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Die Champions League des Jazz

vma; 24. Oct 2016, 08:05 Uhr
Bilder: Vera Marzinski --- Mit klarem Bandsound und der vielfältigen Stimme von Sängerin Franziska Loos – dazu zwei Backroundsängerinnen – überzeugte „A.tronic“ am Freitagabend.
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Die Champions League des Jazz

vma; 24. Oct 2016, 08:05 Uhr
Gummersbach – Viele Facetten bot das Jazzmeeting Oberberg, das bereits zum zehnten Mal stattfand – wie im Vorjahr in der Halle 32 und mit positiver Resonanz.
Von Vera Marzinski

Drei Tage Jazzveranstaltungen in der Halle 32 mit insgesamt rund 250 Gästen. Auch diesmal wieder insgesamt ein inhaltlich gelungenes Jazzmeeting, das mehr Besucher verdient hätte. Publikumsmagnet und sozusagen die Champions League des Jazz waren am Samstagabend Wolfgang Haffner und sein Quartett.



[Als Organisator und brillanter Musiker fungierte Stefan Heidtmann beim Jazzmeeting Oberberg.]
  
Unterschiedlicher konnte es zum Auftakt am Freitagabend kaum sein. Zwischen den Polen elektronische Musik und akustische Klangwelt pendelte sich das „Trio ZOϓ durch seine Eigenkompositionen und in eigener Spielweise ein. Anschließend André Nendzas „A.tronic” mit einer Mischung aus Jazz-Funk, 80er-Pop, Prog-Rock bei der Sängerin Franziska Loos mit ihrer klangreichen Stimme, die ein wenig an Kelly Clarkson erinnerte, den Stücken eine besondere Färbung gab.

Stefan Heidtmann – der gemeinsam mit Manfred Bestgen Organisator des Jazzmeetings ist – begrüßte die Gäste und stieg auch gleich musikalisch ein. Der Bergneustädter Pianist und Komponist bildet gemeinsam mit Peter Schönfeld (Bass) und Peter Schmidt (Drums) das „Trio Zoï“. Zoï ist das griechische Wort für Leben. „Musik soll lebendig und gefühlvoll wirken“, so Heidtmann. Ihre Musik mit Einflüssen aus Rock, Pop, Klassik, Jazz sowie experimenteller Musik entpuppte sich als eine hoch attraktive Mischung. Die Stücke stammten aus der Feder von Heidtmann – beispielsweise „Staub“ – und Schönfeld – so die „Ballade Nr. 3“ oder „Biking“.



Zwischen Song und Sound erspielten sich die Musiker von „A.tronic“ ein ungemein vielfältiges und fast tanzbares Programm. André Nendzas hatte sich für sein neues Album und somit auch für die Konzerte brillante Musiker zusammengestellt. Herausragend die Gitarren-Farben, die Markus Segschneider erzeugte. Dazu am Schlagzeug Hendrik Smock und an der zweiten Gitarre Andreas Wahl. Nendza bildete am Bass den zweiten Teil der Rhythmusgruppe mit Smock und sang gemeinsam mit Franziska Loos im Duett „No reason“. „Keep searching, keep singing, keep wondering“ durfte auch das Publikum bei „Milesstone“ mitsingen.

Das absolute Highlight des Jazzmeetings war Wolfgang Haffner mit seinem Quartett, das sich in einem groovigen Programm musikalisch die Bälle zuspielte. Schlagzeuger Haffner begleitete Musiker wie Till Brönner, Klaus Doldinger, Pat Martino und die Brecker Brothers sowie Bugge Wesselthoft und Nils Landgren. Seit eineinhalb Jahren tourt er mit dem Programm „Kind Of Cool” durch Europa und Asien. Dem Gummersbacher Publikum verriet er verschmitzt, dass nach dem Start in der Berliner Philharmonie als Schlusspunkt – und Steigerung – nur ein Konzert in Gummersbach akzeptabel war.


[Wolfgang Haffner ist einer der erfolgreichsten deutschen Jazzmusiker aller Zeiten und zog die Gäste in der Halle 32 in seinen Bann. Ein brillanter Musiker und smarter Moderator.]

Dass er sich hier wohl fühlte, war zu sehen und zu hören. Grandios von Miles Davis „So what“ über Gershwins „Summertime“ oder passend zum Herbst das „Autumn leaves“ bis zu „My funny valentine“, aber auch Eigenkompositionen des Virtuosen am Schlagzeug, der sich gleich drei Ausnahmemusiker hinzugeholt hatte. Christopher Dell am Vibraphone, Hubert Nuss am Piano und Bassist Christian Ramond. Ihr „Kind of Cool“ vermittelte perfekt die Idee des Cool Jazz und begeisterte das Publikum in der Halle 32.

Mit dem Wiehler Duo Stephan Aschenbrenner (Saxophon) und Oliver Trost (Gitarre) und viel Swing, Latin, Blues und Pop in eigenem Gewand endete das zehnte Jazzmeeting Oberberg am Sonntagvormittag. Zum Jazz-Brunch in „32 Süd“ gab es Stücke wie „Oleo“ von Sonny Rollins und den Jazz-Standard „Misty“ im Bossa-Nova-Rhythmus. Auch eigene Stücke von Trost bereicherten das kurzweilige Konzert des Duos. Sie rundeten das facettenreiche Drei-Tage-Jazzmeeting ab. Organisator Manfred Bestgen betonte, dass so eine Veranstaltung nur durch die Unterstützung ausreichender Sponsoren zu stemmen sei. Der Samstag war ein absoluter Erfolg mit 160 Gästen – der Freitag und der Sonntag hätten mehr Publikum verdient. Auch nach dem zehnten Jazzmeeting soll es weitergehen. Eventuell in einem anderen Rahmen, aber wieder in der Halle 32, die bereits in 2015 Austragungsort war.