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Die Aufbruchsstimmung nutzen

ls; 15. Nov 2018, 12:55 Uhr
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Die Aufbruchsstimmung nutzen

ls; 15. Nov 2018, 12:55 Uhr
Gummersbach – Auch wenn keine sportliche Lösung für den dringend nötigen Aufwärtstrend beim VfL Gummersbach präsentiert wurde: Es bleibt zu hoffen, dass der VfL mittelfristig wieder nach oben kommt.
Von Leif Schmittgen

Chapeau Herr Schindler, Ihr Auftritt bei der Präsentation zur Neuausrichtung des VfL Gummersbach war filmreif! Ja, er hätte auch Dank der pompösen Musikuntermalung und den gelungenen Filmeinspielern nicht emotionaler sein können. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Emotionalität nun auch auf potenzielle Geldgeber auswirkt und vielleicht auch den einen oder anderen „Verprellten“ aus der Vergangenheit zurück in die VfL-Familie bringt. Aber Vorsicht! Neues Selbstvertrauen kann nicht einfach verordnet werden, sondern es muss sich in den Köpfen, vor allem bei den Akteuren auf dem Platz, festsetzen.

Selbstvertrauen wird vor allem auf dem Spielfeld aufgebaut, dazu braucht es Tore und Siege. Letztere sind aber bei mageren sechs Punkten aus zwölf Spielen Mangelware. Das neue Konzept, so bleibt zu hoffen, wird den Traditionsverein mittelfristig wieder dahin bringen, wo er hingehört: An die deutsche und europäische Spitze. Ein von vielen Fans erhofftes sportliches Konzept, wie man das VfL-Schiff kurzfristig wieder in ruhigere Fahrwasser bringen kann, lieferte der Geschäftsführer während der Präsentation aber nicht: Aber wie auch? Bei offensichtlich knapper Finanzlage kann man nicht „mal eben“ potenzielle Akteure aus dem Hut zaubern, zudem ist der Markt - zumindest bei Spielern, die den VfL nach vorne bringen -  derzeit leergefegt.

 

Die schwere Verletzung von „Leitwolf“ Drago Vukovic tut auch in diesem Zusammenhang richtig weh. Jetzt muss man als Mannschaft noch enger zusammenrücken, kurzfristige Alternativen gibt es nicht. Vielleicht war die Ankündigung eines Neuaufbruchs deswegen genau der richtige Weg, um neue Impulse, auch in der Mannschaft, zu setzen. Tradition, wie Schindler oft betonte, wirft eben keine Tore. Ein zusätzlicher Motivationsschub, wie wichtig der einst große VfL Gummersbach noch heute für die Liga ist, sollte die Aussage von HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann für alle Beteiligten sein. Der VfL ist immer noch ein Top-Quotenbringer bei TV-Übertragungen.

Der mahnende Zeigefinger Bohmanns, dass man sich nicht ewig auf dem Erreichten ausruhen darf, sollte allen eine Warnung, aber auch Ansporn zugleich sein: Die Schicksale des TV Großwallstadt oder TuSEM Essen sprechen in diesem Zusammenhang Bände. Der „Handballdino“ VfL, als einzig verbliebenes Gründungsmitglied der deutschen Eliteliga, gehört nämlich auch weiterhin in die Bundesliga. Um das zu schaffen, braucht es vereinte Kräfte aus allen Bereichen und nicht nur einen sehr engagierten Geschäftsführer. Der Applaus auf den Rängen ließ jedenfalls auf die dringend nötige Aufbruchsstimmung hoffen, die jetzt unbedingt genutzt werden muss.

Artikel: "Heimat des Handballs" soll den VfL retten