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Volldampf kennt keine Altersbeschränkung

bv; 27. Mar 2019, 12:49 Uhr
Bilder: privat --- Mit diesem Aston Martin Vantage misst sich Jörg Viebahn mit der Konkurrenz in der GT 4-Meisterschaft.
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Volldampf kennt keine Altersbeschränkung

bv; 27. Mar 2019, 12:49 Uhr
Oberberg – Jörg Viebahn steigt in dieser Saison in das Cockpit eines Aston Martin Vantage in der GT 4 Masters-Serie und will auch dort im Vorderfeld mitfahren.
Von Bernd Vorländer

Jörg Viebahn ist sehr entspannt. Jetzt, wo seine diesjährige Motorsport-Zukunft geklärt ist, blitzen seine Augen und er gibt zu, sich wie ein kleiner Junge auf die Rennen zu freuen. „Ich bin ein glücklicher Mensch“, sagt der 54-Jährige. Viebahn, der überzeugte Oberberger, ist in zwei Welten zuhause. Einerseits der erfolgreiche Unternehmer, der für die Industrie, vor allem für Auto-Hersteller, Transport- und Lagersysteme entwickelt und herstellt, andererseits seit Jahrzehnten in den Cockpits superschneller Sportwagen auf den Rennstrecken dieser Welt zuhause. Beides miteinander ohne Substanzverluste zu verbinden ist die große Herausforderung.


Viebahn ist nicht mehr der junge Springinsfeld, sondern nüchtern und analytisch – aber nur, wenn es um unternehmerische Belange geht. „Meine berufliche Unabhängigkeit ist sehr wichtig, sonst könnte ich den Rennsport gar nicht ausüben“, sagt Viebahn. Er weiß genau, wie viele Existenzen bedroht sein könnten, sollte er aufgrund eines Rennunfalls ausfallen. Deshalb hat er früh Vorsorge getroffen, die Eigenverantwortlichkeit der Beschäftigten in den Mittelpunkt der Unternehmens-Philosophie gestellt. „Hier wird akribisch weitergearbeitet, auch wenn ich tagelang zu Rennen unterwegs bin.“


[Jörg Viebahn geht in der ADAC GT Masters mit einem Aston Martin Vantage an den Start.]

Motorsport ist Viebahns Leidenschaft, dann wird aus dem ruhigen Analytiker ein Heißsporn. Viele Rennserien hat er bereits gefahren, im vergangenen Jahr einen Audi R 8 in der GT 4-Serie, natürlich auch 24-Stunden-Rennen und immer ist er noch extrem ehrgeizig. „Solange ich noch im Spitzenbereich mitfahren kann, will ich mich messen“, brennt Jörg Viebahn nach wie vor für den Rennsport. Der eigene Anspruch ist gewaltig, nur als Zähl-Kandidat mitzufahren – das würde ihm nicht genügen. Natürlich muss er sich mit 54 Jahren anders als seine jungen Konkurrenten vorbereiten, absolviert Kraft- und Ausdauer-Training, fährt viele Kilometer mit dem Mountainbike. „Wenn man nicht fit ist, kann man sich ein Cockpit abschminken“, sagt Viebahn, bei dem, wie bei allen Mitbewerbern vor der Saison die Laktat-Werte überprüft werden. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.

Natürlich gebe es junge, sehr schnelle Konkurrenz, die es auf den diversen Kursen wissen wolle. „Ich profitiere von meiner Erfahrung und weiß, dass ein Rennen meist nicht in der ersten Runde entschieden wird“, verdeutlicht Viebahn. Zudem ist die Schnelligkeit auf der Strecke nur ein Teil seines Jobs. Gefragt ist er auch als Entwickler, kann nach vielen Testkilometern und im Renneinsatz viel über die Balance des Fahrzeugs, Schwachpunkte und weitere Möglichkeiten zur Verbesserung sagen. „Ich kenne Ursache und Wirkung bei einem Fahrzeug. Das hilft mir und dem Team enorm.“  


[Mit der knackigen Rückansicht gehört der Aston Martin sicherlich zu den Hinguckern der Rennserie.]

In diesem Jahr steht für Jörg Viebahn ein Markenwechsel an. Der Oberberger startet für das PROsport Performance Team und bewegt in der GT 4-Meisterschaft, die im Rahmen des ADAC GT Masters ausgetragen wird, einen Aston Martin Vantage. Hinzu kommen Einsätze bei diversen Langstrecken-Veranstaltungen, natürlich auch beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. „Ich bin total zufrieden und freue mich sehr auf das neue Fahrzeug“, sagt Viebahn, der bei Tests restlos zu überzeugen wusste. Er teilt sich das Cockpit mit dem 21-jährigen Finnen Joonas Lapalainen, der 2016 den Audi TT Cup gewann.

„Es gibt nicht Alt oder Jung, sondern nur schnell oder nicht ganz so schnell. Die Leistung zählt“, schmunzelt der 54-Jährige. Ende April startet er mit seinem Boliden erstmals in Oschersleben, Gegner sind etwa Audi R 8, BMW M 4, Mc Laren oder Porsche Cayman. Dann ist Viebahn wieder im Tunnel, wenn die Startampel auf grün springt. Respekt hat er vor jeder Rennstrecke, aber keine Angst. „Sonst müsste ich sofort aufhören.“ Wie lange er sich der Belastung noch stellen will? Viebahn lässt ein Ausstiegsdatum offen. Er sei kein großer Planer, lasse alles auf sich zukommen. „Aber irgendwie wundere ich mich schon, dass ich immer noch dabei bin.“