HANDBALL

Sieben-Tore-Show von Einarsson beim Köster-Comeback

pn; 23.05.2026, 22:15 Uhr
Archivfoto: Michael Kleinjung ---- Julian Köster gab nicht einmal sechs Wochen nach seiner Knieoperation sein Comeback für den VfL Gummersbach.
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Sieben-Tore-Show von Einarsson beim Köster-Comeback

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pn; 23.05.2026, 22:15 Uhr
Gummersbach - Coole Gummersbacher lassen Minden keine Chance - VfL-Kapitän Köster gibt überraschendes Comeback – 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.

Von Peter Notbohm

 

VfL Gummersbach – GWD Minden 32:22 (19:12).

 

Der VfL Gummersbach hat seine Hausaufgaben im Kampf um die europäischen Plätze in der Handball-Bundesliga (HBL) erledigt. Durch den nie gefährdete 32:22-Heimsieg gegen den abstiegsgefährdeten GWD Minden beseitigten die Oberberger auch die letzten Zweifel, die Saison nicht mindestens als Vierter abzuschließen. Zudem dürfen die VfL-Handballer weiter auf einen Platz unter den Top3 hoffen. Der Rückstand auf Berlin und Flensburg (beide ein Spiel weniger) wurde vorerst auf einen Punkt verkürzt.

 

Schon vor dem Anpfiff freuten sich viele VfL-Fans. Julian Köster stand erstmals nach seiner Knieoperation vor fünfeinhalb Wochen wieder im Kader. Nicht wenige hatten damit gerechnet, dass der Nationalspieler vor seinem Wechsel nach Kiel im Sommer kein Spiel mehr für Gummersbach machen würde. An seinem Comeback hatte der 26-Jährige in den vergangenen Wochen in der Reha hart gearbeitet. Mit der Mannschaft hatte er erst zwei Einheiten absolviert. Laut VfL-Chefcoach Gudjon Valur Sigurdsson war die Entscheidung erst am Samstag gefallen: „Ich hatte nicht mit ihm geplant.“ Der VfL-Kapitän freute sich, der Mannschaft helfen zu können: „Es macht unglaublich viel Spaß. Ich bin sehr happy, dass das so schnell geklappt hat.“

 

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Die 60 Minuten begannen ein wenig schleppend. Nachdem unmittelbar vor dem Anpfiff der langjährige Betreuer Mario Falkenberg für 30 Jahre Arbeit im Funktionsteam des Altmeister geehrt worden war, taten sich beide Teams zunächst schwer mit dem Torewerfen. Kay Smits brachte die Gastgeber in Führung, Jakub Sterba glich nach dreieinhalb Minuten zum 1:1 aus. Gummersbach hatte die etwas bessere Spielanlage, die Gäste blieben auch dank einer frühen Zeitstrafe gegen Stepan Zeman aber bis zum 5:4 (10.) in Schlagdistanz.

 

Wieder vollzählig und nach einem verworfenen GWD-Siebenmeter ließen Smits und Milos Vujovic den VfL erstmals ein wenig zum 7:4 (12.) enteilen, worauf Mindens Coach Aaron Ziercke mit der ersten Auszeit reagierte. Aber auch in der Folge zwangen die Oberberger Minden immer wieder ins passive Spiel. Dass die Ostwestfalen trotzdem zum 8:8-Ausgleich (16.) kamen, lag an einem technischen Fehler und schwachen Würfen.

 

Dann wurde es laut in der zum 46. Mal in Folge ausverkauften SCHWALBE arena. Kapitän Julian Köster gab sein Comeback und ließ nur 30 Sekunden später gleich seinen Comeback-Treffer folgen, der von den VfL-Fans frenetisch gefeiert wurde. Kurze Zeit später kam der Nationalspieler auch defensiv wieder zum Einsatz und sorgte mit dafür, dass Minden fast sieben Minuten ohne Tor blieb und Gummersbach auf 13:8 (23.) enteilte. Die Gastgeber bekamen vor allem das gegnerische Kreisläuferspiel zunehmend besser unter Kontrolle.

 

Stärkster VfL-Spieler bis zur Pause war aber der Niederländer Kay Smits, der mit seinem fünften Treffer zum 14:10 (24.) traf. Auch Kentin Mahé, der am Freitag 35 Jahre alt geworden war, machte sich mit seinem Tor zum 15:10 selbst ein nachträgliches kleines Geburtstagsgeschenk. „Ich wollte zeigen, dass man auch mit 35 noch laufen kann“, witzelte der Franzose nach dem Match. Gummersbach beherrschte nun das Geschehen, auch weil Minden sich mit zwei Zeitstrafen schwächte und in Unterzahl phasenweise hilflos wirkte. Ein Kracher von Miro Schluroff sorgte schließlich mit der Sirene für den klaren und verdienten 19:12-Pausenstand.

