HANDBALL

Handball: Glaube an Saison-Fortsetzung schwindet

pn; 20.03.2020, 16:30 Uhr
Foto: Judith Essem.
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Handball: Glaube an Saison-Fortsetzung schwindet

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pn; 20.03.2020, 16:30 Uhr
Oberberg – Bis Ostern ist der Spielbetrieb in allen Handball-Amateurklassen eingestellt - OA sprach mit Vereinsvertretern und Funktionären über die aktuelle Situation und ihre Meinung zum weiteren Vorgehen.

Von Peter Notbohm

 

Seit dem 12. März ruht der Ball in Deutschlands Handballligen aufgrund des Coronavirus. Bereits einen Tag zuvor hatte der Handballverband Mittelrhein erklärt, den Spielbetrieb bis zu den Osterferien auszusetzen. Hatte man vor einer Woche durchaus noch die Hoffnung gehegt, anschließend in allen Ligen die Saison noch zu einem – wenn auch verspäteten – sportlichen Ende bringen zu können, herrschen bei den oberbergischen Handballern mittlerweile erhebliche Zweifel, ob an der Fortsetzung nach Ostern festgehalten werden kann.

 

Einzelne Verbände und Kreise sind in den letzten Tagen bereits vorgeprescht und haben die Saison für beendet erklärt. Den Anfang macht der hessische Handballverband bereits vergangene Woche, Anfang dieser Woche zog der Kölner Handballkreis nach. Am gestrigen Donnerstag vermeldete mit der Handball Bundesliga Frauen auch die erste Profiliga das vorzeitige Saisonende. Beim Handballverband Mittelrein (HVM) beobachtet man die dynamische Entwicklung der Corona-Krise zwar ebenfalls mit großer Sorge, will sich mit einer Entscheidung aber noch Zeit lassen. „Natürlich spielen wir im Präsidium schon verschiedene Szenarien durch, aber wir wollen noch abwarten, wie sich die Situation entwickelt“, ist HVM-Spielwart Karl-Walter Marx zwar skeptisch, hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben.

 

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Sollte man die Saison doch abbrechen müssen, wolle man „für eine vernünftige und faire Lösung für alle Vereine“ sorgen. Wie diese aussehen könnte? Darüber gibt es verschiedene Meinungen unter den oberbergischen Handballern. Von einer Annullierung, über das aktuelle Tabellenbild bis hin zum ausgesetzten Ausstieg wie in der Bundesliga Frauen: An Ideen mangelt es in der Handballszene nicht. Michiel Lochtenbergh (Foto), Trainer des Oberligatabellenführer HC Gelpe/Strombach, hofft zunächst einmal, dass die ergriffenen politischen Maßnahmen die erhoffte Wirkung zeigen. Sollte die Saison kein reguläres Ende finden, plädiert er dafür, in allen Ligen das aktuelle Tabellenbild einzufrieren, um den Aufstieg zu regeln, den Abstieg gleichzeitig auszusetzen und kommende Saison mit vergrößerten Ligen an den Start zu gehen: „Gerade im Hinblick auf die Zusammenlegung der Verbände Mittelrhein und Niederrhein wäre das die sinnvollste Lösung.“ Seinen Spielern hat er Hausaufgaben gegeben, damit diese nicht völlig ihre Fitness verlieren: „Aber natürlich wird nicht mehr in Gruppen trainiert.“

 

Auch HC-Abteilungsleiter Hartmut Markeli, seit vielen Jahren mit dem Handball verbandelt, rät zu einem ausgesetzten Abstieg. Ob die Liga noch einmal aufgenommen werden kann, bzw. wann die Spieler des Vereins überhaupt wieder in die Halle dürfen, darüber will er sich kein Urteil erlauben: „Seriöse Entscheidungen sind derzeit nicht möglich. Wir sollten uns davon lösen, in Fristen zu denken.“ Derschlags Trainer Ralph Weinheimer (Foto) kann sich nicht vorstellen, dass nach Ostern noch einmal Handball gespielt wird, „auch wenn ich mir natürlich einen schöneren Ausstand als eine Derbypleite mit zwölf Toren gewünscht hätte.“ Auch er hat sich schon mit den verschiedenen Optionen, wie man die Saison werten könnte, gedanklich beschäftigt und könnte sich mit der beim Ortsnachbarn vorgeschlagenen Lösung gut anfreunden. Angesichts der Corona-Krise stellt er allerdings die Frage, ob im August überhaupt schon wieder über Handball gesprochen werden kann.

