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„Warum soll unsere Altersgruppe Ihre Partei wählen?“

Red; 11. Jul 2017, 11:53 Uhr
Bilder: privat --- Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl im September an der Gesamtschule Reichshof.
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„Warum soll unsere Altersgruppe Ihre Partei wählen?“

Red; 11. Jul 2017, 11:53 Uhr
Reichshof – Die Schülervertretung der Gesamtschule Reichshof veranstaltete eine Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl – Sechs Politiker folgten der Einladung und diskutierten mit den Schülern.
Vertreter von sechs Parteien folgten am vergangenen Donnerstag der Einladung der Gesamtschule Reichshof und nahmen im Vorfeld der Bundestagswahl an einer Podiumsdiskussion teil. Friedhelm Julius Beucher (SPD, in Vertretung für Michaela Engelmeier), Ingeborg Mohr-Simeonidis (Die Linke), Dr. Carsten Brodesser (CDU), Jörg Kloppenburg (FDP), Michael Braun (Bündnis 90/Die Grünen) und Dietmar Rekowski (AfD) stellten sich der Frage „Warum soll unsere Altersgruppe ihre Partei wählen?“.

Nach der Begrüßung der Gäste durch Hendrik Müller und Miriam Fuchs von der Schülervertretung führten die Moderatoren Patrick Hannes (Jg. 10), Niklas Rhode (Q1) und Matheus Oliveira de Paula (EF) durch die 90-minütige Veranstaltung. Deren Publikum setzte sich aus gut vorbereiteten Schülern der SoWi-Kurse der gymnasialen Oberstufe f zusammen. Anwesend waren auch Mitglieder einer Delegation aus der Volksrepublik China, die die Gesamtschule Reichshof besuchte.



Schon beim ersten Themenblock „Europa und Populismus“ zeigten sich Kontroversen. Während die Mehrheit der Politiker die Bedeutung der EU als Friedenswerk hervorhoben, distanzierte sich die AfD vom Projekt Europa als einer Ansammlung „verschiedener, miteinander unvereinbarer Volkswirtschaften“, was den energischen Widerspruch Beuchers (SPD) hervorrief: „Das Wort Frieden in den Mund nehmen und das Holocaust-Denkmal unwidersprochen als Schande zu bezeichnen, passt nicht zusammen!“ Annäherungen zeichneten sich hinsichtlich der Ablehnung einer derzeitigen Fortsetzung der Verhandlungen zum Beitritt der Türkei in die EU ab.

Im Bereich Innenpolitik kamen unterschiedliche Positionen etwa mit Blick auf die Abschiebungspraxis am Beispiel jüngster Abschiebungen gut integrierter Menschen zum Ausdruck. Während Kloppenburg (FDP) auf die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien pochte, verlangte Braun (Grüne) eine strikte Unterscheidung von Alt- und Neufällen.



Zum Thema Renten sagte Brodesser (CDU) „Wir müssen alle versorgen, eine Zauberformel hat keiner; da müssen wir parteiübergreifend zusammen arbeiten.“. Kloppenburg (FDP) trat für eine Freigabe des Renteneintrittsalters ein. Demgegenüber betonte Beucher (SPD), das Rentenniveau dürfe nicht weiter abgesenkt und prekäre Beschäftigungen müssten verhindert werden. Mohr-Simeonidis (Linke) vertrat die These, der Mindestlohn sei zu erhöhen und koste keine Arbeitsplätze, was Brodesser (CDU) bestritt: „Besser eine gering entlohnte Arbeit als gar keine“. Er will das Problem den Tarifpartnern überlassen.

Einig war man sich darin, dass der öffentliche Personennahverkehr in Oberberg verbessert werden müsse. Einigkeit herrschte auch in Sachen Breitbandausbau in Oberberg, wobei sich der AfD –Vertreter nach Meinung der Gastgeber nicht gut informiert über die aktuelle Sachlage im Kreis zeigte. Im Bereich der Bildung wandte sich Kloppenburg (CDU) gegen die bisherige, „ideologisch verbrämte“ Umsetzung der Inklusion. Gegen diese Formulierung wandte sich Beucher (SPD): „Inklusion hat Verfassungsrang!“ Annäherungen zeigten sich indessen in der Frage nach einer Reform des Föderalismusprinzips im Bildungsbereich, Kooperationsvereinbarungen zwischen Bund und Ländern auch im investiven Bereich müssten angestrebt werden.

Umweltpolitisch waren sich die Politiker der derzeit im Bundestag vertretenen Parteien einig in der Notwendigkeit des Umstiegs auf Elektro-Mobilität. „Bei den E-Autos hat die Autoindustrie geschlafen“, so SPD-Politiker Beucher. Am Ende der Veranstaltung dankte Schulleiterin Barbara Horvay den Gästen und den Schülern für die engagierte Diskussion und den Lehrkräften für die Hilfe bei der Vorbereitung.