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Eine schrecklich skurrile Familie

jw; 29. Apr 2012, 17:36 Uhr
Bilder: Martin Hütt.
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Eine schrecklich skurrile Familie

jw; 29. Apr 2012, 17:36 Uhr
Waldbröl – Während der Premiere des Stücks „37 Ansichtskarten“ gestern Abend in der Aula des Hollenberg Gymnasiums erlebten die Besucher irrwitzige Dialoge, kuriose Verwechslungen und explodierende Toiletten.
Von Jenny Witowski

Der zum Teil tief schwarze Humor und die unglaubliche Situations- und Verwechslungskomik in dem Stück „37 Ansichtskarten“, geschrieben von Michael McKeever, strapazierten gestern Abend in der Aula des Hollenberg Gymnasiums die Lachmuskeln des Publikums. Dank perfekter Besetzung, interessanter Charaktere und einiger morbider Überraschungen wird dieser Abend garantiert nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

Als „normal“ konnte man Averys (Kaspar Zekorn) Familie eigentlich noch nie bezeichnen. Doch dass sie noch eigentümlicher werden könne, hätte er sich nie vorstellen können. Als er nun nach einem achtjährigen Europa-Aufenthalt wieder in sein Elternhaus zurückkehrt, ist alles viel schlimmer geworden: Seine Mutter (Vera Kühr) ist vergesslich und bringt einiges durcheinander, sein Vater (Ralf Tenbrake) ist besessen vom Golfspielen und Tante Esther (Friederike Schild) hat nicht nur eine delikate Nebenbeschäftigung gefunden, sondern verdient sich mit einem „nicht alltäglichen“ Job etwas dazu. Der Tod von Averys Zwillingsbruders vor ein paar Jahren konnte die gesamte Familie nie verarbeiten. Jeder von ihnen ist auf seine Weise vor der Konfrontation mit dem Tod des geliebten Menschen geflohen.


Und bisher scheint niemand „zurückgekehrt“ zu sein – außer Avery. Als wäre der Zeitpunkt nicht ungünstig genug, bringt Avery in dieses ganze Durcheinander ausgerechnet noch seine neue Verlobte Gillian (Elisa Huland) mit. Diese hat genaue Vorstellungen, wie ihr Leben als zukünftige Ehefrau von Avery aussehen soll, und in diese Vision passt Averys irre Familie überhaupt nicht herein. Und so nimmt das Chaos seinen Lauf.

Unter der Regie von Thorsten Kuchinke boten die sechs Schauspieler eine überzeugende Darstellung. Sei es Vera Kühr als Averys Mutter Evelyn, die permanent Namen vertauscht und ihrem Sohn eine doppelte Verlobung andichtet. Oder auch Ralf Tenbrake in der Rolle des Vaters Stanford zeigte an dem Abend, dass er für die Rolle wie geschaffen ist. Niemand anderes könnte einen Golfschläger so graziös schwingen.

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Elisa Huland als Gillian und Kaspar Zekorn verkörperten ihre Rollen so glaubwürdig, dass es dem Zuschauer leicht fiel, sich in ihre abstruse Situation hinein zu versetzen und sie um diese nicht zu beneiden. Auch Friederike Schild in der Rolle der Tante Esther und Britta Faulenbach als Nana wurden für ihre grandiose Darbietung mit überschwänglichem Szenenapplaus gebührend belohnt. Zu der Illusion einer gutbetuchten, aber gleichzeitig schrägen Familie trugen auch das liebevoll bis ins Detail gestaltete Bühnenbild und die treffenden Kostüme bei. So jagte den ganzen Abend ein Lacher den anderen und gab dem Publikum fast keine Chance auf eine Verschnaufpause.

Weitere Aufführungen der Komödie „37 Ansichtskarten“ finden am 29. April, 2. Mai, 4. Mai, 5. Mai, jeweils um 20 Uhr statt. Der Eintritt beträgt zehn Euro, ermäßigt acht Euro.