbach (3), Dag Dissmann, Patrick Martel, Marcel Baier (je 2 ), Tobias Mlynczak, Mario Weissner (je 1).




CVJM Oberwiehl – MTV Köln 28:29 (11:17).


Die Luft im Abstiegskampf bleibt für Ligaschlusslicht Oberwiehl nach der Heimniederlage gegen MTV Köln weiter dünn. Auch gegen die Domstädter gelang der ersehnte Befreiungsschlag trotz einer famosen Aufholjagd nicht. Die erste Hiobsbotschaft musste Trainer Nils Hühn schon vor seiner Ansprache verkraften. Der als Abwehrchef eingeplante Jan Jäckel musste mit Schwindelanfällen ins Krankenhaus abreisen. „Das hat unser ganzes Konzept erst einmal durcheinander gewirbelt“, konnte der CVJM-Coach mit Julian Marenbach zumindest aber schnellen Ersatz nachnominieren. Und auch auf dem Feld merkte man zunächst wenig von der kurzfristigen Umstellung. Joshua Grabeck und Andre Rischikov harmonierten bis zum 7:6 (17.) im Mittelblock und auch offensiv wussten die Oberberger zu gefallen. Nach dem 10:11 (24.) brach allerdings völlige Konfusion aus.


„Wir haben überhaupt nichts mehr auf die Kette bekommen und gegen jegliche taktische Absprache gehandelt“, sah Hühn den Gegner davonziehen. Oberwiehl gab sich allerdings keineswegs auf und profitierte nach dem Seitenwechsel zudem von der Zeitstrafenflut gegen die Gäste, die sich nicht gewillt zeigten, sich auf die konsequente Linie der Unparteiischen einzustellen. Der Rückstand sollte allerdings nie unter drei Tore schrumpfen. Erst nach der roten Karte beim 25:28 (55.) gegen den Ex-Oberbantenberger Robin Ziegler, der Simon Schanz im Gesicht getroffen hatte, mobilisierten die Hausherren noch einmal letzte Kräfte. Artur Gartung erzielte zunächst per Siebenmeter den Anschlusstreffer und auch die letzte Wurffalle griff. Den letzten CVJM-Angriff unterband Köln aber auf Kosten einer letzten Zeitstrafe.


„Insgesamt eine tolle Moral, aber verloren haben wir das Spiel kurz vor der Pause“, ärgerte sich Hühn, der aber optimistisch bleibt: „Natürlich stehen wir in Longerich nun noch mehr unter Druck und wollen unbedingt mit einem Erfolgserlebnis in die Winterpause, aber wir haben auch noch eine komplette Rückrunde vor uns!“


Oberwiehl: Simon Schanz (9/1), Artur Garting (5/3), Julian Marenbach (4), Marc Weschenbach (3), Jannes Pulla (2), Bastian Schneider (2/2), Johannes Schneevogt, Jan Sonka, Sebastian Deilmann (je 1).


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