Archiv

Die Mär vom umweltfreundlichen E-Auto

bv; 2. Jan 2019, 18:00 Uhr
ARCHIV

Die Mär vom umweltfreundlichen E-Auto

bv; 2. Jan 2019, 18:00 Uhr
Oberberg - Und wieder redet unser 'Drickes' Klartext - Liebenswürdig, direkt und nachdenklich spießt er den Alltag auf - Heute geht es um die Mobilität von morgen und die Illusionen, die gerade geweckt werden.
Kaum hat das neue Jahr begonnen, klingen uns die guten Vorsätze noch in den Ohren - schon werden wir wieder mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert. Fahrverbote für ältere Diesel und noch ältere Benziner drohen; nicht nur ab sofort in Stuttgart, sondern auch bald in Köln, Bonn, Aachen, Frankfurt, Berlin und weiteren Städten. Schöne Bescherung, aber leider schon länger absehbar. Nur hilft das den Betroffenen nicht. Wer mit seinem Fahrzeug mal eben Verwandte besuchen oder berufliche Termine in diesen Städten wahrnehmen wollte, schaut nicht selten in die Röhre. Die Politik agiert halbherzig und stochert im Nebel, die Automobilindustrie tut so, als ginge sie das ganze nichts an. So verspielt  man Vertrauen.

Wer es sich leisten kann, der denkt angesichts der aktuellen Ereignisse und im Bewusstsein, die Umwelt nicht weiter schädigen zu wollen, aber auch aufgrund der Endlichkeit der Ölvorräte an alternative Antriebsformen. Ein E-Auto, das wär’s doch: umweltschonend, zukunftsfest und sogar noch ein bisschen hip. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Lithium und Kobalt, notwendige Rohstoffe für die Herstellung von Elektroautos, können gar nicht in kurzer Zeit in einer Menge abgebaut werden, die einen Welterfolg der E-Mobilität brächten. Und natürlich sind auch diese Rohstoffe endlich. Was aber noch schlimmer ist: Die Umwelt leidet. Beispiel: Kobalt. Das Metall sorgt in Lithium-Ionen-Akkus für eine höhere Energiedichte. Aber der Kobaltbergbau geht menschen- und umweltfeindlich vonstatten. In der Umgebung der Kobaltminen sind häufig Böden und Gewässer verseucht und die Menschen krank. Wälder werden abgeholzt, um Platz für den Bergbau zu machen. Gemessen an diesen Schäden sind Elektroautos alles andere als umweltfreundlich - zumal in Deutschland noch gar nicht geregelt ist, wie sie in einigen Jahren zu entsorgen sind.

Hinzu kommt: Im Kongo, dem weltweit wichtigsten Kobalt-Lieferanten, zählen Menschenrechte nichts und es ist allgemein bekannt, dass Kinder in den Minen unter schwierigsten Bedingungen zu schwersten Arbeiten gezwungen werden. Dennoch beziehen auch deutsche Autobauer von dort Kobalt. Was das alles heißt: Auch 2019 sollten wir kritisch gegenüber allem bleiben, was uns als großer Wurf präsentiert wird. Und statt darüber nachzudenken, wie wir mit allen Mitteln Mobilität sicherstellen, sollten wir mal über uns und unseren ökologischen Fußabdruck nachdenken.

Herzlichst

Ihr Drickes

Bernd Vorländer