Archiv

Ein Land hat schlechte Laune

bv; 7. Feb 2018, 15:38 Uhr
Oberberg Aktuell
ARCHIV

Ein Land hat schlechte Laune

bv; 7. Feb 2018, 15:38 Uhr
Oberberg - Und wieder redet unser 'Drickes' Klartext - Liebenswürdig, direkt und nachdenklich spießt er den Alltag auf - Heute geht es um das Thema 'Klagen auf hohem Niveau'.
Es ist einfach nur noch ärgerlich. Das ganze Land hat schlechte Laune. Okay, jetzt beginnt die heiße Karnevalsphase und vielerorts regiert der Frohsinn. Aber nur kurz, dann, so hat es zumindest den Anschein, schalten viele wieder auf missmutige Stimmung. Das ist doch komisch. Wirtschaftlich geht es dem Land gut, aber es wird geklagt. Aber meist nicht von denen, die zum Klagen wirklich einen Grund hätten. Denn dass diese Gesellschaft auseinanderdriftet und immer ungerechter wird, ist ein offenes Geheimnis. Es jammern diejenigen aus der Mitte der Gesellschaft. Jede Veränderung ihrer Lebensumstände wird als Anschlag auf freie Bürger gewertet. Die Zahl derer, die sich nüchtern und unvoreingenommen mit neuen Entwicklungen auseinandersetzt, nimmt spürbar ab.

Der Blick in die sozialen Netzwerke offenbart das Sittengemälde einer oft oberflächlichen und hartherzigen Nation. Und gerne wird von diesen Durchschnitts-Deutschen auch die Neid- und Schulddebatte geführt. Schuld sind nämlich immer die anderen. Politiker sind in diesem Weltbild grundsätzlich unfähig und/oder korrupt. Man müsse endlich wieder gesunden Menschenverstand walten lassen und auf das Volk hören. So jedenfalls die Masse derjenigen, die vorgibt, solidarische Lösungen finden zu wollen. In Wahrheit geht es meist ganz banal um kleinteiligen Egoismus – materiell wie intellektuell. Denn „das Volk“ ist ein ebenso beliebter wie unsinniger Begriff. Es gibt nämlich keine Volksmeinung, sondern einen Chor der Vielstimmigkeit, mit sehr unterschiedlichen Akzenten.


Dieses Land hat sich offenbar den Missmut als zweiten Vornamen gegeben. Zum Glück gibt es immer noch genügend Menschen, die selbst anpacken, statt auf andere zu warten, die sich eine Meinung bilden, statt das Denken anderen zu überlassen, und die jeden neuen Tag als Chance sehen, statt die Gefahren zu beschwören. Das lässt hoffen.


Herzlichst

Ihr Drickes

Bernd Vorländer