Archiv

Gold-Gewinnerin besuchte Projekttag gegen Ausgrenzung

fj; 25. Jan 2019, 12:01 Uhr
Bilder: Fenja Jansen --- Kirsten Bruhn nutzte den Projekttag der Gesamtschule Gummersbach, um mit Schülern über das Thema 'Behinderung' zu sprechen.
ARCHIV

Gold-Gewinnerin besuchte Projekttag gegen Ausgrenzung

fj; 25. Jan 2019, 12:01 Uhr
Gummersbach - Die Gesamtschule setzt mit ihren Projekttagen jährlich Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus - Dank des Schulpaten Friedhelm Julius Beucher war hohe sportliche Prominenz vertreten: Kirsten Bruhn, Trägerin von elf paralympischen Medaillen.
„Ist sie das?“, raunte es am Vormittag durch die Bibliothek der Gesamtschule Gummersbach. „Ja, das ist sie!“ Mit donnerndem Applaus begrüßten die Siebtklässler der Schule ihren heutigen Gast, die dreifache Goldmedaillengewinnerin Kirsten Bruhn. Die Schwimmerin war eine der erfolgreichsten Aktiven im deutschen Behindertensport und ist heute eine bekannte Botschafterin des Behindertensportverbandes. Sie holte in ihrer Karriere elf paralympische Medaillen  und schwamm sechsmal an die Weltspitze. Sie kennt aber auch ein Leben abseits des Erfolges: Mit 21 Jahren erlitt Bruhn, die seit ihrer Kindheit Leistungsschwimmen betrieb, einen Motorradunfall und infolgedessen eine Querschnittslähmung. Neun Jahre brauchte die Protagonistin des Dokumentarfilms „Gold – Du kannst mehr als du denkst“, um ihren Weg zurück in den Leistungssport und in ein glückliches Leben zu finden.


[Der gesamte siebte Jahrgang lauschte gebannt, als Kirsten Bruhn von ihrem Leben und ihrer Karriere berichtete.]

Dass die Siebtklässler diese beeindruckende Lebens- und Erfolgsgeschichte heute aus erster Hand hören konnten, hatten sie ihrem Schulpaten für die Initiative „Schule ohne Rassismus“ Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, zu verdanken. Seit die Schule den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung (3. Dezember) und den Holocaust-Gedenktag (27. Januar) mit einem Projekttag begeht, lädt er Sportler mit Handicap ein, um den Schülern die Gelegenheit zum Austausch mit ihnen zu geben. Dieses Engagement wusste auch der heutige sportliche Gast zu schätzen: „Junge Menschen dafür zu sensibilisieren, dass eine Behinderung nicht das ‚Aus‘ bedeutet und Menschen mit Handicap viel mehr leisten können, als man ihnen allgemein zutraut, ist mir ein wichtiges Anliegen“, erklärte Bruhn, dass sie der Einladung nach Derschlag gerne gefolgt ist. Und auch die Schüler waren von der taffen Sportlerin und ihrer Geschichte beeindruckt: „Ihr Vortrag hat mir klar gemacht, dass man nicht über andere lästern, sondern sie unterstützen sollte“, so beispielsweise Schülerin Chaja.


  
Doch nicht nur für die Siebtklässler war der heutige Schultag keiner wie jeder andere. So besuchte Michael Höhn, Autor, Theologe und Initiator des Ometepe-Projekts Nicaragua, die achten Klassen und las aus seinem Roman „Das Geheimnis der Sara Abt“, der die Themen Ausländerfeindlichkeit und Nationalsozialismus behandelt. Schüler der Oberstufe besuchten die Euthanasie-Gedenkstätte Hadamer oder das KZ Buchenwald, während Angehörige des Projekts SCHLAU in der Schule einen Workshop zum Thema „sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ anboten.

„Unser Projekttag soll ein sichtbares Zeichen gegen jede Art von Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus sein. Darum bemühen wir uns um ein breites thematisches Spektrum“, erklärte Jörg Sandhofe, Lehrer und Koordinator des Aktionstages. Und Schulleiter Ingolf Weber ergänzte: „Als Schule, deren Schüler aus vielen verschiedenen Ländern kommen und auch von jungen Leuten mit Förderbedarf oder Behinderung besucht wird, sind uns Vielfalt und Austausch wichtige Anliegen“. Dafür, in den Dialog miteinander zu treten, statt sich gegenseitig auszugrenzen, wird mit dem jährlichen Projekttag geworben.