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Wo die Realität an ihre Grenzen stößt

uh; 23. Feb 2013, 23:36 Uhr
Bilder: Martin Hütt --- Das WKTheater zeigt erneut ein Stück des spanischen Autors Jordi Calceran.
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Wo die Realität an ihre Grenzen stößt

uh; 23. Feb 2013, 23:36 Uhr
Waldbröl – Der Bühnen-Thriller „Karneval“ des WKTheaters feierte am Samstagabend Premiere und entführte die Zuschauer in eine Welt, in der Realität und Fiktion scheinbar zu verschmelzen schienen.
Das Bühnenbild - auf den ersten Blick ein ganz normales Büro. Doch irgendetwas ist anders, als bei normalen Theaterstücken. Der Zuschauer hat das Gefühl, mitten im Raum zu sitzen, ist auf einer Augenhöhe mit den Schauspielern. Die Sitzplätze des Publikums sind auf ein Minimum reduziert und in drei Reihen im Halbkreis um das Geschehen arrangiert. Mittendrin, statt nur dabei, lautet ganz offensichtlich die Devise am heutigen Premierenabend in Waldbröl. Eine Distanz zwischen Zuschauer und Akteur ist nicht vorhanden, wodurch der Besucher beinahe selbst zum Teil der Handlung wird.

Eine Polizeidienststelle in Barcelona. Kommissarin Garralda und ihr Kollege erledigen Routinearbeiten. Aber diese Ruhe ist trügerisch, denn ein neuer Fall fordert ihren vollen Einsatz. Laut Anzeige der Mutter ist in einem Park im Zentrum der Stadt der dreijährige Carlos spurlos verschwunden. Recherchen der Polizei führen zu keinem brauchbaren Ergebnis. Dann wird den Beamten eine Internetseite zugespielt, auf der ein Video des kleinen Carlos zu sehen ist. Ein durch die Entführer gestelltes Ultimatum setzt die Polizisten unter enormen Zeitdruck. Kommissarin Gerralda überlegt laut und bezieht ihre Kollegen mit ein. Doch trotz intensiver Nachforschungen laufen die Ermittlungen ins Leere, so dass das Ultimatum verstreicht und das Unfassbare passiert.


Über das Internet verfolgen die machtlosen Polizisten das, was sie unter allen Umständen vermeiden wollten. Tränen, Entsetzen, Hilflosigkeit bei allen Beteiligten, die Mutter bricht zusammen. Das Telefon klingelt, mehrfach. Keiner nimmt das Gespräch entgegen und die Zuschauer in der ersten Sitzreihe sind fast geneigt aufzustehen und den Hörer abzunehmen. Sie werden in dieses tolle Schauspiel geradezu hineingezogen, wollen etwas tun, einfach mithelfen. Doch was ist Wirklichkeit? Man kann sich sicher sein, dass das Kind tot ist – das Video hat es schließlich gezeigt. Oder ist man nur Teil eines brutalen Spiels in der virtuellen Welt? Im Verlauf der Handlung wird gesagt: „Das sind Beknackte, die das Internet nutzen. Wir leben in einer Welt der Gestörten. Es gibt mehr Gestörte als Normale. Es ist Karneval“... 

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Am Samstagabend feierte das Stück des WKTheaters im Hollenberg-Gymnasium schließlich vor ausverkauftem Haus seine Premiere. „Karneval“ von Jordi Calceran ist ein perfides Spiel, das den Zuschauer vollkommen in seinen Bann zieht, aber ihn zugleich auch wegstößt. Mehrfach wird sich das Publikum fragen, was real und was fiktiv ist. Ob die gezeigte Brutalität nun wirklich das Ende oder doch den Anfang für ein ganz anderes Kapitel bedeutet. Klar wird den Besuchern nur eins: Nichts ist so, wie es scheint und doch ist das Scheinbare zum Greifen echt.

Weitere Vorstellungen sind am 24. und 26. Februar sowie am 1. und 2. März geplant. Karten gibt es im Vorverkauf nur unter www.wktheater.de.