 

Beim SSV Nümbrecht ist man diese Woche unkonventionelle Wege gegangen: Trainer Dirk Heppe installierte eine Videokonferenz mit seiner Mannschaft und war vor allem froh, dass alle Spieler sich gesund meldeten. Mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs rechnet auch er nicht: „Ich glaube nicht, dass im Mai noch jemand über Sport reden wird.“ Für ihn wäre eine Annullierung der Saison die fairste Lösung, „aber ich bin auch froh, dass ich diese schwierige Entscheidung nicht treffen muss. Denn Recht machen kann man es wahrscheinlich keinem.“

 

Aber auch in Oberwiehl würden sich Männer- und Frauenmannschaft vermutlich ein anderes Ende der Saison mit einer großen Aufstiegsfeier wünschen. Weder Nils Hühn noch Ole Remmers (Foto) rechnen mit einer Fortsetzung nach Ostern, in ihren Ideen der Wertung der Saison weichen sie aber voneinander ab. Während Hühn eine Wertung nach der Hinrunde als vermutlich fairste Lösung bezeichnet, plädiert Remmers für den ausgesetzten Abstieg und das aktuelle Tabellenbild: „Das wäre die weichste Lösung für alle, zumal sich der Verband dies im Hinblick auf den anstehenden Zusammenschluss mit dem Niederrhein auch leisten könnte.“ Hühn appelliert gleichzeitig noch einmal an die Vernunft seiner Mitmenschen: „Die Entwicklung ändert sich fast stündlich und es ist wichtig, dass jeder versteht, wie wichtig es ist, sich derzeit nicht zu treffen.“

 

Auch beim TV Bergneustadt beschäftigt man sich mit der Frage, wie es nach einem Saisonabbruch weitergehen könnte, schließlich bangt der Tabellenletzte der Landesliga um den Ligaverbleib und wollte in den letzten Wochen noch einmal angreifen. „Aber derzeit gibt es Dinge, die wesentlich wichtiger sind als Sport“, meint Trainer Tobias Uding (Foto), hat sich aber trotzdem bereits seine Gedanken gemacht: „Eine Annullierung ist keine Option. Eine Wertung nach aktuellen Tabellenbild darf im Abstiegskampf aber auch keine Lösung sein.“ Entsprechend wäre auch er für vergrößerte Ligen ab Herbst. Explizit gegen eine Fortsetzung der Saison ist Maik Thiele, Trainer des VfL Gummersbach II. Den Peak in der Corona-Krise sieht er bis Mitte April längst nicht erreicht „und je länger die Pause wird, desto mehr wird es anschließend zur Wettbewerbsverzerrung.“ Auch er sähe eine Aufstockung der 3. Liga als praktikabelste Lösung, ist aber auch gespannt, wie viele Drittligisten die einhergehende Wirtschaftskrise finanziell überstehen werden, „schließlich handelt es sich hier nicht um Profi-Bereich.“

 

Die Hoffnung noch nicht verloren hat Oberbergs Handballchef Udo Kolpe. Wie der HVM werde man die weitere Entwicklung der Krise abwarten. Sollte allerdings absehbar werden, dass auch im Mai nicht gespielt werden kann, wird über die Kreismeisterschaft wohl am grünen Tisch entschieden werden müssen. Auf den Handballkreis kämen aber noch weitere Probleme zu: Schließlich stehen auch noch die Qualifikationsrunden der Jugend, das große Kreispokalfinale sowie die Beachhandball-Sommerrunden im Terminkalender.

 

Aber egal, wie die Verbandsoberen letztlich entscheiden, eins eint alle Handballer: Sie hoffen, dass die Corona-Krise bestmöglich ausgestanden wird.

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