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„Superjeile Zick“ auf dem Steinmüllergelände

vma; 22. Apr 2013, 00:07 Uhr
Bilder: Martin Hütt (1-33) / Vera Marzinski (34-40) --- Die Kölner Band 'Brings' brachte die Stimmung bei den 'Gummersbacher-Kölschen' in Sekunden zum Kochen.
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„Superjeile Zick“ auf dem Steinmüllergelände

vma; 22. Apr 2013, 00:07 Uhr
Gummersbach - Im großen Festzelt rockten „Brings“ das Publikum mit ihrer unvergleichlichen Spielfreude, energiegeladenen Bühnenshow und „Musik un noch mieh Musik“ (AKTUALISIERT).
Von Vera Marzinski

Doch bevor das Konzert starten konnte, mussten die Gäste viel Geduld mitbringen. Der Einlass sollte um 17:30 Uhr starten und begann über eine Stunde später. Veranstalter Roland Reh bat über Mikrofonansage um Verständnis. Der Einlass von knapp 3.000 Menschen dauere eben etwas länger. Das hätte die Organisation jedoch vorher absehen können. Trotz der langen Wartezeit waren die Fans guter Stimmung und dann lief der Countdown zum Abflug, denn „Die Nacht ist nicht zum Schlafen da“. Das wollte auch keiner. Aber mitsingen und schunkeln und kreischen. Von „Poppe, Kaate, Danze“ über „Hay, Hay, Hay“ und „Dat is geil“ bis zum „Halleluja“. Es fetzte förmlich und Stephan Brings sprang im rot-karierten Schottenrock wie ein Irrwisch über die Bühne. Doch nicht nur die rockigen Stücke kamen gut an. Balladen wie „Ungerm Mond vun Kölle“ gingen richtig unter die Haut. Das war Feuerzeug-Alarm und gleich darauf ging es in die „Eifel“.



Die „kölsche“ Mundart ist den Oberbergern nicht fremd und so hatten die knapp 3.000 Gäste auch kein Problem die Stücke wie „Loss dich falle“ mit Schunkelalarm oder „Sulang mer noch am lääve sin“ lautstark mit zuschmettern. Und sie sind Textsicher, so wie Ursula Wodicka aus Waldbröl. Sie war schon vor zehn Jahren beim Konzert in der Gummersbacher Stadthalle dabei. Damals drängten sich nicht so lange Menschenschlangen am Einlass, aber die drei Stunden anhaltende Stimmung haben sie damals überzeugt. Vier bis fünf „Brings“-Konzerte im Jahr sind seit dem üblich.


 [Nicht nur die "Brings" trugen rot-kartiert. Die eingeschworenen Fans kamen ebenfalls in diesem Outfit.]

Die Band "Brings" um die Brüder Peter und Stephan Brings ist seit über zwanzig Jahren erfolgreich auf Deutschlands Bühnen unterwegs - und nicht nur an Karneval. Ihr Mundart-Rock hatte schnell einen hervorragenden Ruf. Schon 1991, im ersten Jahr nach der Bandgründung, gaben sie gleich reihenweise Konzerte. Da traten sie im Müngersdorfer Stadion sogar schon als Vorgruppe von Simple Minds auf. Auftritte bei "Rock am Ring" oder im "Rockpalast" waren der beste Beweis für ihr Renommee als überzeugender Live-Act.
 
[Ausverkauftes Zelt auf dem Steinmüllergelände und "Dat is geil"-Stimmung]

Brings sind Jungs, die nicht "Maul halten". So gehörte natürlich auch das „Arsch huh – Zäng ussenander“ ins Gummersbacher Programm. Denn Brings gehören zur Musiker- und Künstlerinitiative „Arsch huh - gegen Rassismus und Neonazis“. In über 20 Jahren hat „Brings“ mit unermüdlicher Livepräsenz bei ihren Live-Auftritten auf bundesweiten Tourneen, Festivals und im Karneval ihr Publikum mit enormer Spielfreude und ihrer eindrucksvollen Bühnenshow immer wieder aufs Neue begeistert. Mittlerweile sind alle über 40 – auch Keyboarder Kai Engel -, aber sie werden nicht müde. Selbst eine Karneval-Session oder ein zweieinhalbstündiges Konzert kann ihnen nichts anhaben.

Der absolute Durchbruch für die Exoten im Kölner Karneval kam im Jahr 2000 mit „Superjeile Zick“. Und seitdem darf der Hit bei keinem Auftritt fehlen. Auch originelle Coverversionen entwickelten sie zu „Man müsste noch mal 20 sein“ und dem Zarah-Leander-Evergreen „Nur nicht aus Liebe weinen“- beiden hauchten sie neues Leben ein.

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Sie haben es einfach drauf, die Massen zu begeistern. Da fragt Gitarrist Harry Alfter, ob das Publikum Jerry Lewis den Mann mit der Schreibmaschine kenne und schon spielen sie in atemberaubender Schnelligkeit „The Typewriter“ – sogar mit verbundenen Augen. Alfter ist ein Meister auf seinem Instrument. Genial auch Kai Engel an Keyboard, Akkordeon und Mundharmonika. Peter Brings beeindruckt immer wieder mit seiner rauchigen und einzigartigen Stimme, sein Bruder Stephan ist nicht nur ein super Bassist sondern verliert nie seine Tanzenergie. Und auch Schlagzeuger Christian Blüm zeigt mehr als dynamisch seine Spielfreude. Zu den fünf „Brings“ kamen am Samstagabend im Zelt auf den Steinmüllergelände noch zwei weitere hervorragende Musiker: Trompeter Christoph Titz und Posaunist Michael Theissing-Tegeler.

Viele Uptempo-Stücke, wunderbare Balladen und zum Schluss ein Medley, bei dem „Mama“ natürlich nicht fehlte. Die Brings-Frage ans Publikum „Seid ihr echte Gummersbacher-Kölsche?“ erübrigte sich eigentlich, denn es schallte ständig in der rheinischen Mundart durch das große Zelt. Und wer anschließend noch nicht nach Hause gehen wollte, konnte zur Musik von DJ Roland Reh noch weiter tanzen.
  
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