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Oberbergs Innovations- und Wirtschaftskraft live

ls,fj; 6. Jun 2018, 12:06 Uhr
Bilder: Martin Hütt (1, 2, 5; Galerie: 1 bis 12, 32 bis 45), Life Schmittgen (3, 4; Galerie: 13 bis 31) --- Das Unternehmen Merten by Schneider Electirc war eine der vielen Stationen bei der 3. Langen Nacht der Industrie.
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Oberbergs Innovations- und Wirtschaftskraft live

ls,fj; 6. Jun 2018, 12:06 Uhr
Oberberg - 15 Unternehmen öffneten gestern zur 3. Langen Nacht der Industrie ihre Tore für Besucher - Rund 700 Teilnehmer lernten bei Werkstouren Produkte, Herstellungsprozesse und Berufsfelder der Unternehmen kennen.
Zum dritten Mal öffneten gestern Unternehmen ihre Werkstore für Besucher und ließen Gäste hinter die Kulissen des Industriestandorts Oberberg blicken. Industrie live erleben: Das ließen sich rund 700 Interessierte nicht entgehen und nutzten die 3. Lange Nacht der Industrie im Oberbergischen Kreis, um an einer der 13 Touren durch 15 oberbergische Unternehmen teilzunehmen. Die Touren starteten am Campus Gummersbach der Technischen Hochschule Köln, wo Schirmherr Landrat Jochen Hagt die Teilnehmer begrüßte (zum Bericht), sowie am Sportplatz in Hückeswagen. Mit insgesamt 14 Bussen wurden die Besucher zu den Unternehmen gefahren, in denen sie dann eine rund 100-minütige Werksführung erwartete.

Als eine gute Möglichkeit, Kontakt zu potentiellen Auszubildenden herzustellen, sah man die Lange Nacht der Industrie unter anderem bei Merten by Schneider Electric in Wiehl-Bomig. Und so freute es Ausbildungsleiter Burkhard Broksch besonders, dass unter den Gästen auch viele junge Leute waren. Schneider Electric ist führend bei der digitalen Transformation von Energiemanagement und Automatisierung in Haushalten, Gebäuden, Rechenzentren, Infrastruktur und der Fertigungsindustrie. Welche vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten das Unternehmen mit Standorten in aller Welt bietet, erfuhren die Besucher auf dem Rundgang von Auszubildenden aus erster Hand. Beste Chancen beim Unternehmen hätten Bewerber, die sich für eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker mit Studium der Kunststofftechnik interessieren würden, erklärte der Ausbildungsleiter. „Hier ist die Elektrotechnik-Branche immer an neuem Know-how und Mitarbeitern interessiert“, gab er direkt einen Insidertipp.

[In einem Präsentationsraum konnten sich die Besucher einen Überblick über die Produktvielfalt von Merten verschaffen.]   

Merten zählt heute zu den führenden deutschen Markenherstellern von elektrotechnischem Installationsmaterial. Gegründet wurde das Unternehmen 1906 in Gummersbach, betrieb Werke in Drolshagen und Wiehl und hat seine Aktivitäten vor rund vier Jahren in Wiehl gebündelt und den Standort zum Kompetenzzentrum ausgebaut. Seit 2006 ist Merten Teil des Konzerns Schneider Electric, als starker Markenname blieb Merten jedoch erhalten. Rund 500 Mitarbeiter sind in Bomig tätig, davon ist rund die Hälfte in der Entwicklung. „Wir wollen mit unserer Technologie und unserer Software einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten“, erklärte Broksch während des Rundgangs durch die Produktionshallen, bei dem die Besucher den Herstellungsprozess vom Kunststoffgranulat bis zum eingepackten Merten-Schalter oder Steckdose verfolgen konnten.


[Benjamin Viebahn führte die Besucher durch die Produktionsstätten von A.S. Création Tapeten.]

Die A.S. Création Tapeten AG ist der jüngste Tapetenhersteller in Deutschland und heute einer der führenden europäischen Unternehmen der Branche. Produziert wird am Standort in Wiehl-Bomig, dem im Rahmen der Langen Nacht der Industrie erneut zahlreiche Gäste einen Besuch abstatteten. Sie erfuhren, dass jährlich mehr als 2.000 verschiedene Tapeten und Bordüren in allen Materialqualitäten und für alle Anwendungsbereiche neu entworfen werden. Das aktuelle Sortiment umfasst über 6.000 Artikel in ungefähr 80 Kollektionen.



Benjamin Viebahn von A.S. Création führte die Besucher während eines Rundgangs in die Geheimisse des Tief- und Siebdrucks von Tapeten ein. Die Drucktechniken wurden vorgestellt und die Maschinen, die fast völlig automatisch produzieren, wurden von den 25 Besuchern der Gruppe genau inspiziert. Weitere Highlights der Werksführung waren außerdem die moderne Waschanlage des Tapetenherstellers sowie das neu eingerichtete – voll automatisch funktionierende – Hochregallager, aus dem die Waren kommissioniert  und schließlich in alle Welt verschickt werden. Einblicke in die Farbmischung und die hoch moderne Datenverarbeitung und Computerüberwachung der Produktionskette gab es obendrein.

