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Schmackhafte Komödie: Kaviar trifft Currywurst

uh; 14. Jan 2018, 11:55 Uhr
Bilder: Martin Hütt.
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Schmackhafte Komödie: Kaviar trifft Currywurst

uh; 14. Jan 2018, 11:55 Uhr
Lindlar - Vor ausverkauftem Haus führte die Theatergruppe der Sankt Reinoldus Steinhauergilde ihr diesjähriges Stück auf.
Von Ursula Hütt

Einen freien Platz gab es nicht mehr am Samstagabend im Kulturzentrum in Lindlar, als die Theatergruppe der Sankt Reinoldus Steinhauergilde „Kaviar trifft Currywurst“ von Winnie Abel aufführte. Als Ehrengast wurde Bürgermeister Dr. Georg Ludwig begrüßt.

Was soll geschehen, wenn der Geldgeber Cousin Harry, auf einmal seinen Besuch ankündigt? Da gibt es Stress bei Erna, die eine heruntergekommene, schlecht laufende Eckkneipe betreibt. Die Stammgäste sind der schweigsame Heini, der chaotische Fußball-Fan Uwe und die mäßig intelligente Sandy. Außerdem gibt es noch den Lebensgefährten, genannt Blümchen, der in ihrer Kneipe ein Bierchen trinkt und ihr auch hilft. Erna (grandios gespielt von Sabine Bülow-Quabach) hat sich für die Einrichtung der Kneipe bei ihrem steinreichen Cousin Harry Geld geliehen und ihm erzählt, dass das Geld für die Eröffnung eines Nobelrestaurants verwendet wird. Panik entsteht, als der Cousin seinen Besuch ankündigt. Damit der Schwindel nicht auffliegt, muss die bodenständige Erna plötzlich die Gourmetgastronomin spielen.


[Oliver Müller verkörpert den Bürgermeister.]

Ausgerechnet in dem Moment kommt der Bürgermeister (überzeugend dargestellt von Oliver Müller) mit seiner Gattin, die ihre eigene Mode-Kreationen aus der Linie “Alltagsgegenstände neu interpretiert“ trägt. Schön, wenn man sich in einem solchen Moment auf die Stammkunden und den Lebensgefährten Blümchen verlassen kann. Schwierig wird es, wenn der Lebensgefährte plötzlich zum piekfeinen Kellner mutieren soll, Stammgast Heini sich weigert, seinen Stammplatz zu verlassen, die gutmütige aber mäßig intelligente Sandy die feine Kundin darstellen und Fußball-Fan Uwe unter einem Vorwand immer wieder abgewimmelt werden muss.


Wenn dann außerdem der intrigante Nachbar, dem das Gourmetrestaurant nebenan gehört, seine fiesen Spielchen treibt, entsteht ein komisches Verwechslungsspiel, bei dem so ziemlich alles schiefläuft, was nur schieflaufen kann. Als dann auch noch die Restauranttesterin Ludmilla von der Steppke erscheint, ist das Chaos komplett. Die Stammkunden sind verärgert, weil es nur noch Sekt und Kaviar gibt, anstatt Bier und Currywurst. Das Gourmetessen misslingt und die Testerin bekommt schließlich Currywurst serviert, die allerdings schmeckt hervorragend. Erna wird ermuntert ein gutbürgerliches Restaurant aus der Eckkneipe zu machen, sehr zur Freude der Stammgäste. Alle Beteiligten sind zufrieden und erleichtert. Zum Ende folgt - natürlich ein Happyend.

Die Geschichte des Theaters beginnt mit der Gründung der Sankt Reinoldus Steinhauergilde. Die Mitglieder der Gilde haben seit jeher den 7. Januar, den Festtag des Schutzpatrons der Steinmetze und Maurer, ausgiebig gefeiert. Die älteste erhaltene Aufnahme zeigt ein Gruppenfoto aus dem Jahr 1924. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Aufführungen eine willkommene Abwechslung des Alltags. Die Aufführungen waren stets sehr gut besucht. Alle Rollen, auch die Frauenrollen, wurden bis in die 1960er Jahre nur von Steinhauern gespielt. Die Theaterstücke begeistern bis heute das Lindlarer Publikum. Seit 2013 gibt es die Aufführungen an zwei Wochenenden – die allermeisten sind restlos ausverkauft.




Darsteller
Erna Wutschke, Kneipenwirtin: Sabine Bülow-Quabach
Georg Blümchen, Lebensgefährte von Erna: Georg Höller
Sandy Stutzke, Stammgast: Monika Kuhn
Wolfgang Schuster, Edelrestaurantbetreiber: Robin Kuhn
Prinz Harry von Anhalt, Cousin von Erna: Florian Kahl
Ivanka, Affäre von Harry: Laura Peters
Dieter Döge, Bürgermeister: Oliver Müller
Annabell Döge, Frau des Bürgermeisters: Marianna Moscato-Klinkhammer
Ludmilla von der Steppke, Testesserin: Mechthild Neuenhaus
Uwe, Stammgast: Alexander Besgen
Heinrich, schweigsamer Stammgast: Alexander Köser

Organisation
Regisseur: Norbert Lenzhölzer
Souffleuse: Hannelore Gerlach