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'Lenneper Leuchten' werden ein Raub der Flammen

ch; 6. Mar 2013, 04:20 Uhr
Bilder: Christian Herse (1,2, Galerie 1-26) Nils Hühn (3, Galerie 27-48), Martin Hütt (Galerie 49-70), Video: Andre Miebach - kamera24.tv.
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'Lenneper Leuchten' werden ein Raub der Flammen

ch; 6. Mar 2013, 04:20 Uhr
Gummersbach - Produktionshallen des Lampenherstellers sind komplett abgebrannt - 350 Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Oberbergischen sowie Nachbarkreisen im Großeinsatz - Laut Einsatzleitung keine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung. (MIT VIDEO)
Von Christian Herse

Es sind Bilder, die das Oberbergische seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. „Dieses Mal ist der Kelch nicht an uns vorbeigegangen“, lässt sich ein Feuerwehrmann erschöpft ins Gras fallen und bezieht sich damit auf die eher ruhigeren vergangenen Jahre. Doch um 17:10 Uhr war es mit der langjährigen Stille vorbei.

[Insgesamt drei Drehleitern wurden durch die Feuerwehr eingesetzt, um die Flammen von oben zu löschen.]

Eine brennende Lagerhalle wurde der Feuerwehr in Derschlag gemeldet, die sofort mit entsprechenden Kräften ausrückte. Die bereits auf der Anfahrt sichtbare Rauchsäule ließ nichts Gutes erahnen und schnell wurde klar, dass es sich bei dem Feuer in der Klosterstraße nicht um einen Routinejob handeln würde. In Minutenschnelle fraßen sich die Flammen durch die Produktionshalle. Verzweifelt rollten die nach und nach eintreffenden Wehrmänner Schläuche aus und versuchten mit aller Macht das Verwaltungsgebäude von „Lenneper Leuchten“ sowie die Lager- und Produktionshalle zu retten. Doch diese war bis unter das Dach gefüllt mit Kartonagen - ein idealer Nährboden für die Flammen.

Während sich mittlerweile Wehren aus Bergneustadt, Wiehl und Hückeswagen mit Drehleitern und Tanklöschfahrzeugen auf dem Weg nach Derschlag befanden, erfuhr auch Firmen-Geschäftsführer Manfred Radmacher von dem beginnenden Inferno: „Ich war auf der Rückfahrt aus Hilden, als mich die Meldung erreichte. Es ist schlimm, so etwas mit ansehen zu müssen.“ Insgesamt 70 Menschen produzieren hier täglich Großleuchten für die Industrie, glücklicherweise konnten sich alle rechtzeitig in Sicherheit bringen.

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Ein Wasserwehr der Talsperre wurde an der vorbeifließenden Agger geöffnet, um ausreichend Löschmittel an die Einsatzstelle zu bekommen. Gleichzeitig schafften Fahrzeuge aus Marienheide und Morsbach hunderte Mittel Löschschaum herbei, mit dem im späteren Verlauf das Feuer erstickt werden sollte. Dies geschah später mit Blick auf eine drohende Umweltschädigung jedoch doch nicht. Bis zu 20.000 Liter Wasser spritzten die Feuerwehren zu Höchstzeiten auf den Brandherd, wie Einsatzleiter Detlef Hayer berichtete: „Dadurch ist es uns gelungen, die Verwaltungsräume weitestgehend zu halten. Für die Produktionshalle sieht es jedoch nicht gut aus.“ Auch Hayer war angesichts des Ausmaßes fassungslos. „In meiner Dienstzeit habe ich so ein Feuer noch nicht gesehen. Der letzte Brand in dieser Größe muss bei A.S. Creation gewesen sein.“ Im Jahr 1999 hatte ein gewaltiges Feuer damals eine Halle ebenfalls in Derschlag vollkommen zerstört.

[Mittels Bagger schaffen sich die Feuerwehrleute weitere Zugänge zum Löschen.]

