Archiv

Dakar-Abenteuer: „Ich hasse Sand“

bv; 2. Mar 2015, 15:28 Uhr
Bilder: Bernd Vorländer --- Wollen 2016 das Abenteuer 'Dakar' mit einem optimierten Land Rover Defender nochmals angehen: (v. li.) Ali Gharib, Ralf Ehlermann und HC Maurer.
ARCHIV

Dakar-Abenteuer: „Ich hasse Sand“

bv; 2. Mar 2015, 15:28 Uhr
Gummersbach – Ali Gharib und Hans-Christian Maurer nahmen an der Rallye Dakar teil und besuchten am vergangenen Samstag mit ihrem Land Rover Defender 'Wurth Automotive' in Gummersbach.
Von Bernd Vorländer

Der feine Sand kriecht durch jede Ritze, er sammelt sich in der Technik des Geländewagens, er steckt in der Kleidung, in den Ohren, man schmeckt ihn auf der Zunge – und er macht den Tag zu einem undurchdringlichen Nebel. „Ich hasse Sand und den Begriff fesh-fesh“, sagt Ali Gharib. Stunden schon prügelt der Kölner seinen Land Rover Defender TD 5 durch die argentinische Pampas, lauscht konzentriert den Ansagen seines Beifahrers Hans-Christian Maurer, der aus Bergisch Gladbach kommt und den alle nur „HC“ nennen. Beide fahren die „Dakar“. Allein der Name lässt das Herz von Motorsportbegeisterten schneller schlagen. Früher hieß dieses härteste Autorennen der Welt „Paris – Dakar“, aber nachdem es auf dem afrikanischen Kontinent zu unsicher wurde, haben es die Organisatoren kurzerhand nach Südamerika verlegt. Jetzt führt der wilde Ritt bereits seit sieben Jahren durch Argentinien, Chile und Bolivien.


Gharib und Maurer sind das erste Mal dabei und erfüllen sich einen Traum. „Ich habe mich allerdings des öfteren gefragt, ob ich verrückt bin, dass ich mir das antue“, sagt Gharib, der am vergangenen Samstag beim Tag der Offenen Tür von "Wurth Automotive" in Kotthauserhöhe sein Fahrzeug und sein Team vorstellte. Die Idee kam den beiden Dakar-Novizen Ende 2013. Zuvor hatte man sich bei verschiedenen Geländewagen-Rallyes kennengelernt. Ralf Ehlermann war derjenige, der das Team motivierte und zusammenführte. Bereits seit mehr als 25 Jahren fährt er privat mit Geländewagen nach Afrika, traf dort auch immer wieder auf die Dakar-Teilnehmer und modifizierte fortan in Eigenregie Geländewagen. Vor allem selbst abgestimmte Fahrwerke Marke Ehlermann waren fortan in der Szene begehrt. „HC“ Maurer pilotierte früher selbst Geländewagen und verfügt als Rennmechaniker über das nötige Know how. Und Gharib war früher Konkurrent, ehe man sich für das Dakar-Abenteuer zusammenschloss.

Nachdem der Entschluss gefallen war, galt es, Sponsoren zu suchen. Schließlich – so schätzte man – benötigte man für die Dakar 2015 rund 200.000 €. Als das Geld zusammengekommen war, musste man sich einen Weg durch das über 400 Seiten starke Reglement bahnen. Wochenlang rauchten die Köpfe, es wurde getüftelt und verworfen, ehe es daran ging, ein seriennahes Fahrzeug entsprechend umzubauen. Der fertige „Landy“ gelangte per Schiff im November 2014 zum Startplatz, die sechsköpfige Mannschaft folgte am 28. Dezember. Das Abenteuer begann.


[Hans-Christian Maurer, Ali Gharib und Ralf Ehlermann (v. li.) tüfteln bereits am Projekt "Dakar 2016.]

Der Start erfolgte am 4. Januar und übertraf alles, was sich die Rheinländer vorgestellt hatten. 1,5 Millionen Menschen in Buenos Aires verfolgten den Start der über 400 Teilnehmer. Gharib und Maurer mussten jede Menge Autogramme schreiben. „Wir fühlten uns schon ein bisschen wie Popstars“, schmunzelt Maurer noch heute. Es folgte eine 500 Kilometer Verbindungsetappe über Autobahnen und auch dort riss der Menschenstrom nicht ab, die einen Blick auf die Boliden werfen wollten. Dann wurde es ernst. Ohne technische Hilfsmittel, nur einem „Roadbook“ vertrauend, begann die wilde Hatz durch Wüstensand. Natürlich war der 200 PS-Land Rover den übrigen, werksunterstützten Fahrzeugen unterlegen, doch der Respekt der anderen Teams war Gharib und Maurer gewiss. Zwischen zehn und zwölf Stunden saß man tagsüber im Auto, immer voll konzentriert, immer am Limit.

Im Dunkeln erreichte man die Zwischenstationen. Dort wartete ein vierköpfiges Team, um notwendige Reparaturen zu tätigen. Zuvor galt es jedoch, per Druckluft den Wagen von Unmengen von Sand zu befreien. Gharib und Maurer nahmen einige Stunden Schlaf im Zelt, ehe es weiterging. Immer wieder Dünen und ein Fahrweg, der kaum zu erkennen war. Am vierten Tag verunglückt ein Renn-Truck vor ihnen, Gharib kann im letzten Moment bremsen, aber es geht weder vor noch zurück. Man verliert fünf Stunden, kommt erst im Morgengrauen an der Kontrollstelle an, 40 Minuten, bevor man zur nächsten Tagesetappe starten müsste. Gharib und Maurer sind ausgelaugt, fertig mit den Nerven und folgen ihrem Kopf und nicht den Emotionen: Sie geben auf – für dieses Jahr. „Nächstes Jahr sind wir wieder dabei und dann heißt das Ziel: Ankommen.“ Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Dakar – das ist eine Sucht.
WERBUNG