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Viele Schäden durch gewaltige Wassermassen

nh; 6. Aug 2012, 13:50 Uhr
Bilder: Stefan Brüninghaus --- Mit Schrubbern und Besen bekämpften die Anwohner in Gummersbach-Erlenhagen die Wassermassen.
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Viele Schäden durch gewaltige Wassermassen

nh; 6. Aug 2012, 13:50 Uhr
Oberberg - Kurz vor Mitternacht öffnete der Himmel seine Pforten und sorgte vielerorts für Überschwemmungen - Besonders stark war der Gummersbacher Raum betroffen mit 44 Einsätzen für die Feuerwehr (AKTUALISIERT, mit Video).
Von Nils Hühn

Ab 23:30 Uhr gingen zahlreiche Anrufe bei der Feuerwehr und der Polizei ein. Während die oberbergischen Ordnungshüter zu zehn Einsätzen gerufen wurden, bei denen vor allen Dingen Gullideckel aus ihrer Verankerung gedrückt wurden, hatten die Feuerwehrleute mit vollgelaufenen Kellern zu kämpfen. Gummersbachs Wehrführer Detlef Hayer berichtete von 44 dokumentierten Einsätzen. 100 Kameraden waren schwerpunktmäßig in Bernberg, Niederseßmar und der Innenstadt im Einsatz. „Bei solch großen Regenmengen ist das Kanalsystem überfordert und das Wasser sucht sich seinen Weg.“

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[Video: Andre Miebach.]

Bereits beim Unwetter am 27. Juli (OA berichtete) waren auf dem Bernberg die Häuser an der Steinerwiese betroffen. Wie Hayer mitteilte, mussten vor allem Keller ausgepumpt und Geröll beseitigt werden. „Sturmschäden hatten wir diesmal keine“, war er froh, aber dennoch waren die Feuerwehrleute bis 5 Uhr morgens im Einsatz und bereits um 7 Uhr ging es weiter. „Bis in die Abendstunden werden wir noch mit den Nachwehen beschäftigt sein“, glaubt der Wehrführer. Die betroffenen Anwohner in Bernberg ärgern sich, dass sie immer wieder Opfer der Wassermassen werden und fordern Maßnahmen von Seiten der Stadt, wie Christel Feldhaus im Video sagt.


Peter Thome, Leiter der Stadtwerke Gummersbach, kennt das Problem auf dem Bernberg. „Schon seit Jahren wollen wir hier ein Regenrückhaltebecken bauen“, erklärte Thome auf Nachfrage. Doch sei eine solche Maßnahme ein großer behördlicher Aufwand und der Stadt fehlt immer noch die wasserechtlichte Erlaubnis für das Bauwerk von der Bezirksregierung. Die Mittel sind jedoch schon fest im Haushalt eingeplant und Thome hofft, dass noch Ende des Jahres mit dem Bau an den Steiner Wiesen begonnen werden kann.

In Bergneustadt-Belmicke war ein Gartenteich übergelaufen und hatte dafür gesorgt, dass ein Keller 1,60 Meter hoch unter Wasserstand. Die Neustädter Floriansjünger waren alleine hier fünf Stunden im Einsatz, wie die Kreisleitstelle mitteilte. Auch in Wiehl , Reichshof und Nümbrecht mussten die Feuerwehrleute in dieser Nacht mehrmals ausrücken, um Wasserschäden zu beseitigen. Der Spülwagen des Aggerverbands ist im Dauereinsatz und auch die jeweiligen Bauhöfe sind derzeit damit beschäftigt, die Schäden der vergangen Unwetter zu beseitigen. „Alle geben ihr Bestes“, versichert Detlef Hayer, der Bewohnern an Bächen, Bergen und in Senken rät, während des Starkregens besonders achtzugeben. „Aber bei solch gewaltigen Regenmengen ist man einfach machtlos.“ In Rebbelroth lief zum zweitenmal ein Werkstattneubau voll und der Autohausbesitzer wünscht sich, dass der Aggerverband an dem Bachlauf, der regelmäßig über die Ufer tritt, tätig wird.  


[Grafik: Aggerverband --- Während des Unwetters stieg der Pegel der Agger stark an.]

Der Vorstandsvorsitzende des Aggerverbands, Prof. Dr. Lothar Scheuer, bedauert, dass in den vergangenen Wochen zahlreiche „Jahrhunderthochwasser“ im Oberbergischen Kreis verzeichnet wurden, bei denen Häuser durch Wassermassen beschädigt wurden. „Besonders an kleinen Bächen mit Verrohrungen kommt es bei solch heftigen Niederschlägen zu Problemen“, erklärt der Aggerverbandchef. Seit dem 29. Juni wurden mehrere extreme Niederschläge verzeichnet, bei denen es lokal zu starken Überflutungen kam. In einem Kataster sind rund 8.000 Engstellen im Verbandsgebiet verzeichnet, bei denen es zu Problemen kommen kann. „Wir überprüfen, ob man dort eventuell die Verrohrung verbreitern kann“, erklärt Scheuer. Indes hofft er aber, dass sich die Wetterlage beruhigt. An den größeren Gewässern wie Agger oder Wiehl gibt es jedoch keine Hochwassermeldungen. „Meist sind Seitengewässer betroffen“, so Scheuer. Neben dem Spülwagen befinden sich auch die Mitarbeiter der Gewässerunterhaltung im Dauereinsatz.