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Rydzewski kann HC-Zittersieg nicht verhindern

pn; 14. Apr 2019, 14:55 Uhr
Bilder: Michael Kleinjung ---- Viel Mühe hatte der HC Gelpe/Strombach in der Nümbrechter GWN-Arena.
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Rydzewski kann HC-Zittersieg nicht verhindern

pn; 14. Apr 2019, 14:55 Uhr
Oberberg - Gelpe/Strombach entführt glücklich beide Zähler aus Nümbrecht - Derschlag zaubert nach der Pause - CVJM wird für tollen Kampf nicht belohnt - Die Handball-Oberliga wird präsentiert von 'Sportsbar Lutter'.

SSV Nümbrecht – HC Gelpe/Strombach 22:23 (12:12).


[Tobias Mlynczak glänzte als fünfmaliger Vollstrecker.]

Bevor das letzte oberbergische Derby der Saison beginnen konnte, herrschte zunächst einmal großer Gesprächsbedarf. Nachdem Michiel Lochtenbergh als Spieler im vorangegangen Duell der Reserveteams die blaue Karte gesehen hatte, stand die Frage im Raum, ob der HC-Coach sich überhaupt auf seine Bank setzen durfte. Der Spielwart und der Schiedsrichterwart des Verbandes waren in die Diskussionen involviert, denn vor wenigen Jahren wäre Lochtenbergh definitiv gesperrt gewesen. „Ich habe nur gefragt, ob ich mir unter der Dusche Zeit lassen kann oder nicht“, bekam der Niederländer letztlich nach etwa einer Viertelstunde grünes Licht. „Mir wurde gesagt, dass sich wohl etwas an den Regularien geändert habe“, erklärte er. SSV-Coach Dirk Heppe verfolgte die Diskussionen nur am Rande, plädierte aber auch dafür seinem Gegenüber das Derby nicht zu verwehren.


Sportlich bot das Duell dagegen nur wenig Überraschungen. Gelpe/Strombach war die spielerisch bessere Mannschaft, Nümbrecht hielt mit viel Kampf und Leidenschaft dagegen. Überragender Akteur war SSV-Keeper Tom Rydzweski, der den Gegner mit seinen 16 Paraden, darunter ein Siebenmeter, zur Verzweiflung trieb. „Wir haben uns viele gute Chancen erarbeitet, unser Abschluss war zugegebenermaßen aber einfach schlecht, auch wenn Tom aber auch fast alles hielt“, meinte Lochtenbergh nach der Partie. Ein Loblied auf seinen Torhüter sang auch Dirk Heppe: „Er war der Garant dafür, dass wir uns ein Remis eigentlich verdient gehabt hätten.“ Nach ausgeglichener erster Hälfte, in der die Hausherren meist vorlegten, kippte die Partie im zweiten Durchgang schnell zum 14:17 (40.).


[Nico Blech hatte dagegen einen schweren Stand gegen die aggressive SSV-Defensive.]

Dag Dissmann führte aber weiter klug Regie und setzte seine beiden Shooter Dominik Donath und Tobias Mlynczak clever in Szene. Der 19:19-Ausgleich (46.) war der verdiente Lohn. In der Schlussphase haderten die Gastgeber allerdings vermehrt mit den Entscheidungen der Unparteiischen. „Jeder 50/50-Pfiff wurde gegen uns ausgelegt“, wartete Heppe auch im letzten Konter vergeblich auf einen Siebenmeterpfiff, nachdem Harry Roth den heranstürmenden Lukas Hemmersbach im Raum verteidigt habe. Mit dem Auftritt seiner Mannschaft war er trotz der Niederlage zufrieden: „Das war viel Leidenschaft und Kampf und eine Weiterentwicklung, die mich positiv auf die kommende Saison blicken lässt.“ Auch Lochtenbergh zog ein positives Fazit: „Wir haben uns nie von der SSV-Hektik anstecken lassen und zudem nur einen einzigen Punkt in den diesjährigen Derbys abgegeben. Mit etwas Glück werden wir in der Tabelle auch noch ein wenig klettern.“


Nümbrecht: Tobias Mlynczak (5), Dominik Donath (4), Johannes Urbach (4/2), Dag Dissmann (3), Lukas Hemmersbach, Mario Weissner (je 2), Jan Kaminski, Jens Frey (je 1).


Gelpe/Strombach: Julian Mayer (6), Harry Roth (6/2), Lukas Bader (3), Nico Blech, Luis Drux, Florian Panske, Markus Meister (je 2).




CVJM Oberwiehl – HC Weiden 20:21 (8:9).


