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'Neue Energie für Lindlar'

kg; 6. Jun 2010, 22:25 Uhr
Bilder: Katharina Glowicki --- Die heutige Expertenrunde beim Forum 'Neue Energie für Lindlar'(v.l.n.r): Thomas Willmer, Detmar Schaumburg, Sebastian Dietz, Rüdiger Dzuban, Adrian Wieland und Michael Bongards.
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'Neue Energie für Lindlar'

kg; 6. Jun 2010, 22:25 Uhr
Lindlar – Experten diskutierten heute mit zahlreichen Gästen in der Lang-Akademie über die Zukunft der erneuerbaren Energien in Lindlar - Das Forum informierte auch über regionale Initiativen, aktuelle Technik- und Fördermöglichkeiten.
Von Katharina Glowicki

„Ist eine 100-Prozent-Versorgung aus erneuerbaren Energien für Lindlar möglich?“ Auf diese Frage sollte heute eine Expertenrunde Antworten liefern. „16 bis 17 Prozent der Stromversorgung kommt in unserer Kommune schon aus erneuerbaren Energien. Dabei steht der Biogas- und Solarenergie-Anteil an erster Stelle“, sagt Manfred Stern vom „Runden Tisch für Frieden und Gerechtigkeit Lindlar“. Gemeinsam mit seinen Partnern, der Energiegenossenschaft Lindlar (EGL) und dem Zentrum für biogene Energie Oberberg (ZebiO), hatte der Runde Tisch erstmals zum Forum „Neue Energie für Lindlar“ in die Lang-Akademie geladen.

Die Experten - Thomas Willmer, EGL Lindlar; Diplom Ingenieur Detmar Schaumburg, Vorstand Förderverein ZebiO; Sebastian Dietz, Land- und Energiewirt; Rüdiger Dzuban, ONI Wärmetrafo und Diplom Ingenieur Adrian Wieland, Energieberater - diskutierten mit dem Publikum über Möglichkeiten, wie und mit welchen Mitteln die 100-Prozent Versorgung erreicht werden könnte. Diplom Ingenieur Stefan Brombach vom Beratungswerk „Dreizeit“ moderierte die Veranstaltung.

[Professor Dr. Michael Bongards referiert über "Ethik und erneuerbare Energien.] 

In einem kurzweiligen Vortrag wies Professor Dr. Michael Bongards von der Fachhochschule Köln auf die umweltethischen Normen hin, die das Handeln von Ingenieuren heutzutage leiten sollten. „Die wissenschaftliche Aufklärung hat die Furcht und Demut vor der Natur weitestgehend zerstört. Aber die modernen Klimakatastrophen bringen uns den Respekt vor der Natur wieder bei“, erklärte er. Thomas Willmer rief dazu auf, sich bei der Energiegenossenschaft Lindlar zu beteiligen. „Es gibt viele - die reden, aber nur wenige - die handeln“, meint er. Der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) habe der EGL die Dächer von allen neuen Gebäuden auf der Leppe-Deponie zur Errichtung von Fotovoltaikanlagen angeboten. „Um dieses Projekt stemmen zu können, brauchen wir aber noch mehr Mitglieder. Jede Person, jeder Verein und jedes Unternehmen aus dem Bergischen können mit 500 € einen Anteil erwerben“, fügte Willmer hinzu.

Energiewirt Sebastian Dietz sieht Biogasanlagen als gute Möglichkeit für oberbergische Landwirte, wieder wirtschaftlich zu agieren. Während der Diskussion entstand spontan die Idee, dass sich Landwirte zusammenschließen könnten, um eine Biogasanlage neben dem Lindlarer Schwimmbad zu bauen und es so mit Strom zu versorgen. „Biogasanlagen können das neue wirtschaftliche Standbein für die Milch-Landwirte im Oberbergischen werden. Die Investition liegt jedoch jenseits der Million, deswegen ist das nur als Gemeinschaftsprojekt möglich“, so Dietz. In einem Punkt waren sich alle Gesprächspartner einig. Früher oder später werde es keine andere Möglichkeit mehr geben, als die 100-Prozent-Versorgung aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Wie schnell das geschehen wird, bleibt jedoch offen.