BLAULICHT

Blaues Auge trotz U-Haft-Ausraster

lw; 28.11.2020, 09:00 Uhr
BLAULICHT

Blaues Auge trotz U-Haft-Ausraster

lw; 28.11.2020, 09:00 Uhr
Gummersbach – 26-Jähriger wegen räuberischen Diebstahls und versuchter Körperverletzung verurteilt – Drogenentzug sorgte für unappetitliche Szenen in JVA.

Von Lars Weber

 

Unaufgeregt hat Amar A. (Anm.d.Red.: Name geändert) heute das Verfahren vor dem Schöffengericht am Gummersbacher Amtsgericht unter dem Vorsitz von Richter Ulrich Neef verfolgt. Ihm wurde räuberischer Diebstahl und versuchte Körperverletzung vorgeworfen. Dabei zeigte sich der Angeklagte größtenteils einsichtig, auch wenn er einem entscheidenden Punkt widersprach. Letztlich gab ihm das Gericht eine Chance: Amar A. bekam zwar eine Freiheitsstrafe über sieben Monate. Sie wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. Ein Knackpunkt, der entscheidend sein wird für seine Zukunft: Der Drogenkonsum, der in U-Haft sogar einen Psychologen auf den Plan rief.

 

Festgenommen wurde Amar A. am 22. Juli dieses Jahres in Gummersbach. Der 26-jährige Algerier, der in einer Unterkunft in Schleiden in der Eifel lebt, hatte sich in einer Filiale einer Drogeriemarkt-Kette vier Flaschen Parfüm im Wert von rund 200 € vorne in den Hosenbund gesteckt. Vor dem Laden erwartete ihn bereits der Ladendetektiv. Der Fluchtversuch des Angeklagten endete schnell im Schwitzkasten des Sicherheitsmannes. Dabei habe Amar A. versucht, so sagte auch der 35-jährige Ladendetektiv vor Gericht aus, ihn am Oberarm und an der Brust zu beißen. Zumindest habe er durch den Pullover "klare Beißbewegungen" gespürt. „Ich habe dann noch etwas fester zugedrückt.“  Im Schwitzkasten habe er Amar A. ins Büro führen können, bis die Polizei ihn abholte.    

 

Der 26-Jährige gab den Diebstahl unumwunden zu, versucht zu beißen habe er aber nicht, wie er über einen Dolmetscher ausrichten ließ. Er wolle so etwas nicht wieder tun. Er hoffe auf eine Chance, seinem Beruf als Frisör in Deutschland nachgehen zu können. Auf Nachfrage räumte er Drogenkonsum ein, allerdings habe er über den Verkauf des Parfüms etwas zu Essen besorgen wollen, da er sonst kaum Mittel zum Leben habe.

 

Wie groß die Abhängigkeit von Drogen war, zeigte sich zu Beginn der Untersuchungshaft. Dabei habe Amar A. in einem gesicherten Haftraum seinen Kopf gegen die Wand geschlagen, sich mit Kot und Urin beschmiert und den Versuch unternommen, sich mit seiner Kleidung zu strangulieren. Der beauftragte Psychiater kam zu dem Schluss, dass diese Handlungen dem Entzug von Alkohol, Cannabis und Kokain zuzuschreiben seien, wie Neef verlas. „Bei solchen Erscheinungen kann der Konsum nicht unerheblich gewesen sein“, so der Richter.

 

Ein unbeschriebenes Blatt ist der Angeklagte nicht. Anhängig sind unter anderem mehr als 30 Diebstahl-Delikte, Vergehen mit einfacher und schwerer Körperverletzung oder auch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zwei Strafbefehle, ebenfalls wegen Diebstahls, seien auch bereits rechtskräftig. Für den Fall in Gummersbach beantragte die Staatsanwaltschaft sieben Monate Haftstrafe auf Bewährung. Vor allem, weil Amar A. den Diebstahl zugegeben hat und der räuberische Diebstahl ein minderschwerer Fall war und nicht vollendet wurde. Dem Antrag folgte das Schöffengericht. Neef erinnerte Amar A. aber seine Äußerung, Lehren aus dem Vorfall gezogen zu haben. „Ich hoffe, Sie halten Wort.“


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