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Mehrheit erteilt Bedenken eine Abfuhr

lo; 14. Feb 2014, 12:44 Uhr
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Mehrheit erteilt Bedenken eine Abfuhr

lo; 14. Feb 2014, 12:44 Uhr
Nümbrecht - Gemeinderat beschließt Änderungen im Bereich der Abfallbeseitigung - Einführung der Biotonne ab 2015 - Neun Ratsmitglieder votierten in geheimer Abstimmung gegen den Beschlussvorschlag.
Der Gemeinderat hat gestern die europaweite Ausschreibung der Abfallsammel- und Transportleistungen auf den Weg gebracht, nachdem die AVEA den seit 2008 laufenden Vertrag zum 31. Dezember 2014 gekündigt hatte. Die Suche nach einem neuen Partner erfolgt zusammen mit Morsbach, Reichshof, Kürten und Hückeswagen, „um durch Synergieeffekte ein wirtschaftlich gutes Ergebnis zu erzielen.“ Die wichtigste Änderung für die Bürger: Ab dem 1. Januar 2015 wird in Nümbrecht die Biotonne eingeführt. Wer selber kompostiert, kann vom Benutzungszwang befreit werden. Gleichzeitig wird die Annahmestelle für Biomüll am Bauhof geschlossen.



Widerstand gegen das Konzept hatte sich besonders bei den Grünen geregt. Weder biete es Anreize zur Müllvermeidung noch seien wichtige Punkte wie Recycling oder Gebührenstabilität berücksichtigt. Anfang des Jahres hatten sich die Grünen bereits aus der Müllkommission zurückgezogen, weil sie mit dem derzeitigen „Verschwendungssystem“ und den geplanten Änderungen nicht einverstanden sind. Die Grünen fürchten, dass die Gebühren um rund 100 Prozent steigen.

Eine stärkere Mülltrennung zu fordern und gleichzeitig eine Gebührenerhöhung als unzumutbar zu bezeichnen, sorgte nicht nur bei Bürgermeister Hilko Redenius für Unverständnis. Er richtete sich direkt an die Bündnisgrünen. „Wenn man solche Forderungen stellt, muss man den Bürgern auch ins Gesicht schauen und sagen, dass die Gebühren steigen“, erklärte Redenius und fand unter anderem in Karl-Heinz Theisen (FDP) einen Fürsprecher. „Umweltschutz kostet nun einmal Geld.“

Teurer wird’s für die Nümbrechter aufgrund der Biotonne auf jeden Fall. Zudem werden die Abgaben, die man an den Bergischen Abfallverband für die Entsorgung zu leisten hat, demnächst höher ausfallen. Jedoch könne laut Verwaltung ein Teil der Kostensteigerungen aufgefangen werden, weil demnächst weniger Biomüll - man rechnet mit rund einem Drittel - in der schwarzen Tonne landet.

Grünen-Sprecher Rainer Gottschlich brachte brandaktuelle Neuigkeiten aus dem NRW-Umweltministerium mit. Auf Nachfrage bei einem Referatsleiter hätte dieser erklärt, dass die Wertstofftonne ab dem 1. Januar 2015 eingeführt werden soll. Vor diesem Hintergrund habe es keinen Sinn, zum jetzigen Zeitpunkt über ein Müllkonzept, das für mindestens sieben Jahre gelte, zu entscheiden, um schon in Kürze neu verhandeln zu müssen, weil die Wertstofftonne vorgeschrieben wird.

Auf eine Information vom Hörensagen wollte sich Redenius nicht stützen, noch dazu bestehe die Möglichkeit, mit dem künftigen Partner nachzuverhandeln, falls die Wertstofftonne per Gesetz zur Pflicht wird. Außerdem prüfe die Verwaltung die Einführung eines Wertstoffhofes. Die Grünen blieben bei ihrer Ablehnung und befürworteten eine namentliche Abstimmung, wurden dabei aber von der SPD ausgebremst. „So geht man nicht miteinander um“, wetterte Jürgen Rogowski und beantragte ein geheimes Votum. Bei 23 Ja-, neun Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung wurde der Beschlussvorschlag mehrheitlich angenommen.