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Mit SmartCell zum Gründerpreis?

ls; 26. Oct 2018, 09:30 Uhr
Bilder: Leif Schmittgen --- Nils Kühle zeigt die SmartCell in der firmeneigenen Fertigungshalle.
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Mit SmartCell zum Gründerpreis?

ls; 26. Oct 2018, 09:30 Uhr
Gummersbach – Nils Kühle und Christian Sühwold haben mit ihrer Firma „fsk engineering“ eine benutzerfreundliche Methode zur Roboterprogrammierung entwickelt und sind dafür für den Gründerpreis NRW nominiert worden.
Von Leif Schmittgen

Es sieht so einfach aus: Der Nutzer bewegt den Roboterarm in die gewünschte Richtung, drückt auf dem Eingabegerät einen Knopf und führt die Maschine dann zum Endpunkt, bis zu dem die Schweißarbeit ausgeführt werden soll. Fertig ist die Programmierung des gewünschten Arbeitsschrittes. Hinter dieser benutzerfreundlichen Eingabemethode steckt jede Menge Arbeit, wie Nils Kühle, einer der Geschäftsführer von „fsk engineering“ in Gummersbach-Windhagen, erklärt.   


[Stolz ist der Geschäftsführer auch auf die Benutzeroberfläche, mit der sich der Roboter kinderleicht programmieren lässt.]

Gemeinsam mit Christian Sühwold (37) ging er mit dem Unternehmen 2014 im Gründer- und Technologiecentrum (GTC) an den Start und bot seither benutzerfreundliche Roboterprogrammierung, vornehmlich für Automobilzulieferer, an. Daraus ist die Idee entstanden, womit man sich jetzt zum Gründerpreis NRW bewarb. Unter über 100 Einsendungen schaffte es das Unternehmen unter die ersten Zehn. Neben der Firma Wildling Shoes (OA berichtete), ist fsk das zweite Gummersbacher Unternehmen, das es in die landesweite Endausscheidung geschafft hat.   

Doch was war der Grund für die Bewerbung? Die Antwort heißt SmartCell, mit der man die eingangs beschriebenen Arbeitsschritte einfach durch manuelle Interaktionen ausführen kann - der Roboter steht in einer geschützten Zelle. Dabei haben die beiden Jungunternehmer nicht das Rad neu erfunden: Vielmehr nutzten sie bereits vorhandene Technologien und verbanden diese sinnvoll. Die Bewegung eines Roboterarms konnte man früher bereits auf dem Tablet-PC per Steuerkreuz eingeben. „Per Hand geht es aber viel schneller“, sagt Kühle. Die passende Benutzeroberfläche für das Eingabegerät wird gleich mitgeliefert. Damit kann aus seiner Sicht ein Produktionsprozess nun schneller in Gang gebracht werden.

 

Der „kollaborierende“ Roboter stammt von einem dänischen Hersteller und arbeitet, wie der Name schon sagt, mit dem Benutzer zusammen. Das heißt: Stößt der Anwender zum Beispiel versehentlich mit der Maschine zusammen, stellt diese ihre Arbeit sofort ein. Somit sind Unfälle ausgeschlossen, das System ist sicher. Durch die gemeinsame Arbeit bei einem Maschinenbauer haben sich der Ingenieur Sühwold und der gelernte Kfz-Mechatroniker Kühle kennengelernt, auch als sie für eine Zeit bei unterschiedlichen Arbeitgebern tätig waren, brach der Kontakt nie ab.   

Als man schließlich bei einem Automobilzulieferer im westfälischen Attendorn auch beruflich wieder zusammenfand, wurde die Idee der Selbstständigkeit geboren. „Wir wollten näher an die Praxis“, nennt Kühle einen Beweggrund für den Schritt in die unternehmerische Eigenverantwortung. Motiviert dazu wurden die beiden auch von ihrem damaligen Chef, der ehemalige Arbeitgeber gehört bis heute zu den Kunden der beiden Gründer.
 
[Die Benutzung des Robotorarms zeigte Mitarbeiter Michael Birkholz.]

Mit SmartCell konzentrieren sich die beiden allerdings nicht auf ihr Kerngeschäft, die Autoindustrie, sondern möchten mittelständische Unternehmen als Kunden ihrer Roboterlösung gewinnen. Kühle kann sich dabei jeglichen Einsatzort vorstellen, wo geschweißt wird. „Außerdem kann der Roboter genutzt werden, um neue Arbeitsprozesse auszuprobieren, ohne dass in den laufenden Produktionsbetrieb eingegriffen werden muss“, beschreibt der 33-Jährige ein weiteres mögliches Einsatzszenario seines Produkts.  

Doch was wäre die beste Innovation ohne ein starkes Team, mit dem man Ideen entwickeln und vorantreiben kann? Dieses – so betont Kühle - hat er mit den 14 Vollzeitbeschäftigten im Unternehmen hinter sich. Regelmäßig organisiert er mit seinem Kompagnon Aktionen, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Diese Treffen stärken nicht nur den Teamgeist, sondern fördern auch die Motivation - damit Ideen wie die SmartCell entstehen können.

Sollte man bei dem mit insgesamt 60.000 € dotierten Gründerpreis unter den besten Drei landen, winkt ein Geldpreis, den der Unternehmer zum Teil an seine Mannschaft weitergeben will. „Wenn wir gewinnen, wird unsere Weihnachtsfeier sicherlich größer als üblich ausfallen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Der andere Teil würde zur Vermarktung des anwenderfreundlichen Roboters verwendet werden, denn das sei nie ganz billig, wie Kühle aus Erfahrung weiß.   

Der Gründerpreis wird am 19. November von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart verliehen.

Informationen zum Unternehmen:
fsk-engineering.de

Informationen zum Gründerpreis:
startercenter.nrw/de/startercenter/gruenderpreis-nrw-2018