Archiv

Der Lackpickel ist jetzt noch besser erkennbar

ls; 12. Jul 2018, 12:50 Uhr
Bilder: Leif Schmittgen --- Prof. Dr. Danka Katrakova-Krüger und ihr Vorgänger Prof. Dr. Helmut Winkel präsentierten das neue Mikroskop gestern der Öffentlichkeit.
ARCHIV

Der Lackpickel ist jetzt noch besser erkennbar

ls; 12. Jul 2018, 12:50 Uhr
Gummersbach - An seinem letzten Arbeitstag ging für Prof. Dr. Helmut Winkel mit der Anschaffung eines neuen Rasterelektronenmikroskops (REM) ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung.
Von Leif Schmittgen

An seinem letzten Arbeitstag am Campus Gummersbach der Technischen Hochschule Köln hielt Prof. Dr. Helmut Winkel einen Vortrag, der ihm noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nicht nur, weil es sein Letzter in seiner Funktion als Hochschuldozent war, sondern auch weil für ihn ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging.   


[Das REM „Hitachi SU5000“  kostete 330.000 € und wurde durch Bundesmittel fianziert.]

Das Rasterelektronenmikroskop (REM) , was nun Professoren und Studenten gleichermaßen zur Verfügung steht, gibt dem Benutzer nämlich die Möglichkeit ganz kleine Dinge noch viel schärfer zu sehen. Es hat eine Auflösung von bis zu 1,2 Nanometer und liegt damit ein Vielfaches über dem des Vorgängergeräts. Es hilft den Forschern deswegen noch mehr bei der Fehlersuche von Industriewerkstoffen. „Der Lackpickel an einem Autotürgriff ist nun noch besser sichtbar“, nannte er gestern Nachmittag ein – auch für den Laien verständliches – Anwendungsmerkmal.   

Die Hersteller der verschiedensten Branchen beauftragen die Forscher an der Hochschule nämlich damit, auf die Suche nach Produktionsfehlern zu gehen. Und dabei sind etwaige Materialien, die mit dem bloßen Auge oder gar einem Standardmikroskop nie zu erkennen wären, nun gestochen scharf darstellbar. Dadurch können Fehler nachgewiesen- und letztlich ausgemerzt werden. Ein weiterer Vorteil der Neuanschaffung ist laut Winkel der vorhandene „DAU-Knopf“, also eine Zerstörung des Mikroskops durch den „Dümmsten anzunehmenden Unfall“, sagte der Professor mit einem Schmunzeln.

 

Damit meinte er, dass jetzt auch Studenten an dem Gerät arbeiten können, ohne wichtige Grundeinstellungen zu verändern, also etwas kaputt zu machen. Das sei bei dem Vorgängergerät eben anders gewesen. „Oft haben wir einen halben Tag Damit verbracht, das Mikroskop nach falscher Anwendung neu zu justieren. Deshalb war die Benutzung durch Studenten nur sehr eingeschränkt möglich“, so Winkel.   

Das neue REM  „Hitachi SU5000“ kann es auch aktiv in der Lehre eingesetzt werden und eignet sich nicht nur wegen des „Dau-Knopfes“ am Besten für die Anwendungsbereiche der Hochschule. Viele Wochen hatten sich die Experten bei verschiedenen Herstellern in Deutschland über die Möglichkeiten informiert. Er trauere dem inzwischen verschrotteten Vorgängergerät nicht eine Sekunde nach. Seine letzte „Vorlesung“ nach 31 Berufsjahren an der TH nutzte der bisherige Leiter des Instituts für Werkstoffkunde und Angewandte Mathematik auch dazu, den Gästen im Kienbaumsaal seine Nachfolgerin Prof. Dr. Danka Katrakova-Krüger vorzustellen.   

Beide luden die Besucher anschließend dazu ein, sich selbst ein Bild vom 330.000 € teuren REM zu machen und führten die vielen Anwendungsmöglichkeiten vor. Winkel hatte sich mehrere Jahre für eine Anschaffung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung eingesetzt, das es letztlich auch finanzierte. Auch wenn Winkel nun persönlich nicht mehr am REM arbeitet, freut ihn die Anschaffung für seine Nachfolgerin umso mehr.