Die AggerEnergie hatte die Besucher zum Fuß der Aggertalsperre unterhalb der Sperrmauer eingeladen. Zu sehen gab es für die etwa 50 Besucher der Gruppe Historisches und Modernes zugleich: Im Wasserkraftwerk von 1929 wurde den Besuchern von Jan Sternstein erläutert, wie aus Wasserenergie mithilfe von Turbinen Strom entsteht, einige Meter weiter wurde demonstriert, wie ein moderner Gas-Hausanschluss verlegt wird. Aber auch die Themen Elektromobilität und Smart-Home sollten nicht zu kurz kommen. Uwe Töpfer, Vorstandmitglied der AggerEnergie, hatte die Besucher mit seinen Kollegen anhand von E-Autos und E-Bikes die Vorzüge der umweltfreundlichen, neuen Technologie  nähergebracht.


[Uwe Töpfer, Vorstandmitglied der AggerEnergie.]

Auch die Vernetzung im eigenen Haus wurde vorgestellt. Schließlich gab es spannende Führungen in die Katakomben der Sperrmauer in Zusammenarbeit mit dem Aggerverband. Seit 90 Jahren beliefert AggerEnergie die Menschen und Unternehmen der Region mit Energie und Wasser. Das Vorgängerunternehmen – die Gasgesellschaft Aggertal – wurde 1926 von den Kommunen gegründet, um die regionalen Energie-Interessen zu vertreten. Mit diesem Modell sicherten sich die Gesellschafterkommunen ein großes Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen und der Berücksichtigung kommunaler Interessen. Das hat bis heute Bestand.

An acht Stationen erfuhren die Besucher bei Unitechnik Systems in Wiehl-Bomig, wie moderne Logistikzentren funktionieren – von der Arbeitsvorbereitung für den modernen Schaltanlagenbau bis hin zur Fernwartung einer Logistikanlage in Kopenhagen. Unitechnik zählt seit mehreren Jahrzehnten zu den führenden Anbietern von Industrie-Automatisierung und Informatik und agiert weltweit. Betreut werden Kunden aus Logistik, Industrie, Handel und Verkehr, dabei ist das Familienunternehmen spezialisiert auf komplexe Automatisierungslösungen in den Bereichen Intralogistik und Produktionsautomation. Nach einer Begrüßung durch die Inhaber Wolfgang Cieplik und Rainer Poppek wurden die Besucher, aufgeteilt in Gruppen, durch den Schaltanlagenbau geführt. Von der Arbeitsvorbereitung, durch die Schlosserei und Verdrahtung bis zum Testfeld konnten sie so die Konstruktion und den Bau von Schaltschränken hautnah miterleben.


[Unitechnik-Ausbildungsleiter Mathias Terstegen blickte mit den Gästen in das Innere der Schaltschränke.]

Dabei durften die Besucher auch selber Hand anlegen und sich beispielsweise an der pneumatischen Nietenzange ausprobieren. Ein Schwerpunkt des Rundgangs lag dabei auf der Ausbildung. Hier erzählten Nachwuchskräfte gerne von ihrem Werdegang oder präsentierten einige ihrer Werke. Um die Themen Software und IT ging es an den Stationen „Fernwartung“ und „Virtual Reality“: Die Besucher erlebten, wie per Computer auf eine Luftfrachtanlage an einem Flughafen in Dänemark zugegriffen werden kann und konnten mit einer Virtual-Reality-Brille einen Spaziergang durch ein digitales Logistikzentrum unternehmen. „VR ist für uns kein Spielzeug, sondern ein wichtiges Tool, zum Beispiel im Vertrieb. So kann der Kunde auch schon vor dem Bau erleben, wie es sich in dem Logistikzentrum, das derzeit noch geplant wird, einmal arbeiten lässt“, erklärte Cieplik, das Digitalisierung beim Wiehler Automatisierungsspezialisten längst zum Alltag gehört
  
„Die Lange Nacht der Industrie ist auch 2018 ist Signal und Botschaft des Industriestandorts Oberberg mit seinen weltweit erfolgreichen mittelständischen Familienunternehmen“, sagte Landrat Hagt. „Die Menschen waren bei den Betriebsbesuchen überrascht, wie viele Produkte aus Region sie selbst täglich nutzen - etwa in Autos, in der Haustechnik oder in Smartphones“, freute er sich über den Erfolg der 3. Auflage. Die Lange Nacht der Industrie Oberberg steht seit 2016 unter seiner Schirmherrschaft und wird gemeinsam getragen von der Industrie- und Handelskammer zu Köln und deren InDUstrieakzeptanz-Offensive „InDUstrie“. Die Volksbank Oberberg eG, die Wirtschaftsförderung Oberbergischer Kreis sowie der Campus Gummersbach der Technischen Hochschule Köln unterstützen die Veranstaltung des bundesweit etablierten Projekts.

Teilnehmende Unternehmen:

A.S. Création Tapeten AG, ABUS Kransysteme GmbH, AggerEnergie GmbH, BPW Bergische Achsen KG, Gebrüder Ahle GmbH & Co. KG, Hans Berg GmbH & Co. KG, Jokey Plastik Wipperfürth GmbH, Klaus Kuhn Edelstahlgießerei GmbH, Metalsa Automotive GmbH, PFLITSCH GmbH & Co. KG, Schleuniger GmbH, Schneider Electric GmbH, Merten GmbH, Technische Hochschule Köln, Campus Gummersbach, Unitechnik Systems GmbH und VOSS Automotive GmbH.