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Wann werden die Glocken wieder läuten?

fj; 16. Jan 2019, 14:40 Uhr
Bilder: Fenja Jansen/Ingenieurgesellschaft Bauer und Gelhausen GbR (Textbild 2) --- Baukirchmeister Frank Vogt, Pfarrer Markus Aust und Architekt Peter Wirsing vor der sanierungsbedürftigen Kirche.
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Wann werden die Glocken wieder läuten?

fj; 16. Jan 2019, 14:40 Uhr
Gummersbach - Architekt Peter Wirsing, Baukirchmeister Frank Vogt und Pfarrer Markus Aust stellten heute den Fahrplan für die Sanierung der evangelischen Kirche vor - Arbeiten am Kirchturm sollen nächste Woche beginnen.
Von Fenja Jansen

Alte Gemäuer halten bekanntlich Überraschungen bereit, so auch die evangelische Kirche Gummersbach. Deren Außenfassade muss bekanntlich saniert werden. Bei einer Bestandsaufnahme fand ein Sachverständiger dann im vergangenen Herbst auch erhebliche Mängel im Glockenstuhl der 900 Jahre alten Kirche. Seitdem müssen die Glocken schweigen. Zu gefährlich wäre es, wenn der Glockenturm, der sich bereits jetzt gen Westen neigt, durch das Schlagen der vier Glocken weiter ins Schwingen geraten würde. Nur die Uhrzeit wird durch Hammerschläge auf eine der Glocken weiter angezeigt.


[Seit November ist der Kirchturm von einer Plane umgeben, die auch eine Sicherheitsmaßnahme vor herunterfallendem Putz darstellt.]

Die Untersuchungen des Architekten Peter Wirsing hatten im vergangenen Jahr ergeben, dass der „Oberberger Dom“ ein Sanierungsfall ist. Schon bevor sich dann auch noch die Mängel im Glockenstuhl offenbarten, schätzte er die kompletten Sanierungskosten auf 2,1 Millionen €, die des Turms auf 900.000 €. „Nach der Entdeckung des maroden Glockenstuhls müssen wir wohl davon ausgehen, dass wir die Millionengrenze schon bei der Sanierung des Glockenturms knacken werden“, so Pfarrer Markus Aust. Beide machten deutlich, dass es sich hierbei um vorsichtige Schätzungen handelt: „Auf das Gutachten eines Statikers warten wir noch und wer weiß, welche Überraschungen unsere Kirche noch für uns bereithält“.


[Der Kirchturm hat sich bereits sichtbar geneigt.]

Die Sanierung des Turms hat Priorität und wird im ersten von drei Bauabschnitten angegangen. Nach der Ausschreibung im vergangenen Sommer und der Einrüstung des Turms im November soll es nun losgehen. „Wenn es nicht zu nass wird, können die Arbeiten kommende Woche beginnen“, so Wirsing. Mit dem Abschlagen des Putzes ist die Firma Schürholz-Schäfer aus Reichshof beauftragt, die auch für die Sanierung der evangelischen Kirche in Wiehl verantwortlich zeichnet. Gearbeitet wird unter einer Plane, damit sich der entstehende Staub nicht frei verteilen kann. Ist der Putz ab, werden die Steine unter die Lupe genommen und dort statisch ertüchtig oder ausgetauscht, wo es notwendig ist. Neue Steine will man aus der Region beziehen. Nachdem die Fugen abgedichtet und Hohlräume aufgefüllt wurden, kann dann ein neuer Putz aufgetragen werden. Um ein weiteres Absenken des Turms zu verhindern, werden außerdem die Auflager der Balken des Glockenstuhls saniert.



Die Sanierung (Dach und Fassade) des Langhauses folgt in einem zweiten Bauabschnitt, die des Querschiffes sowie des Chores in einem dritten. Für jeden Abschnitt sind zwischen zwei und drei Jahren Bauzeit eingeplant. „Wenn sich im ersten Bauabschnitt aber noch weitere kostspielige Überraschungen ergeben, kann es auch sein, dass wir die weiteren Abschnitte weiter nach hinten verlegen müssen, um neue Fördergelder und Spenden zu generieren“, erklärt Baukirchmeister Frank Vogt. Wenn jedoch alles planmäßig verläuft, sollen die Glocken im Frühjahr 2021 wieder läuten – vorausgesetzt, es kommt nichts Unerwartetes dazwischen.


[Tiefe Fugen und Hohlräume: Ein ganzer Finger verschwindet im freigelegten Mauerwerk.]

Dass alte Gemäuer durchaus Überraschungen bereithalten, diese aber nicht immer mit Hiobsbotschaften gleichzustellen sind, weiß Laienhistoriker Uwe Brustmeier aus Gummersbach: „Bei der Sanierung der katholischen Kirche in Lindlar wurden Figuren entdeckt, die nun im Landesmuseum Bonn zu sehen sind. Und als im Oberberger Dom in den 1990er Jahren der Boden geöffnet wurde, um Heizungsrohre zu verlegen, fand man Skelette“, schaut er der Sanierung auch mit Spannung entgegen. Und auch der Grund dafür, warum die Kirche nach ihrer Sanierung wieder einen Putz erhält, schlummert in der Vergangenheit, weiß Brustmeier: „Die Steine von guter Qualität wurden früher von den Kirchbaumeistern in Köln beansprucht, für das Oberbergische blieb nur die B-Ware. Da die Steine von einer geringeren Qualität waren, mussten sie durch einen Putz vor der Witterung geschützt werden“, erklärt er, welchem Umstand die Region ihre schönen, weiß verputzen Gotteshäuser zu verdanken hat.

Die Evangelische Kirchengemeinde Gummersbach weist darauf hin, dass der Kirchenbetrieb auch während der Bauzeit weitergeht.