BLAULICHT

Corona: Diese Vorsichtsmaßnahmen treffen Feuerwehren

pn; 26.03.2020, 09:00 Uhr
Foto: Michael Kleinjung ---- Die Tore der Löschgruppe Mittelagger mussten längere Zeit geschlossen bleiben.
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Corona: Diese Vorsichtsmaßnahmen treffen Feuerwehren

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pn; 26.03.2020, 09:00 Uhr
Oberberg - Bei den oberbergischen Feuerwehren gelten verschärfte Regeln, um die Retter vor einer Infizierung mit dem Coronavirus zu schützen - Eine Löschgruppe war bereits betroffen.

Von Peter Notbohm

 

Als Ende Februar noch über die Absage vieler Großveranstaltungen - nicht nur im Oberbergischen - munter diskutiert wurde und auch die meisten Sportverbände ihren Spielbetrieb noch weitestgehend unbeirrt fortsetzten, schrillten bei den oberbergischen Feuerwehren bereits damals die ersten Corona-Alarmglocken. In Absprache mit allen Wehrleitern und den Bürgermeistern der oberbergischen Kommunen wurden sämtliche Jahresdienstbesprechungen abgesagt. Die Einsatzbereitschaft der einzelnen Wachen sollte unter allen Umständen gewahrt bleiben. „Im Nachhinein können wir natürlich relativ einfach davon sprechen, dass es sich dabei um die richtige Entscheidung gehandelt hat“, ist Kreisbrandmeister Wilfried Fischer dennoch froh, dass sich die Feuerwehrbehörden frühzeitig sensibilisiert mit dem Thema auseinandergesetzt haben, „denn heute können wir zum Glück sagen, dass wir in unseren Maßnahmen bestätigt worden sind.“

 

[Archivfoto: Kreisbrandmeister Wilfried Fischer ist für über 2.600 Feuerwehrkameraden zuständig.]

 

Die Kreisausbildung ist seit Anfang März bis mindestens Ende April ausgesetzt und der Dienstbetrieb auf allen Wachen wurde auf das Notwendigste heruntergefahren. Relevante Arbeiten wie die Überprüfung aller Gerätschaften sowie Fahrzeuge leiden unter den Sicherheitsmaßnahmen aber nicht. Wo sich früher allerdings viele Feuerwehrkameraden unter der Woche trafen, um diese Arbeiten in geselliger Runde zu vollziehen, sind es nun kleine Trupps von meist maximal zwei Menschen, die zudem den notwendigen Abstand zueinander wahren.

 

Denn was passiert, wenn eine Feuerwehrwache in Quarantäne gerät, musste man in Reichshof zu Beginn der Corona-Krise Anfang März feststellen. In der ohnehin stark betroffenen Kommune, infizierten sich auch drei Kameraden der Löschgruppe Mittelagger, einer von ihnen war vor der endgültigen Bestätigung des Befundes noch bei einem Einsatz dabei. Wehrleiter Christoph Dick blieb nichts anderes übrig, als die 33-köpfige Einheit außer Dienst und unter Quarantäne zu stellen. „Das waren schon heftige Auswirkungen“, blickt er zurück. Das Gerätehaus, Fahrzeuge und Arbeitskleidung mussten dekontaminiert werden, die Einsatzbereitschaft wurde durch die benachbarten Kommunen aus Derschlag und Bergneustadt kompensiert.

 

Inzwischen sind aber nicht nur die drei infizierten Kameraden wieder genesen, auch bei allen anderen Mitgliedern der Löschgruppe ist die Quarantäne aufgehoben. Seit dem 14. März arbeitet die Löschgruppe wieder, am gestrigen Dienstag erhielt auch der letzte Feuerwehrkamerad einen negativen Befund auf COVID-19. „Das hat uns eiskalt erwischt und wir konnten uns nicht darauf vorbereiten“, erzählt Dick. Die drei Infizierten hätten glücklicherweise nur leichte Symptome einer Grippe gehabt „und wahrscheinlich wären sie vor Corona damit niemals zum Arzt gegangen.“

 

Wie viel Personal zur Verfügung steht, das fragt Wilfried Fischer bei den wöchentlichen Telefonkonferenzen regelmäßig ab. Von den rund 2.600 Feuerwehrleuten im Kreis ist derzeit nur ein einziger positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Dieser hatte sich den Virus allerdings im Urlaub eingefangen und sich nach seiner Rückkehr vorbildlich nach den Richtlinien des Oberbergischen Kreises verhalten und sofort in Quarantäne begeben. In dieser befinden sich aus Sicherheitsgründen zudem 50 weitere Kameraden. „Dabei handelt es sich vor allem um viele Urlaubsrückkehrer, die sich freiwillig in diese begeben haben“, so Fischer.

 

[Archivfoto: Auf geplante Veranstaltung wie die Wettkämpfe bei den Leistungsstützpunkten wird dieses Jahr verzichtet.]

 

Ein weiteres Thema der Telefonkonferenzen ist zudem das Verhalten der Wehrleute bei Einsätzen. So weit es möglich ist, werde der Mindestabstand auch dort eingehalten – die Führungskräfte achten akribisch darauf. Unter Atemschutz können sich die Einsatzkräfte allerdings überhaupt nicht anstecken, da es sich um geschlossene Systeme handelt. „Trotzdem haben wir alle sensibilisiert, bei einem kleinen Schnupfen oder einem leichten Kratzen im Hals zu Hause zu bleiben“, berichtet Fischer.


Erfahrungswerte tauscht der Kreisbrandmeister auch mit seinem Dienstkollegen aus dem Kreis Heinsberg aus. Dort sei man in der Verbreitung des Virus in etwa zwei Wochen voraus, meint Fischer. Während im Oberbergischen Kreis bislang 141 Fälle bekannt sind, gibt es südlich von Mönchengladbach über 1.000 bestätigte COVID-19-Erkrankungen. Die dortige Feuerwehr ist mit etwa 2.500 Kameraden ähnlich groß, hat aber ebenfalls nur mit knapp 50 Ausfällen zu kämpfen. „Das zeigt mir, dass wenn wir uns an alle Vorsichtsmaßnahmen halten, wir nicht so ausgedünnt werden, als dass wir nicht mehr einsatzbereit wären.“ Und sollte doch noch einmal ein ähnlicher Fall wie in Reichshof auftreten, könne man auf Notfallpläne wie dem überörtlichen Hilfe-Prinzip und zu guter Letzt der Installierung von ständig besetzten kleinen Wachen zurückgreifen.

 

Damit es so weit aber gar nicht erst kommt, verzichtet die oberbergische Feuerwehr vorerst auch auf weitere Veranstaltungen: Das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager, das Ende Mai in Wiehl-Drabenderhöhe geplant war und für das die dortige Freiwillige Feuerwehr bereits viele Vorarbeiten geleistet hatte, findet genauso wenig statt, wie die Wettkämpfe bei den Leistungsstützpunkten Anfang Juni. „Ich bin wirklich stolz, wie sensibel wir als oberbergische Feuerwehr in allen 13 Kommunen mit dem Thema umgehen, um jederzeit die Sicherheit unserer Mitbürger zu gewährleisten“, so Fischer.

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