Und sie leben immer noch. Trotz eines famosen Auftritts gegen den designierten Mittelrheinmeister aus Weiden standen Oberwiehls Spieler am Ende zwar wieder einmal mit leeren Händen da, haben im Abstiegskampf aber auch noch nicht die letzte Patrone verschossen. Mindestens ein Punkt wäre verdient gewesen, meinte CVJM-Coach Nils Hühn nach der Partie: „Aber leider belohnen wir uns für die guten Leistungen nicht.“ Angestachelt durch das Ergebnis im Abstiegsgipfel zwischen Fortuna Köln und Nippes gaben die Südkreisler gegen den Spitzenreiter ihr letztes Hemd. Die Schiedsrichter versuchten beide Teams an der langen Leine zu halten und ermöglichten so ein intensives und körperbetontes Spiel bis zur Pause, in dem sich keiner der beiden Kontrahenten absetzen konnte. „Leider haben wir aus unserer guten Defensivarbeit keinen Profit geschlagen“, sah Hühn wenig Gegenstöße, sondern viel hilfloses Anrennen gegen die ebenfalls gute HC-Deckung.


[Nachdem Jannik Lang ausfiel, musste Dag Dissmann auf die Spielmacherposition rotieren - Dirk Heppe fand lobende Worte.]

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig an der niveauarmen Partie, die mehr durch Kampf und Spannung zu überzeugen wusste. Dabei haderten die Hausherren insbesondere mit Latte und Pfosten, die regelmäßig eine CVJM-Führung verhinderten. Beim 18:20 (57.) schien die Partie entschieden, doch eine Zeitstrafe gegen Timo Wolff sowie eine anschließende doppelte Manndeckung sorgten noch einmal für den 20:20-Ausgleich kurz vor dem Ende. Auf der Gegenseite konterte Andreas Micke mit einem glücklichen Aufsetzer, während der letzte Oberwiehler Kempa-Trick in den vier Schlusssekunden im Nichts versandete. „Wir haben jetzt noch einmal zwei Wochen Zeit, um unseren CVJM-Geist zu beschwören. Wir sind zwar auf die Ergebnisse der Konkurrenz angewiesen, aber es hätte auch niemand gedacht, dass wir nach diesem Spieltag immer noch nicht abgestiegen sind“, kokettierte Hühn ein wenig mit der Auferstehunggeschichte zu Ostern. Weniger freundliche Worte hatte er dagegen für den Gegner übrig: „Natürlich gratulieren wir ihnen zum verdienten Aufstieg, aber das Verhalten der Fans und ihres Trainers war eines Aufsteigers nicht würdig.“


Oberwiehl: Andre Rischikov (4), Artur Gartung (4/2), Sebastian Deilmann, Bastian Schneider (je 3), Simon Schanz (2), Luca Schrabe, Mirco Gröbner, Jannes Pulla, Jan Sonka (je 1).




TuS Derschlag – TSV Bayer Dormagen II 39:32 (16:18).


Ein wenig hin- und gerissen war Ralph Weinheimer nach dem Spitzenspiel gegen die Zweitligareserve von Bayer Dormagen. Auf der einen Seite sah der Derschlager Coach eine eindrucksvolle zweite Hälfte seiner Mannschaft, die ihm schlicht Spaß gemacht hatte. Auf der anderen Seite hatten der Tabellenzweite immer noch ein Auge auf den Auftritt Weidens in Oberwiehl. „Natürlich haben wir den Aufstiegskampf bereits abgeschrieben, aber einen letzten Nerventest hätte ich mir dann doch gewünscht“, ärgerte ihn der späte Siegtreffer des Tabellenführers. Letztlich überwog aber die Freude über das eigene gute Spiel. „In ein paar Wochen wird unsere Mannschaft ein neues Gesicht bekommen, aber das hat bei den Jungs für die letzten gemeinsamen Auftritte noch einmal ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt“, meinte Weinheimer.


[Michiel Lochtenbergh lobte zwar die Ruhe seiner Mannschaft, verzweifelte aber auch an der Chancenverwertung.]

Zunächst hatten die Oberberger allerdings große Probleme mit dem spielfreudigen Gegner. Philipp Krefting zeigte, warum man sich am Epelberg auf den Neuzugang kommende Saison freuen darf und auch der US-Amerikaner Andrew Donlin war am Kreis ein ständiger Unruheherd. Die Gäste verloren zwar früh Oliver Minten durch eine rote Karte, waren bis zur Pause aber das bessere Team. Weinheimer drehte in der Kabine aber an den richtigen Stellschrauben. Während sein Team nach dem Seitenwechsel über 25:25 (42.) und 32:28 (52.) ein wahres Feuerwerk zündete, gingen Dormagen nach der Verletzung Kreftings und der dritten Zeitstrafe Ben Youssefs allmählich die Spieler aus. „Der Sieg war sicherlich etwas zu hoch, aber für die Zuschauer war es ein sehenswertes Spiel“, fasste Weinheimer den nur fast perfekten Abend zusammen.


Derschlag: Tim Hilger (13/7), Carsten Lange, Vladislav Veselinov, Thorben Schneider, Norman Krause (je 5), Nils Welke (4), Timo Bay, Matias Cabrales (je 1).

Ergebnisse und Tabelle