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Predigender Preußen-Prinz

vma; 1. Nov 2013, 09:22 Uhr
Bilder: Vera Marzinski --- Pfarrer Jochen Gran interviewte Prinz Philip Kiril von Preußen, der selbst Pfarrer in Brinkenwerder ist, im Reformationsgottesdienst am Donnerstagabend.
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Predigender Preußen-Prinz

vma; 1. Nov 2013, 09:22 Uhr
Waldbröl – 100 Jahre nachdem Kaiser Wilhelm II. Waldbröl besuchte kam sein Ururenkel zum Abschluss der 450-Jahr-Feiern der Evangelischen Kirchengemeinde Waldbröl in die oberbergische Stadt und predigte zum Reformationstag.
Mit dem Reformationsgottesdienst endete das Jubiläumsfestjahr der Evangelischen Kirchengemeinde Waldbröl. Ein Jahr voll mit Veranstaltungen. Pfarrer Jochen Gran gab einen kurzen Rückblick auf die Festivitäten. Ein Blick zurück ins Jahr 1913 warf Marcus Dräger, Stellvertretender Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins Abteilung Oberberg. Kaiser Wilhelm besuchte Waldbröl und heute noch heißt die Hauptverkehrsstraße durch den Ort „Kaiserstraße“. Da passte als Gastgeschenk für den Prinzen bzw. Pfarrer von Preußen das Buch „Das Oberbergische und die Hohenzollern“ perfekt. Ein weiterer seiner berühmten Vorfahren, König Friedrich Wilhelm III, war durch seine Finanzhilfe maßgeblich an der Fertigstellung der Evangelischen Kirche in Waldbröl im Jahr 1856 beteiligt. Ihm zur Ehre steht seine Bronzebüste immer noch vor der Kirche.



Jochen Gran wollte wissen, warum ein Adeliger Pfarrer wird und wie er das Verhältnis zwischen Politik und Kirche sehe. Letzteres wäre ein abendfüllendes Thema, so der Prinz. Die Trennung von Politik und Kirche befürwortet er, allerdings sollte es selbstverständlich sein, „dass Politiker Christenmenschen sind“. Pfarrer sei er aus Überzeugung, wobei auch ein Pädagogenherz in seiner Brust schlage. Prinz Philip Kiril von Preußen wurde 1968 in Eutin (Schleswig-Holstein) geboren. Nach seinem Studium zum Grundschullehrer ließ er sich zum Pfarrer ausbilden. Heute ist er Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Birkenwerder in Brandenburg. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau Anna-Christine sechs Kinder zwischen acht und 18 Jahren. Prinz Philips Mutter, war eine „Bürgerliche“. Wegen der bürgerlichen Heirat enterbte Prinz Philips Großvater, seinen Vater. Deshalb ist Philips Cousin Prinz Georg Friedrich heute Chef des Hauses Hohenzollern.


[Die Predigt am Reformationsabend hielt Prinz Philip Kiril von Preußen, der selbst Pfarrer in der Nähe von Berlin ist.]

In seiner Predigt zu Psalm 127 – „Wo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst, die dran bauen.“ – ging er auch auf die Jubiläumsschrift und die vielen Einrichtungen der Evangelischen Kirchengemeinde Waldbröl ein. „Bei allem Tun sollte die Botschaft des Evangeliums nicht vergessen werden“, betonte er. Bei 500 Ehrenamtlern seien dies viele Glieder, die im Bewusstsein der gemeinsamen Mitte aktiv sein sollten. Umrahmt wurde der Gottesdienst musikalisch von den „Vereinigten Waldbröler Chören“ und dem Posaunenchor. Vor der Predigt und dem kurzen Interview erfuhren die Gottesdienstbesucher noch so einiges aus der Geschichte der Hohenzoller durch einen Filmeinspieler, der zeigte, dass der nostalgische Glanz der Krone Preußens noch immer die Menschen anziehe.