Archiv

Neue Kleider für alte Lieder zum Karfreitag

vma; 31. Mar 2013, 23:39 Uhr
Bilder: Vera Marzinski --- Wer Hans-Jürgen Hufeisen im Konzert erlebt hat, wird es nicht vergessen. Mit seinen Flöten weiß er zu bezaubern, weiß, den richtigen Ton anzuschlagen.
ARCHIV

Neue Kleider für alte Lieder zum Karfreitag

vma; 31. Mar 2013, 23:39 Uhr
Waldbröl – An Karfreitag konnten die Gäste in der Evangelischen Kirche der Passion Christi durch Hans-Jürgen Hufeisen und Oskar Göpfert in Abendliedern zu gedenken.
Ein ungewöhnlicher Zugang zu Tönen und Musik zeichnet seit jeher Hans-Jürgen Hufeisens Kreativität aus. Sein Name steht inzwischen europaweit für virtuoses Blockflötenspiel, das seinesgleichen sucht. „Wenn ich flöte, tue ich nichts anderes, als die Seele nach außen spielen“, erklärt er den Zuhörern. Alte Lieder hat er ausgewählt, von denen viele einst Liebeslieder waren und in geistliche Stücke verwandelt wurden. „Wie soll ich dich empfangen“ galt im Mittelalter als ein ganz berühmtes Liebeslied - heute ist eher ein Lied der Trauer. Hufeisen gibt den Melodien seinen Klang, mal mit den hohen Tönen der Sopranino-Blockflöte oder auch mal eher tief und traurig klingend mit der Alt-Blockflöte.

[Für Hans-Jürgen Hufeisen ist das Flötenspiel etwas sehr Spirituelles – das konnten auch die Gäste in der evangelischen Kirche erspüren.]

Eine Blockflöte, das ist für viele das Instrument für Kinder oder aus der eigenen Kinderzeit. Hufeisen dagegen demonstriert auf seinen unterschiedlichen Flöten eine Variationsbreite, die die seit dem 11. Jahrhundert bekannte Blockflötenmusik zurückbringt in die erste Reihe künstlerischer Ausdrucks-möglichkeiten. Dabei funktioniert das Instrument tatsächlich nach einem simplen Prinzip, wie Hufeisen erläutert. Die Luft wird durch den Spalt eines Blocks geblasen. Die Töne entstehen durch das widerständige Holz, das Verwirbelungen des Luftstroms erzeugt, dabei ist der Spieler sozusagen der Wind. Ein israel-jüdisches Lied, der „Psalmentanz“, folgte auf einen jüdischen Psalm zu Karfreitag. „Jesus bleibet meine Freude“ als „Stern der Liebe“, wie Hufeisen das Stück nennt, drücke aus, dass im Leid die Freude nicht vergessen werden solle. „Die Passionszeit könnten wir innerlich feiern, denn es kommt ein neuer Morgen“, sagt er.


Dies verdeutlicht auch das gesamte Konzert: So wie sich die Stücke vom Abend bis zur Mitternacht und von da bis zur Ahnung eines neuen Morgens aneinanderreihen. Immer mit Texten, die Mut machen und zum Nachdenken anregen und die Melodien zu einem noch intensiveren Erlebnis werden lassen. Die bedächtige Art und Weise, wie Hufeisen diese vorträgt, vertiefte die Besinnlichkeit des Konzertes noch mehr.

Die Evangelische Kirchengemeinde Waldbröl feiert in diesem Jahr ihr 450-jähriges Bestehen. Dazu passte nicht nur dieses besondere Konzert, sondern auch die am 17. März eröffnete Ausstellung „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ mit Werken von Eberhard Münch. Eine außerordentliche Farbfülle und viel Ausdruckskraft liegen in den Exponaten. „Meine Farbkonzepte sollen Menschen auf eine andere Erlebnis- und Empfindungsebene führen“, erklärt Münch in der Einladung zur Ausstellung.


[Gemeinsam mit Pianist Oskar Göpfert entführte Hufeisen musikalisch auf eine andere Erlebnis- und Empfindungsebene – die Bilder der Münch-Ausstellung passten hervorragend dazu.]

Perfekt zu den vielen eindrucksvollen Bildern passte die Musik von Hufeisen. Die Vielfältigkeit und Gefühlsebenen seiner Melodien gestalteten musikalisch-bildhaft den Weg vom Abend zum Morgen. Ganz wichtig dabei: „In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tages. So wächst die Ahnung auf das Erwachen, auf das Aufstehen ins neue Leben."

Für Hufeisen ist das Flötenspiel etwas sehr Spirituelles, gebe er doch im Hauchen und Blasen etwas Lebendiges, nämlich seine Seele, von sich. Das konnten auch die Gäste am Karfreitag erspüren. Und: die Instrumente symbolisieren ihm die Auferstehung, denn jede Flöte war vormals Teil eines Baumes und wird nun in die Trägerin einer Melodie verwandelt. Besonders beeindruckend die "Engelsnachtigall" von Jacob van Eyck aus Utrecht, in dem der Komponist in der Nachtigall den Engel entdeckt. Und Engel gibt es auch in den Bildern von Eberhard Münch zu entdecken. Die Münch-Ausstellung ist noch bis zum 5. Mai nach den Gottesdiensten, an Markttagen und freitags von 16 bis 18 Uhr geöffnet.