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Kundgebungen bunt, aber überschaubar

nh, db; 14. Oct 2017, 13:47 Uhr
Bilder: Nils Hühn (1 sowie Galeriebilder 17 bis 34) und Michael Kleinjung --- Die Protestler machten auch kurz an der Wiehltalhalle halt, wo die AfD sich eigentlich treffen wollte. Am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium waren zahlreiche Plakate und ein großes Banner mit dem Konterfei des Namensgebers aufgehangen worden.
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Kundgebungen bunt, aber überschaubar

nh, db; 14. Oct 2017, 13:47 Uhr
Wiehl – Deutlich weniger Menschen beteiligten sich nach der Absage des AfD-Landesparteitages an den Gegenveranstaltungen - Polizei berichtet von friedlichem und störungsfreiem Verlauf.
Wer sich heute ohne Vorwissen in die Innenstadt von Wiehl begab, der konnte den heutigen Vormittag auch für einen ganz gewöhnlichen Samstag halten. Die Kundgebungen, die anlässlich des eigentlich geplanten Landesparteitages der Alternative für Deutschland (AfD) geplant wurden, liefen in deutlich kleinerem Rahmen ab.



[Bunt gekleidet versammelten sich die Teilnehmer zur Menschenkette auf dem Rathausvorplatz.]

Nach und nach füllte sich der Rathausvorplatz um 9 Uhr mit bunt angezogenen Menschen, die Plakate, Blumen und Fahnen dabei hatten. Die Veranstalter der Menschenkette zum Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und der Kundgebung im Wiehltalstadion hatten mit 1.000 Teilnehmern gerechnet, aber nach der überraschenden Absage des AfD-Landesparteitages (OA berichtete) konnten sich nicht mehr so viele Menschen aufraffen, um ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und Offenheit zu setzen. „Wahrscheinlich fehlt der Gegenpol", vermutete eine Teilnehmerin. Dennoch hatten sich rund 300 gut gelaunte Bürger eingefunden, die nach einer kurzen Begrüßung eine Menschenkette entlang der Hauptstraße bildeten.


[Björn Ruland (rechts) konnte rund 300 Teilnehmer im Wiehltalstadion begrüßen.]

Vor der Wiehltalhalle gab es einen kurzen Stopp, bei dem das große Dietrich-Bonhoeffer-Banner angeschaut werden konnte. Die Schüler hatten den Schulhof bunt angemalt und die Schulfenster beklebt. Auch die gegenüberliegende BPW Bergische Achsenfabrik hatte ein überdimensionales Banner am Hochregallager installiert. Im Wiehltalstadion selbst bedankte sich Veranstalter Björn Ruland, dass trotz der Parteitag-Absage so viele Menschen erschienen waren. Er lobte, dass sowohl der AfD, als auch den Teilnehmern der anderen Veranstaltung das Versammlungsrecht gewehrt würde. „Wo kämen wir hin, wenn Lokalpolitiker dieses Grundrecht verbieten würden?", fragte Ruland und forderte die Teilnehmer auf, sich weiter aktiv für die Demokratie einzusetzen.


[Insgesamt ließen sich jedoch deutlich weniger Menschen als ursprünglich erwartet blicken.]

An der Kundgebung beteiligten sich viele Bürger, aber auch einige im Wiehler Stadtrat vertretene Parteien schlossen sich an. Vereinzelt waren auch Lehrer und Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in der bunten Menschenmasse, aber insgesamt hätte man sich gerade von dieser Gruppe einen stärkeren Auftritt erwartet. Negative Töne fanden viele Teilnehmer zudem für die Absage des ökumenischen Gottesdienstes und der Lichterkette am Samstagabend durch die Wiehler Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen. In der Tat eine verpasste Chance, sich als Christen für ein weltoffenes und tolerantes Miteinander auszusprechen. Bereits gegen kurz vor 12 Uhr war die Veranstaltung im Wiehltalstadion beendet.   

Als sich die meisten Teilnehmer auf den Weg zur Menschenkette gemacht hatten, blieben auf dem Rathausvorplatz einige Dutzend Leute zurück für die dortige Veranstaltung unter dem Titel „Oberberg steht auf“. Namentlich zitiert werden wollte von den dortigen Organisatoren niemand. Man sei als Bündnis hier, hieß es. Mit der Resonanz sei man zufrieden, da ohnehin nur 50 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet worden waren.


[Kurz vor Ende der Veranstaltung ließen die Teilnehmer Luftballons aufsteigen.]

Für die Polizei war es ein entspannter Vormittag. Michael Tietze, Pressesprecher der Oberbergischen Polizei, konnte von einem friedlichen und störungsfreien Verlauf der Veranstaltungen berichten. Er betonte auf Nachfrage auch noch einmal, dass aus Sicherheitsaspekten nichts gegen eine Durchführung des AfD-Landesparteitages gesprochen habe. „Wir haben uns intensiv vorbereitet“, so Tietze. Ursprünglich waren zusätzliche Kräfte der Bereitschaftspolizei angefordert, auf diese konnte heute nun doch verzichtet werden. Dennoch zeigte die Polizei an beiden Veranstaltungsorten und auch in der restlichen Innenstadt sichtbare Präsenz.