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Panik wegen Lieferengpässen an Tanken unnötig

nh; 8. Nov 2018, 13:00 Uhr
Bild: Michael Kleinjung --- Derzeit kann es immer wieder vorkommen, dass einzelne Kraftstoffsorten kurzzeitig ausverkauft sind.
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Panik wegen Lieferengpässen an Tanken unnötig

nh; 8. Nov 2018, 13:00 Uhr
Oberberg - Das Niedrigwasser des Rheins sorgt für Lieferschwierigkeiten der Mineralölwirtschaft - Teilweise sind Kraftstoffsorten an oberbergischen Tankstellen ausverkauft - Spritpreis teuer wie lange nicht mehr.
Von Nils Hühn

Aktuell liest man häufig von „Benzin-Not“ oder „Diesel-Drama“. Besonders die Boulevard-Medien sind äußerst kreativ bei der Berichterstattung zu den aktuellen Lieferschwierigkeiten der Mineralölwirtschaft. Als Ursache Nummer eins wird das Niedrigwasser des Rheins genannt. Auswirkungen hat dies auch auf den Oberbergischen Kreis. In den vergangenen Wochen haben die Spritpreise bei Benzin und Diesel kräftig angezogen. Vereinzelt sind derzeit sogar einige Zapfsäulen gesperrt. Dies sei aber die Ausnahme, wie die Tankstellenbetreiber im Oberbergischen Kreis versichern.

„Es kann vorkommen, dass für wenige Stunden eine Kraftstoffsorte an einer einzelnen Tankstelle nicht verfügbar ist“, erklärte Annika Schön von TOTAL Deutschland. Grund zur Panik sei aber nicht angebracht, da es sich ausschließlich um logistische Probleme handeln würde. Häufig sind die Freien Tankstellen betroffen, aber auch die großen Konzerne. Prinzipiell kann jede Tankstelle Probleme bekommen. „Es kann auch zu einem anderen Zeitpunkt passieren, dass ein Kraftstoff ausverkauft ist“, tritt dieser Fall laut Pressesprecherin Schön aktuell nur wesentlich häufiger auf.


Da der Rhein und viele andere große Gewässer derzeit Niedrigwasser führen, können die großen Tanker nicht vollbeladen fahren. Daher muss der Treibstoff auf die Straße oder die Schiene umgelagert werden, was Schwierigkeiten bereitet. Es herrsche aber kein genereller Treibstoffmangel. Die schwierigen Bedingungen der Versorgung mit Benzin und Diesel haben für einen Preisanstieg in den vergangenen Wochen gesorgt. Wie ein Sprecher des Mineralölverbands sagte, wird die Versorgungssituation weiterhin angespannt bleiben und damit die Preise auf einem hohen Niveau.

Mit einer weiteren Verschlechterung der Situation rechnen aber weder die Tankgesellschaften noch der Mineralölverband. Zur Entspannung hatte die Bundesregierung schon große Mengen von Kraftstoffreserven freigeben lassen, was allerdings nur kurzfristig Wirkung zeigte. Die Ölunternehmen fordern derweil eine Lockerung des Sonntagsfahrverbotes für Tanklastwagen, um die Schwierigkeiten der eingeschränkten Schifffahrt besser kompensieren zu können.

Der ADAC hält die Begründung der Mineralölkonzerne, dass die hohen Spritpreise mit den höheren Transportkosten zusammenhängen, für nicht hinreichend. Denn die Rohölpreise fallen seit Oktober, was jedoch kaum Auswirkungen auf die Preise an den Tankstellen hat und damit der Sprit so teuer wie zuletzt Mitte 2014 ist. Für den ADAC sind die „punktuellen Lieferschwierigkeiten“ nur teilweise ein Argument und die Preissteigerungen übertrieben. Mit Verweis auf die sinkenden Rohölpreise sei sogar eine Preissenkung möglich.

Eine Verhaltensänderung der Verbraucher sei derweil nicht angebracht. Panik, dass es flächendeckend kein Benzin, Diesel oder Heizöl gibt, sei unangebracht, so die TOTAL-Pressesprecherin. Aber vielleicht sollte man nicht mit dem letzten Tropfen Sprit im Tank die nächste Tankstelle ansteuern.