Archiv

Mit vereinten Kräften gegen die Masern

bv; 16. Jan 2019, 14:44 Uhr
ARCHIV

Mit vereinten Kräften gegen die Masern

bv; 16. Jan 2019, 14:44 Uhr
Waldbröl – Kreisgesundheitsamt überprüfte an zwei Schulen in Waldbröl Impfpässe, informierte und bot Impfungen an – Mehrere Schüler aufgrund mangelndem Impfschutz vom Unterricht freigestellt.
Von Bernd Vorländer

Die Aufregung in Waldbröl war groß: An zwei Schulen – dem Hollenberg-Gymnasium und der Städtischen Realschule – brachen zu Wochenbeginn die Masern aus. Sechs Kinder sind in der Stadt insgesamt betroffen, vier davon in den beiden Schulen. Heute Morgen rückte das Kreisgesundheitsamt mit Leiterin Kaija Elvermann an und überprüfte in den beiden Schulen die Impfausweise der Schüler in den Klassen, in denen es Krankheitsfälle gegeben hatte. Ergebnis war, dass über 90 Prozent der Schüler wie auch der Lehrer über einen ausreichenden Impfschutz verfügten. Allerdings mussten in der Realschule zwei Schüler, im Gymnasium bis zu drei Schüler nach Hause geschickt werden, weil sie nicht vor Masern geschützt waren. Sie dürfen eine Woche lang nicht am Unterricht teilnehmen.


Von Hektik oder gar Angst konnte jedoch in beiden Schulen keine Rede sein. „Das ist bei uns völlig unspektakulär abgelaufen“, sagt Stefan Schriever, Rektor der Realschule. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien sehr ruhig und besonnen vorgegangen. Die Klasse, in der es zu einem Krankheitsfall gekommen sei, werde in den nächsten Wochen in ein und demselben Klassenraum unterrichtet. Der Schulalltag laufe aber normal weiter. Auch im Hollenberg-Gymnasium ging das Kreisgesundheitsamt zurückhaltend, aber zielgerichtet vor. Die betroffenen Klassen wurden informiert, das Angebot zur vorsorglichen Impfung hätten einige Lehrer aus dem Kollegium genutzt, so Schulleiter Frank Bohlscheid.

Kaija Elvermann, Chefin des Kreisgesundheitsamtes trat dem Eindruck entgegen, bei Masern handele es sich um eine harmlose Kinderkrankheit. „Das ist eine schwerwiegende Infektionskrankheit, die erhebliche Spätfolgen wie Hirnhautentzündung haben kann“, so Elvermann. Zudem seien die Masern hoch ansteckend. 90 Prozent derer, die nicht bereits früher die Virusinfektion überstanden, oder sich einer Impfung unterzogen hätten, würden nach Kontakt mit einem Infizierten selbst erkranken. Die Folgen einer Masern-Erkrankung seien vor einigen Jahrzehnten noch nicht i dem Ausmaß wie heute bekannt gewesen. Deshalb habe die Weltgesundheitsorganisation WHO auch den umfassenden Kampf gegen die Masern ausgerufen und sich die Ausrottung auf die Fahne geschrieben. „Aber davon sind wir in Deutschland noch meilenweit entfernt, weil es bei uns keine Impfpflicht gibt“, so Elvermann.

In Waldbröl habe man alle denkbaren Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um eine weitere Ausbreitung der Masern zu verhindern. Man werde auch in den nächsten Tagen den Kontakt zu den Schulen suchen und einen engen Draht zu den in der Stadt praktizierenden Ärzten halten, um bei neuen Krankheitsfällen sofort eingreifen zu können, so Elvermann.