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Mit neuer Lunge zum Marathonläufer

gre; 2. Aug 2018, 12:50 Uhr
Bild: Michelle Grebe.
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Mit neuer Lunge zum Marathonläufer

gre; 2. Aug 2018, 12:50 Uhr
Wiehl - Reiner Heske leidet an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose, benötigte 24 Stunden am Tag einen Sauerstoffschlauch, läuft heute Marathon und organisiert sogar einen eigenen Spendenlauf.
Von Michelle Grebe

Mit vier Jahren bekam Reiner Heske die schlimme Diagnose: Mukoviszidose, eine Stoffwechselerkrankung, die vor allem zu Sauerstoffmangel und Atemnot führt. Bei kleinster Anstrengung bekam Reiner Heske einen Hustenanfall, konnte ohne Sauerstoffflasche nicht einmal mehr unter die Dusche gehen. Seinen Eltern wurde damals bei der Diagnose erklärt, er würde das Erwachsenenalter nicht erreichen können. Mit vielen Stunden Therapie am Tag gelang es ihm, seine Krankheit zwar mit Inhalation und Medikamenten zu behandeln, dennoch war es sein größter Wunsch erleben zu können, wie es sich anfühlt, ohne Hilfsmittel atmen zu können.


Um die Lunge gewissermaßen zu durchlüften, fing er mit Nordic Walking an. Dreimal die Woche lief er mit den Walking Sticks durch die Gegend und konnte damit über zwölf Jahre lang seiner Lunge etwas Gutes tun. 2012 ging es ihm jedoch deutlich schlechter: Er hatte eine Zyste an der Bauchspeicheldrüse, die entfernt werden musste, gefolgt von weiteren Operationen bedingt durch Komplikationen. Die Folge war ein sechswöchiger Aufenthalt auf der Intensivstation, drastischer Gewichtsverlust und zwei schwere Lungenentzündungen. Danach war Heske auf ein Sauerstoffgerät angewiesen, „wenn ich den Sauerstoffschlauch auch nur kurz entfernt habe, sind meine Finger und Lippen sofort blau geworden“, erinnert sich Heske an die Zeit. Zu diesem Zeitpunkt wurde dann das Thema Lungentransplantation für ihn bedeutend. Vier Wochen, nachdem Heske auf der Transplantationsliste aufgeführt wurde, erhielt er einen Anruf, der alles veränderte: es gab eine passende Spenderlunge für den damals 43-Jährigen. 

Nach der Transplantation 2013 verbrachte Heske einige Zeit im Krankenhaus und in der Reha. Danach wurde sein Wunsch Wirklichkeit, er konnte selbständig atmen. Die Organspende ist dennoch keine Heilung, sondern stellt nur den Teil einer Therapie dar, durch die sich der Umfang seiner medizinischen Versorgung deutlich verkleinert hat. Er benötigt keine Sauerstoffflasche mehr und kein stundenlanges Inhalieren, wie es früher auf der Tagesordnung stand, Immunsuppressiva und andere Medikamente muss er einnehmen, damit sein Körper die Lunge nicht abstößt, doch die Therapiemaßnahmen sind deutlicher weniger als vor der Transplantation.

Durch die Organspende wurde nicht nur seine medizinische Versorgung verändert, Heske wurde auch immer fitter und schneller beim Nordic Walking, sodass bald nicht mehr gegangen, sondern gelaufen wurde. Bereits knapp ein Jahr nach der Transplantation absolvierte er seinen ersten richtigen Lauf. Innerhalb von 56 Minuten absolvierte er den Zehn-Kilometer-Lauf an der Aggertalsperre - das damalige Ziel lautete: nur nicht als Letzter die Ziellinie zu überqueren.  Es folgten Stadtläufe, Trail-Läufe, Halbmarathon und 2017 der Marathon in Köln. Insgesamt über 38 offizielle Läufe hat der Wiehler bis heute bestritten, ein fester Termin im Laufkalender ist dabei der Mukoviszidose Lauf auf Amrum.. Dieser Sponsorenlauf findet jedes Jahr statt, dabei sucht jeder Läufer Sponsoren, die ihm pro gelaufenem Kilometer einen bestimmten Betrag zahlen. Der Erlös wird dann beispielsweise für Therapiegeräte gespendet.

Die Teilnahme an den Läufen brachte Heske auf die Idee, selbst etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen, sodass 2017 der erste „Run for Hope“ Lauf stattfand, ein Sponsorenlauf, dessen Erlös der Mukoviszidose Selbsthilfe Oberberg zu Gute kommt. Diese Selbsthilfegruppe wurde unter anderem von Heskes Mutter 1996 gegründet und hat 96 Mitglieder, darunter 22 Betroffene. Der Auftakt im vergangenen Jahr brachte einen Erlös von über  5.000 €, mit dem die Betroffenen in der Region unterstützt werden. Unter anderem für die Anschaffung von Therapiegeräten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, oder um die Patienten bei der finanziellen Eigenbeteiligung an Medikamenten zu entlasten.  Da der Auftakt im vergangenen September mit knapp 300 Teilnehmern ein großer Erfolg war, findet der Lauf dieses Jahr erneut statt. Am 9. September 2018, ab 11 Uhr, können die Teilnehmer in Heienbach Strecken von fünf und zehn Kilometer laufen oder sich auch beim Halbmarathon versuchen. Es wird kein Startgeld erhoben und jeder Läufer - ob geübter Läufer oder Spaß-Jogger – sind eingeladen mitzulaufen. „Run for Hope“ wird von oberbergischen Firmen gesponsert, der Erlös kommt komplett der Selbsthilfegruppe Oberberg zugute. Interessierte Läufer können sich bis zum 26.08 anmelden: www.muko-oberberg.com/run-for-hope/anmeldung-run-for-hope-2018/

Jeske sieht seine Organspende als großes Geschenk an. Bei seiner Diagnose wurde seinen Eltern gesagt, dass er wohl niemals das Erwachsenenalter erreichen würde und heute bestreitet der 48-Jährige einen Lauf nach dem nächsten und kann frei atmen. Sehr oft denkt Jeske beim Laufen an seinen Organspender. Heske wünscht sich, dass sich mehr Menschen mit dem Thema Organspende beschäftigen und sich einen Organspendeausweis zulegen. „Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, ob man sich nun bereit erklärt, seine Organe zu spenden und ich kann jeden verstehen, der dies auch verschiedenen Gründen nicht möchte. Dennoch sollte man sich selbst die Frage stellen, ob man im Falle eines Unfalls die Organe eines anderen Menschen annehmen würde, um zu überleben. Wenn man auf diese Frage mit Ja antwortet, sollte man auch bereit sein, selbst Organe zu spenden. Denn eine Organspende rettet Leben.“