Scheinbar ungehindert konnten sich die Flammen ausbreiten, schlugen aus immer mehr Fenstern heraus. Mit Löschmonitoren auf den Fahrzeugen sowie mobilen Hängern und aus der Luft via Drehleitern startete die Feuerwehr einen konzentrierten Angriff, um zumindest das letzte Viertel der 200x75 Meter großen Halle zu retten. Tatsächlich erzielten die Löschversuche gegen 22:30 Uhr erste Erfolge. Währenddessen war die Polizei damit beschäftigt, den Brandort weiträumig abzusperren. Immer wieder näherten sich Schaulustige der Einsatzstelle, reagierten auf die Aufforderungen der Beamten nur widerwillig. Messfahrzeuge der Feuerwehren aus der Region sowie dem Rhein-Sieg und Rheinisch-Bergischen-Kreis begannen derweil unmittelbar nach dem Brandausbruch in ganz Gummersbach mit Schadstoffmessungen in der Luft.

Über Radiodurchsagen wurden die Anwohner vorsichtshalber aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Nach einer guten halben Stunde war nach Auskunft der Einsatzleitung allerdings klar, dass, wie bei jedem Brand üblich, eine große Menge an Rauchgasen freigesetzt wurden, sich jedoch keinerlei gesundheitsgefährdenden Stoffe in der Luft befanden. Da die Rauchwolke jedoch über den Gummersbacher Stadtteil Bernberg zog, ließ die Polizei vorsorglich den dortigen Sportplatz räumen.

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Welche Energie das Feuer freisetzte, wird mit einem Blick auf die Umgebung deutlich. Mauerelemente stürzten um, große Brocken an Teerpappe, die auf dem Dach installiert ist, fielen geschmolzen zu Boden. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand verletzt wurde. Dennoch war neben dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst, Andreas Schneider, der Leitende Notarzt Hagen Fach anwesend. Gummersbachs Wehrführer Hayer wurde während des gesamten Einsatzes von seinen Kollegen aus Marienheide, Nümbrecht und Bergneustadt sowie dem Kreisbrandmeister Frank-Peter Twilling unterstützt .

Dank des ambitionierten Eingreifens der über 350 überwiegend ehrenamtlichen Einsatzkräften waren die Flammen um 23:30 Uhr endgültig unter Kontrolle, also ein weiteres Ausbreiten gestoppt. Zu Hilfe kam ihnen dabei auch ein Bagger, der die Seitenwände teilweise einriss, um so eine größere Angriffsfläche für das Wasser zu schaffen. Doch trotz des mitternächtlichen Erfolges wird sich der Einsatz noch weit bis in den Mittwoch hinziehen, sodass auch die Klosterstraße bis auf weiteres gesperrt bleiben wird. "Das wird noch einige Zeit dauern, bis wir hier alle Glutnester aus haben", stellte sich Hayer auf weitere anstrengende Stunden ein.


[Zwar sind bei dem Brand eine Menge Rauchgase freigesetzt worden, eine gesundheitliche Gefährdung der Luft habe aber laut Feuerwehr zu keiner Zeit bestanden.]

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wurden die Feuerwehrleute zudem mit heißen Getränken und warmen Essen durch das Deutsche Rote Kreuz versorgt, das mit 80 Helfern der Einsatzeinheiten Süd, der Betreuungseinheit Nord sowie den Ortsvereinen Derschlag, Gummersbach-Bergneustadt und Lindlar vor Ort war. Zudem stellten zwei DRK-Rettungswagen den Schutz der Feuerwehrleute sicher.

Mittlerweile wurden die ersten Kräfte, die seit über acht Stunden vor Ort waren, durch weitere Helfer aus Reichshof und Nümbrecht abgelöst. Da der Brand nur unter Atemschutz bekämpft werden konnte, wurden zudem weitere Pressluftflaschen aus dem Kreis Olpe sowie Siegen angefordert. Auch ein Löschfahrzeug aus Meinerzhagen war im Löscheinsatz. Neben Landrat Hagen Jobi und Kreisdirektor Jochen Hagt ist zudem auch Bürgermeister Frank Helmenstein zur Brandstelle geeilt: „Es ist wirklich tragisch, was hier heute Abend passiert. Mein Dank gilt dabei jedoch den Einsatzkräften aus der gesamten Region, die hier unermüdlich und freiwillig alles geben.“ Wie hoch der entstandene Schaden ist, lässt sich noch nicht sagen. Die Polizei hat die Ermittlungen, wie es zu diesem Brand gekommen ist, aufgenommen.

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Zum Nachbericht: Großbrand richtet Millionenschaden an



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