 

Der zweite Durchgang begann schleppend. Minden wechselte zwischen den Pfosten und brachte Tibor Ivanisevic, der von 2021 bis 2024 das VfL-Trikot trug. Der Serbe zeigte sofort, dass er sich im Gummersbacher Handballtempel immer noch pudelwohl fühlt und entschärfte drei Bälle. Miro Schluroff traf erst nach über vier Minuten zum nächsten VfL-Treffer beim 20:13 (35.). Aber auch VfL-Keeper Bertram Obling (16 Paraden) war weiter hellwach, sodass die Gäste trotz einiger VfL-Fehlwürfe nie entscheidend verkürzen konnten. Unter anderem parierte der Dänen seinen zweiten Siebenmeter.

 

Nach elf Minuten hatte Sigurdsson beim 21:14 genug sehen und bat zur Auszeit. Die Oberberger waren zu diesem Zeitpunkt seit fünf Minuten ohne eigenes Tor. Zurecht kritisierte der Isländer, dass zumindest offensiv die letzten Prozent nach der Pause fehlten. Es wirkte wie eine Kopie der letzten beiden Spiele gegen Göppingen und in Erlangen, wo der VfL ebenfalls nur 30 Minuten offensiv überzeugen konnte.

 

Der Isländer brachte nun Köster wieder aufs Feld. Minden probierte anschließend viel, fand aber gegen die gute Gummersbacher Deckung weiter kaum Lösungen, sodass die Gäste nie zu einer Aufholjagd blasen konnten. Den Ostwestfalen merkte man dabei das Fehlen von Alexander Weck (Operation am Fuß) und Niclas Heitkamp (Virusinfektion) an. Zudem musste auch Philipp Vorlicek (vermutlich Virusinfektion) nach der Pause in der Kabine bleiben. Ziercke konnte bei tropischen Bedingungen in der SCHWALBE arena kaum noch wechseln.

 

Über 26:18 (51.) und 30:20 (56.) ließen die Oberberger nichts mehr anbrennen, auch weil Teitur Einarsson nun nach Belieben traf. Der Isländer erzielte die letzten sieben VfL-Tore in der Partie. In der Schlussphase durfte dann auch U20-Spieler Patrick Kieselwalter aufs Feld, der wie schon in Erlangen Ellidi Vidarsson (Gerhirnerschütterung) im Kader ersetzte. „Gummersbach hat das sehr gut gemacht und souverän heruntergespielt. Wir hatten kleine Phasen, wo wir hätten verkürzen können. Dann haben wir aber kleine Fehler gemacht und Gummersbach ist dann einfach zu gut“, sprach Ziercke von einem verdienten Sieg der Oberberger.

 

„Ich bin sehr zufrieden, wie wir gespielt haben. Uns war klar, dass wenn Minden eine Chance riecht, das Kräfte freisetzen kann. Ausschlaggebend war heute unsere Abwehr- und Torwartleistung. Wir haben wirklich überragend gedeckt. Nach der Pause fangen wir nicht so gut an, sind aber cool geblieben und konnten auch wechseln“, meinte Sigurdsson. Ein Sonderlob gab es von ihm für seinen Landsmann Einarsson: „Das war eine eigene Show, die er da abgezogen hat.“

 

Für Minden hat sich die Situation im Tabellenkeller durch den Sieg der HSG Wetzlar gegen Erlangen verschärft. Die Gäste haben as Vorletzter nun zwei Punkte Rückstand auf die Hessen und das deutlich schlechtere Torverhältnis. Die Liga pausiert erneut durch das Final Four in der European League am kommenden Wochenende. Gummersbach spielt erst am 3. Juni beim neuen Deutschen Meister SC Magdeburg.

 

Gummersbach: Teitur Einarsson, Kay Smits (je 7), Miro Schluroff (5), Kristjan Horzen (4), Milos Vujovic (4/3), Julian Köster (2), Ludvig Hallbäck (2), Kentin Mahé (1).

 

Minden: Malte Donker, Daniel Astrup Pedersen, Jakub Sterba (je 4), Morten Hempel Jensen (3), Philipp Vorlicek (2), Mats Korte, Florian Kranzmann, Karolis Antanavicius, Mika Laurin Sajenev, Tom Bergner (je 1).

 

Zeitstrafen

4:4 Minuten (2x Zeman – Weber, Sterba).

 

Siebenmeter

3/3 – 0/2 (Korte und Hempel scheitern an Obling).

 

Schiedsrichter

Lucas Hellbusch/Darnel Jansen.

 

Zuschauer

4.132 (ausverkauft).

 

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