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Borkenkäfer frisst sich durch Oberbergs Wälder

bv; 17. Sep 2018, 16:28 Uhr
Archivbild: Michael Kleinjung --- Wie schon nach den Stürmen zu Jahresbeginn müssen aufgrund der Borkenkäfer-Plage jetzt Bäume, vor allem Fichten, geschlagen werden.
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Borkenkäfer frisst sich durch Oberbergs Wälder

bv; 17. Sep 2018, 16:28 Uhr
Oberberg – Schädling konnte sich durch die Sommerhitze explosionsartig vermehren und sorgt für erheblich ökologische und finanzielle Folgen für Waldbesitzer und Waldbauern.
Von Bernd Vorländer

Sie sind nur wenige Millimeter groß, doch die Schäden, die sie derzeit anrichten, sind in ihrem  Ausmaß noch gar nicht zu beziffern. Die Rede ist vom Borkenkäfer, der dem Wald so heftig zusetzt wie kaum zuvor. Gemeinsam mit den Stürmen zu Jahresbeginn sorgt er durch seine explosionsartige Vermehrung dafür, dass die ökologischen und finanziellen Folgen auch in Oberberg verheerend sind. „So etwas habe ich in den über 30 Dienstjahren noch nicht erlebt“, sagt Kay Boenig (Bild), Leiter des Regionalforstamtes in Gummersbach. Schuld sind zum einen die Stürme zu Jahresbeginn, die sehr viel Totholz produziert haben und in denen sich der Käfer wohlfühlt.

Zum anderen haben die heißen Temperaturen und der regenarme Sommer die Borkenkäfer-Population nach oben schießen lassen. Üblicherweise verzeichne man im Sommer Niederschlagsmengen von 500 bis 600 Millimeter pro Quadratmeter, so Boenig. Doch in diesem Jahr seien es lediglich 130 mm gewesen. Ergebnis: Vielen Bäumen fehlt die Kraft, um sich etwa mit verstärkter Harz-Produktion gegen Schädlinge zu wehren. Die Sommerhitze führte dazu, dass statt der üblichen ein bis zwei Populationen deren drei einen Frontalangriff auf die Bäume, bevorzugt Fichten starteten. Unter der Rinde vermehren sich die Käfer und fressen in großer Geschwindigkeit die Bäume von innen her auf.

„Die Situation ist schon dramatisch, eine solche Borkenkäfer-Kalamität hatten wir auch in Oberberg noch nicht“, sagt Kay Boenig. Er schätzt, dass mindestens 100.000 Kubikmeter Holz dem Schädling in der Region zum Opfer fallen. Hinzu kommen weitere Trockenschäden, auf die Klaus Lange, Revierleiter des mit 1.580 Hektar größten oberbergischen, privaten Waldbesitzes von Stift Ehreshoven in Engelskirchen hinweist. Selbst bei der Buche verzeichne man Einschränkungen. „Der Borkenkäferbefall ist darüber hinaus eklatant. Das haben wir bislang in diesem Ausmaß nicht gekannt und das sorgt für einen großen finanziellen Schaden“.


Nötig wäre es jetzt, das befallene Holz schnellstmöglich aus dem Wald zu bekommen, damit nicht noch mehr Bäume befallen werden. Das aber ist schwierig. Seit den Stürmen im Januar sind die Lager der Holzhändler voll. „Wir sehen nur Absatzmöglichkeiten für etwa 50.000 Kubikmeter Holz“, glaubt Kay Boenig und ist zudem überzeugt: „Die Holzpreise werden massiv fallen.“ Dies bedeutet für alle Waldbauern enorme finanzielle Verluste. Wurde gutes Fichtenholz in der Vergangenheit schon für 80 € den Festmeter gehandelt, bekommt man derzeit nur 50 € - für Holz, in dem der Borkenkäfer war, sogar noch weniger. „Das ist ein großer Substanzverlust für alle Waldbauern“, sagt Klaus Lange vom Stift Ehreshoven. Mit großem Personaleinsatz schlägt man dort derzeit erkrankte Bäume, ab morgen kommt eine Entrindungsmaschine zum  Einsatz, die dem Borkenkäfer den Garaus macht. Aber in vielen Teilen Oberbergs bleibt abgestorbenes Holz liegen. Die Käfer graben sich dann vor dem Winter in die Erde ein und würden sich über einen trockenen, kalten Winter freuen, der ihnen nichts anhaben kann.

Deshalb hoffen Boenig und Lange auf einen milden, warmen Winter, der für die Ausbreitung bestimmter Pilze sorgt, die dem Käfer gefährlich werden. Spielt das Wetter nicht mit, „dann könnte es 2019 noch schlimmer werden“, warnt Boenig. Natürlich werde das Regionalforstamt allen Waldbesitzern versuchen zu helfen. Doch bringt der Leiter auch eine finanzielle Unterstützung von Bund oder Land ins Spiel. Die wäre seiner Meinung nach mehr als angebracht. Fragt sich nur, ob die Waldbesitzer und Waldbauern dieselbe Lobby wie die Landwirte bei den politischen Entscheidungsträgern genießen.