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Schüler fühlten Kandidaten auf den Zahn

Red; 19. Sep 2017, 15:36 Uhr
Bild: Fenja Jansen --- (v. li.) Jörg Kloppenburg (FDP), Dr. Carsten Brodesser (CDU), Michael Braun (Grüne), Diyar Agu (Linke), Michaela Engelmeier (SPD), die Moderatoren Cheyenne Helther und Felix Rajski, Schulleiterin Beatrix Will und ihr Stellvertreter Markus Niklas.
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Schüler fühlten Kandidaten auf den Zahn

Red; 19. Sep 2017, 15:36 Uhr
Gummersbach – Heute veranstaltete das Städtische Lindengymnasium eine Podiumsdiskussion mit den oberbergischen Bundestagskandidaten – Der AfD-Vertreter sagte seine Teilnahme aus terminlichen Gründen ab.
Bildung, Breitbandausbau, Integration und Klimaschutz – über diese für sie wichtigen Themen wollten die Schüler des Lindengymnasiums vor der Bundestagswahl mit den Bundestagskandidaten aus ihrem Wahlkreis diskutieren. Michaela Engelmeier (SPD), Carsten Brodesser (CDU), Michael Braun (Bündnis 90/Die Grünen), Jörg Kloppenburg (FDP) und Diyar Agu (Die Linke) folgten der Einladung zur Podiumsdiskussion und lieferten sich heute vor rund 600 Schülern der Oberstufe einen teils hitzigen Schlagabtausch im Stadttheater. Im Gegensatz zur Diskussionsveranstaltung anlässlich des Europatages im Mai, bei der die Schüler bewusst auf eine Einladung der AfD verzichteten, was seinerzeit für viel Diskussionsstoff sorgte, wurde der Vertreter der AfD, Stefan Zühlke, nun ebenfalls eingeladen. Aus terminlichen Gründen sagte er seine Teilnahme aber ab.



So widmeten sich die Vertreter der übrigen Parteien als erstes dem Thema, das den Schülern besonders am Herzen lag: der Bildung. „Warum ist Bildung noch immer abhängig vom Geldbeutel der Eltern?“, wollten die Schüler-Moderatoren Cheyenne Helther und Felix Rajski von den Politikern wissen. Für kostenlose Bildung von der Kita bis zum Hochschulabschluss sprach sich SPD-Bundestagsmitglied Michaela Engelmeier aus: „Bildung ist der Schlüssel zu allem und darum das Thema Nummer 1 für uns Sozialdemokraten“, erklärte Engelmeier, dass eine Verbesserung der Bildungschancen seit jeher ein Thema ihrer Partei ist, dessen Umsetzung in der Großen Koalition mit der CDU aber schwierig gewesen sei. Dass derzeit zu wenig für Bildung ausgegeben wird, konnte auch Brodesser unterschreiben, merkte aber an: „Wenn man über kostenlose Bildung für alle spricht muss man auch über die Finanzierung reden“. Zunächst müssten die Kommunen finanziell gestärkt werden, damit sie ihrem Bildungsauftrag nachkommen könnten und das Angebot an Studienplätzen ausgebaut werden.

Für kostenlose Bildung stünden auch die Grünen, so Braun: „Dass Herkunft und Einkommen der Eltern über die Karriere der Kinder bestimmen ist nicht länger tragbar“. Investieren will auch die FDP in diesen Bereich: „Bevor beispielsweise Kita-Gebühren abgeschafft werden können, muss aber erstmal in den Ausbau der Kitas und die Ausbildung der Erzieher investiert werden. Die Abschaffung der Gebühren ist daher ein mittelfristiges Ziel“, so Kloppenburg. Vor seinen ehemaligen Mitschülern betont kämpferisch gab sich Agu: Erklärtes Ziel der Linken sei es, Deutschland bis 2020 zur stärksten Bildungsnation zu machen, Investitionen sollten durch eine Vermögenssteuer finanziert werden. Somit sei die Linke die einzige Partei, die für bessere Bildungschancen stehe. Das rief bei den Vertretern der anderen Parteien nur ein Lachen hervor. Auch die Schüler zeigten sich kritisch und bohrten bei allen Politikern mit ihren Fragen nach – und zeigten so, dass sie ihre Entscheidung, wen sie am kommenden Sonntag wählen, nicht auf die leichte Schulter nehmen.